[WestG] [AUS] "Alles wird Kunst sein ...": 100 Jahre LWL-Landesmuseum, 09.03.-15.06.2008, Muenster
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 20 09:34:54 CET 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.03.2008, 15:14
AUSSTELLUNG
Bilder vor den Nationalsozialisten gerettet
"Alles wird Kunst sein ...": 100 Jahre LWL-Landesmuseum
Das LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster
zeichnet vom 9. März bis zum 15. Juni 2008 in einer umfassenden
Ausstellung mit über 200 Exponaten ein Jahrhundert
ereignisreicher Sammlungsgeschichte des Hauses nach. Die
Ausstellung "Alles wird Kunst sein ..." im Museum des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) spiegelt anhand von
bedeutenden Gemälden wider, wie sich die Sammlung von 1908 bis
heute entwickelt hat: von Werken des Mittelalters über
Renaissance und Barock bis hin zur Kunst der Moderne und
Gegenwart. In einer Serie stellt der LWL ausgewählte Exponate
der Ausstellung vor.
In der Ausstellung "Alles wird Kunst sein ..." wird auch die
Geschichte des LWL-Landesmuseums in den 1930er Jahren sowie die
von den Nationalsozialisten durchgeführte Aktion "Entartete
Kunst" dokumentiert. Kurz vor der Eröffnung der
Jubiläumsausstellung meldete sich eine Augenzeugin und alte
Münsteranerin im Museum: die Tochter des Landesrates Maximilian
Krass (1873-1949).
Ihr Vater habe als Vorstandsmitglied des Westfälischen
Kunstvereins mehrere von Beschlagnahmung bedrohte Werke in
seiner Wohnung gesichert - ebenso andere Mitglieder des
Vorstandes. Diese Werke wurden nachträglich noch in die
Ausstellung aufgenommen und sind ab sofort dort zu sehen.
Alte Fotos von dem Salon des Hauses an der Melchersstraße in
Münster zeigen ein Pastell des Malers Lovis Corinth, das er am
31. Juli 1904 von seiner hochschwangeren Frau Charlotte Berend
fertigte, und ein Gemälde mit Tempera des rheinischen
Expressionisten Heinrich Nauen. "Das Bild von Corinth war hoch
gefährdet, weil die Nazis seine Bilder im Visier hatten und weil
Charlotte Berend jüdischer Herkunft war.
Sie rettete sich mit ihren beiden Kinder 1933 in die USA",
erklärt der Kurator der Ausstellung, Dr. Gerd Dethlefs. Das Bild
mit der lieblichen "Südlichen Landschaft" von Nauen war
ebenfalls in Gefahr, weil der Künstler auf der Schwarzen Liste
stand und in mindestens neun Museen mindestens 71 seiner Bilder
konfisziert wurden.
Die "Entartete Kunst"
Die moderne Kunst, die auf eine Verselbständigung der Form
gegenüber dem Inhalt abzielte, zum Beispiel im Kubismus oder
Expressionismus, stieß zu Beginn des 20. Jahrhunderts bei der
Mehrheit der Bevölkerung auf Unverständnis und starke Ablehnung.
Die Nationalsozialisten griffen das auf und verfolgten jede
Abweichung, die das kleinbürgerliche ästhetische Empfinden
verletzte: "Die Arbeiten von Juden, ganz gleich welcher
Gesinnung und welchen Stils, ,jüdische' Themen, auch wenn sie
von ,arischen Künstlern stammen',pazifistische Sujets,
sozialistische oder marxistische Themen, unschöne Gestalten,
aller Expressionismus, abstrakte Kunst" wurden bei der
"Entarteten Kunst" beschlagnahmt und zum Teil zerstört.
Nachdem schon seit 1933 Museumsdirektoren, die Werke der Moderne
erworben hatten, entlassen, die Bilder abgehängt und in
sogenannten "Schandausstellungen" diffamiert wurden, begann nach
der Olympiade 1936 die systematische Verfolgung nichtkonformer
Kunst. Im Sommer 1937 wurden in deutschen Museen insgesamt rund
16.000 Werke beschlagnahmt - im Landesmuseum der Provinz
Westfalen allein 44, davon drei Gemälde aus dem Eigentum des
Kunstvereins.
INFO
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster
Domplatz 10
48143 Münster
Tel.: 0251 5907-01
Fax: 0251 5907-210
E-Mail: landesmuseum at lwl.org