[WestG] [AKT] LWL-Industriemuseum baut Besucherbergwerk weiter aus, Witten-Bommern
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Mär 14 10:42:29 CET 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 13.03.2008, 12:43
AKTUELL
Auf Nachtigall rattern die Abbauhämmer
LWL-Industriemuseum baut Besucherbergwerk weiter aus
Der Druckluftkompressor dröhnt, Bohr- und Abbauhämmer rattern,
eine beladene Lore wird mit dem Seilhaspel aus dem Stollen
gezogen, schwarzgesichtige Bergleute setzen sich zum "Buttern"
vor den Ausgang. Was sich zur Zeit im LWL-Industriemuseum Zeche
Nachtigall in Witten abspielt, ist kein historisches Rollenspiel,
sondern echte bergmännische Arbeit:
Seit Dezember sind Fachleute der Firma Thyssen Schachtbau im
Auftrag des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) mit einer
kniffligen Aufgabe betraut: Den vor Jahrzehnten zu Bruch
gegangenen östlichen Stollen der früheren Zeche wieder begehbar
zu machen. Der 100 Meter lange Gang führt tief in den Berg zu
einem mächtigen Kohleflöz und soll als Erweiterung des
bestehenden Besucherbergwerks im Sommer 2009 eröffnet werden.
Die Aufgabe ist nicht leicht. "Hier sind riesige Felstrümmer
herabgestürzt, die den Weg versperren. Die müssen weg, und
stählerne Bauteile müssen den Druck des Berges abfangen, damit
unsere Besucher den Stollen sicher passieren können", erläuterte
LWL-Museumsleiter Michael Peters am Donnerstag (13.03.) in
Witten.
Aber der Aufwand lohnt: Nirgendwo sonst im Ruhrgebiet kann man
als Tourist "unter Tage" direkt an ein mehr als einen Meter
mächtiges Kohleflöz gelangen. Peters: "Hier sieht man die Kohle,
wie sie vor mehr als 300 Millionen Jahren gewachsen ist und
erkennt gleichzeitig, wie sie vor mehr als 160 Jahren abgebaut
wurde. Das können Museumsbesucher weit und breit nur im
LWL-Industriemuseum erleben."
Doch dazu müssen die hereingebrochenen Felsmassen erst einmal
hinausgeschafft werden. Die Bergleute bedienen sich dazu einer
modernen Variante der alten Kohlenbahnen und haben mit starken
Ankereisen eine "Einschienen-Hängebahn" im Felsgewölbe
angebracht. "Damit fördern wir auch unsere Werkzeuge und
Maschinen sowie das ganze Material für den Ausbau vor Ort,"
erklärt Steiger Michael Plose.
Gearbeitet wird in 10-Stunden-Schichten ab 6 Uhr morgens - auch
um den Museumsbetrieb im Bergwerk möglichst wenig zu stören. Im
Schutz starker Stahlschienen wird Bau um Bau gesetzt und das
lose Gestein in die Gondel der Hängebahn geschaufelt. Dann
fördern die Loren die Steine zu Tage - Tonne um Tonne.
Kohle werden die Bergleute hier nicht mehr fördern. "Was noch
drin ist, bleibt drin" erklärt Michael Peters. "Die
wirtschaftlich verwertbaren Kohlereste sind seit den Notzeiten
des 20. Jahrhunderts längst zu Tage gefördert. Es sind nur
wenige sogenannte "Sicherheitspfeiler" von den wertvollen
Kohleflözen der Zeche Nachtigall stehen geblieben.
Die wandern in keinen Ofen, die wollen wir unseren Besuchern
zeigen." Bis zum Jahresende, hofft er, werden die Arbeiten
fristgerecht erledigt sein. Und so haben Museumsbesucher auf
Zeche Nachtigall noch eine Weile die Chance, einen "echten
Bergmann" in Aktion zu erleben.
INFO
LWL-Industriemuseum
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten-Bommern
Tel.: 02302 93664-0
Fax: 02302 93664-22
E-Mail: Zeche-Nachtigall at lwl.org