[WestG] [AKT] Filmische Zeitdokumente im Blickpunkt des 60. Westfaelischen Archivtages, 11./12.03.2008, Iserlohn

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 13 10:35:49 CET 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.03.2008, 11:18


AKTUELL

60. Westfälischer Archivtag 
Filmische Zeitdokumente und Bildungsarbeit im Blickpunkt

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) appelliert an 
Amateurfilmer, privates Filmmaterial für Dokumentationen zur 
Verfügung zu stellen, damit wertvolle Quellen - etwa für die 
Dokumentation der Regionalgeschichte - nicht verloren gehen.

Historisches Filmmaterial ist vor allem in vielen 
Kommunalarchiven eine gefragte Quelle, da es sehr anschaulich 
Stadt- und damit auch Alltagsgeschichte in einer Region lebendig 
werden lässt.

Allerdings stelle der Umgang mit dem Medium Film die Archive vor 
große Herausforderungen, hieß es beim 60. Westfälischen 
Archivtag in Iserlohn. Dort treffen sich am Dienstag und 
Mittwoch (11./12.3.) rund 200 Archivare aus Westfalen und den 
angrenzenden Bundesländern.

"Filmische Quellen - haltbar für die Ewigkeit?" so lautet etwa 
der Titel des Vortrags von Dr. Ralf Springer und Dr. Volker 
Jakob vom LWL-Medienzentrum für Westfalen am zweiten Tagungstag. 
"Wir erläutern, wie Filme zu behandeln sind, um sie lange als 
Quellen zu erhalten. Eine Sicherung für die Ewigkeit wird uns 
aber nicht gelingen", räumt Springer ein. Die Lagerung bei 
niedriger Temperatur und geringer Luftfeuchte begrenzen 
beispielsweise die Gefahr biologischer und chemischer Schäden. 
Beim Abspielen von Filmen auf herkömmlichen Projektoren können 
außerdem mechanische Schäden entstehen.

"Nach Schätzungen verlieren wir 80 bis 100 Prozent des 
Filmmaterials eines Jahrgangs", so Dr. Ralf Springer. Er und 
seine Kollegen sind daher bemüht, möglichst viel privates 
Material zu sammeln und es nach einer professionellen 
Bearbeitung der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Am ersten Tag des Westfälischen Archivtages suchten die 
Teilnehmer zunächst nach Möglichkeiten, ein breites Interesse 
für die Quellen der Archive zu wecken. "Archive müssen Konzepte 
entwickeln, um die Aufmerksamkeit nicht nur von Wissenschaftlern,
 sondern auch von interessierten Laien zu gewinnen", betonte Dr. 
Marcus Stumpf, seit 1. März neuer Leiter des LWL-Archivamtes.

Ein weiteres Schwerpunktthema zum Auftakt war die praxisnahe 
Gestaltung der Bildungsarbeit für Erwachsene und Jugendliche. In 
einer Arbeitsgruppe diskutierten die Archivare unter anderem 
über die Arbeit mit Heranwachsenden. "Wir wollen junge Leute 
dazu motivieren, das Archiv als außerschulischen Lernort zu 
nutzen", sagte Stumpf. Zudem ging es bei der Tagung darum, die 
durch das Internet gegebenen Chancen zu erörtern. Für eine 
erfolgreiche Positionierung der Archive im Bereich der Kultur- 
und Bildungsarbeit, so der Tenor unter den Teilnehmern, sei das 
Medium unverzichtbar.

Wie hervorragend AV-Medien in der Bildungsarbeit eingesetzt 
werden können, verdeutlichte Martina Wittkopp-Beine aus dem 
Stadtarchiv Plettenberg exemplarisch an dem DVD-Projekt "Schule 
unterm Hakenkreuz". In Kooperation mit dem LWL-Medienzentrum 
arbeitete das Stadtarchiv historisches Filmmaterial auf. Die 
fertige DVD dient als Lehrmaterial für den Schulunterricht.

Das LWL-Archivamt für Westfalen ist eine Einrichtung des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Innerhalb der 
landschaftlichen Kulturpflege hat das Amt die Aufgabe, die 
Archive nichtstaatlicher Träger, d.h. die kommunalen, 
kirchlichen und privaten Archive in Westfalen-Lippe, fachlich 
wie technisch zu beraten und zu unterstützen. Weiterhin ist dort 
das eigene Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe sowie 
das Archivdepot der Vereinigten Westfälischen Adelsarchive e. V. 
beherbergt.