[WestG] [AKT] Vereinnahmung d. praehistorischen Archaeologie durch Ideologie u. Politik im 19. und 20. Jh., 12.03.2008, Detmold

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 6 11:50:08 CET 2008


Von: "Winter, Katrin" <winter at lippisches-landesmuseum.de>
Datum: 06.03.2008, 10:25 


AKTUELL

Das Lippische Landesmuseum Detmold setzt am Mittwoch, 12.03.08, 
um 19.30 Uhr, seine Vortragsreihe "Römer und Germanen in 
Nordwestdeutschland" fort. 
Vortrag: "Die Vereinnahmung der prähistorischen Archäologie 
durch Ideologie und Politik im 19. und 20. Jahrhundert". 
Es spricht PD Dr. Uta Halle von der Humboldt-Universität Berlin.

Die prähistorische Archäologie wurde nach 1815 bzw. verstärkt 
nach 1871 in die Suche nach nationaler Identität einbezogen und 
baute in großen Teilen des Deutschen Reiches auf den "Germanen" 
auf. Die Beschäftigung mit der heimischen Urgeschichte und ihren 
archäologischen Quellen schuf ein willkommenes Gegenbild zu den 
bis dahin nur aus den antiken Texten bekannten "Barbaren". Die 
materielle Hinterlassenschaft der eigenen vorgeschichtlichen 
Vergangenheit erlaubte nun die Konstruktion nationaler Größe und 
Geschichte. Nationale Identität erhielt auf diesem Weg eine 
prähistorische Legitimation.

Zahlreiche Ausgrabungen, sowohl pseudo- wie auch 
wissenschaftlicher Art des 19. und frühen 20. Jahrhunderts durch 
Gymnasiallehrer, Pfarrer, Soldaten etc. besaßen eine direkte 
Verknüpfung mit der Varusschlacht. Mit anderen Untersuchungen 
sollte hingegen die kulturelle Höherwertigkeit der "Germanen" 
als unmittelbare Vorfahren der Deutschen bewiesen werden.

In dieser Zeit wurde der Grundstock gelegt, auf dem sich die 
prähistorische Archäologie im Nationalsozialismus weiter 
entwickeln konnte. Die prähistorische Archäologie gilt als 
Schlüsselfach der NS-Zeit, konnte sie doch ideologisch besetzte 
Schlagwörter des Nationalsozialismus, wie Leistung oder 
Kameradschaft über ihre Arbeit mit Ausstellungen, Vorträgen, 
Schulbüchern etc. in weite Bereiche des öffentlichen Lebens 
transportieren.

In ihrem Vortrag wird Dr. Uta Halle an mehreren Beispielen 
aufzeigen, wie Forschungsarbeiten dieser Art im 19. und 20. 
Jahrhundert aussahen und wie vielfach politische Absichten, wie 
z. B. die Durchsetzung von Gebietsansprüchen im Westen und Osten 
Deutschlands, daran geknüpft wurden.


INFO

Vortrag: Die Vereinnahmung der prähistorischen Archäologie durch 
Ideologie und Politik im 19. und 20. Jahrhundert
Datum: 12.03.08, 19.30 Uhr
Lippisches Landesmuseum Detmold
Ameide 4
32756 Detmold
Tel.: 05231 - 9925-0
Fax: 05231 - 9925-25
E-Mail: info at lippisches-landesmuseum.de 
URL: www.lippisches-landesmuseum.de 

Karten (3,- €) können unter Tel. 05231 / 9925-0 oder 
info at lippisches-landesmuseum.de vorbestellt werden.
Weitere Infos und Download des Flyers zur Vortragsreihe unter: 
www.lippisches-landesmuseum.de.