[WestG] [PORT] Tagungsbericht AG Regionalportale, Muenchen, 11./12.09.2007
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Fr Jun 20 15:27:31 CEST 2008
Von: "Stephan Kellner" <Stephan.Kellner at bsb-muenchen.de>
Datum: 20.06.2008, 15:05
PORTAL
Tagungsbericht der Gründungstagung der "AG landesgeschichtliche und
landeskundliche Internet-Portale in Deutschland" (AG Regionalportale)
Am 11. und 12. September 2007 fand in der Bayerischen Staatsbibliothek
in München die Gründungstagung der AG landesgeschichtliche und
landeskundliche Internet-Portale in Deutschland (AG Regionalportale)
statt. Dazu eingeladen hatten die Initiatoren einer AG von Portalen,
Dr.
Marcus Weidner (LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte /
Internet-Portal "Westfälische Geschichte") und Dr. Stephan Kellner
(Bayerische Staatsbibliothek). Der Einladung gefolgt waren 23
Teilnehmer, die 18 verschiedene Einrichtungen (Archive, Bibliotheken,
Museen, Universitäten, wiss. Einrichtungen usw.) vertraten.
Nach der Begrüßung durch Frau Dr. Hildegard Schäffler -
stellvertretend
für die Leitung der Abteilung Bestandsaufbau/Erschließung - ging Dr.
Kellner in seiner Einführung auf die Gründe für die Tagung und den
Plan,
eine AG Regionalportale zu initiieren, ein. Zwar seien regionale
Portale
durch die verschiedenen Träger und unterschiedlichen Zielsetzungen oft
sehr heterogen, gemeinsam ist ihnen aber der auf die Region bezogene
Ansatz. Von daher sei es sinnvoll, die gegenseitigen Angebote
kennenzulernen, die Kommunikation untereinander zu verbessern, nach
Synergieeffekten zu suchen (etwa bei gleichartigem Material wie
Urkunden
oder Karten) sowie sich über technische Fragen auszutauschen.
Dr. Marcus Weidner sprach in seinem Überblicksreferat "Kultureller
Wandel und kein Ende! Strukturen, Probleme und Chancen
landesgeschichtlicher Portale im Internet" grundlegende Fragen der
Akzeptanz und Nutzung des Internet durch die geisteswissenschaftlichen
Disziplinen an. Zwar sei das WWW als Informationsmedium auch bei
Geisteswissenschaftlern mittlerweile breit akzeptiert, doch gäbe es
bei
der Präsentation insbesondere regionaler Inhalte im Netz nach wie vor
spezifische Schwierigkeiten. Weidner skizzierte den kulturellen und
technischen Umbruch, den das Internet hier ausgelöst hat, und verwies
auf die unterschiedliche Akzeptanz des neuen Informationsmediums und
deren Auswirkungen. Als zentrale Problemkreise identifizierte Weidner
u.
a. die Tradition der Fächer, eine fehlende Online-Publikationskultur,
unterschiedliche (Qualitäts-)Ansprüche und Interessen der jeweiligen
Träger bei der Einrichtung von Regionalportalen, fehlende
Langzeitstabilität der Angebote oder mangelnde (Dauer-)Ressourcen.
Wünschenswert, so Weidner abschließend, sei es, erprobte
Forschungsleitbilder auf das neue Medium zu übertragen, um damit die
Professionalisierung des Internet-Bereichs voranzutreiben, an
gemeinsamen Standards zu arbeiten sowie eine vernetzte Arbeitskultur
und
-teilung zwischen den verschiedenen Kultureinrichtungen (insbesondere
den Archiven, Bibliotheken, Museen und Forschungseinrichtungen) zu
etablieren.
Bei den Referaten zu einzelnen Projekten standen Fragen nach Struktur,
Geschichte, Aufbau, Träger, zur Verfügung stehenden Ressourcen,
Dauerhaftigkeit des Angebots bzw. dessen institutionelle Anbindung
sowie
vorhandene Webservices im Mittelpunkt. Ein erster Block der Referate
trug die Überschrift "Portale in Planung". Hier wurde zunächst von Dr.
Stephan Laux (Landschaftsverband Rheinland, Regional- und
Heimatgeschichte) der Stand beim Portal "Rheinische Geschichte"
präsentiert. Dabei wurde auch eine Frage thematisiert, die
tendenziell für alle landesgeschichtlichen Angebote von Bedeutung ist,
nämlich das Problem der Raumzuständigkeit, also die Differenz
zwischen historischem und aktuellem Raum. Anschließend referierten
Karl-Heinz Buchholz (Landschaftsverband Rheinland, Umweltamt) und
Bernd
Milde (Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Amt für Landschafts- und
Baukultur in Westfalen) anschaulich über das Projekt "kuladig -
Kulturlandschaft digital", ein georeferenziertes
Kulturlandschaftskataster
(http://www.lvr.de/kultur/kulturlandschaftspflege/kuladig+nw).
Schließlich ging Dr. Susanne Baudisch (Staats- und
Universitätsbibliothek Dresden) auf die in Sachsen bestehenden Pläne
ein. In erster Linie werden hier zunächst Ressourcen aus verschiedenen
Bereichen der Bibliothek sowie aus dem Institut für Sächsische
Geschichte und Volkskunde e.V. zusammengeführt, einzelne Teilangebote
sind mittlerweile online: http://www.sachsendigital.de/. Die
anschließende Diskussion befasste sich mit Überlegungen, das Angebot
für verschiedene Zielgruppen zu trennen, unterschiedliche Zugänge für
verschiedene Nutzergruppen einzurichten. Auch die Offenheit regionaler
Angebote gegenüber Laieninitiativen, die Bedeutung eines
niedrigschwelligen Zugriffs für die Akzeptanz wurden angesprochen.
Im zweiten Themenblock "Portale online" stellte zunächst Dr. Weidner
das gut eingeführte und übersichtlich strukturierte Internet-Portal
"Westfälische Geschichte" vor, in dem auch vielfältige Ressourcen aus
den Kultureinrichtungen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL)
vernetzt sind (http://www.westfaelische-geschichte.de). Anschließend
gingen Dr. Gisela Minn ( Universität Trier, RM.net-Projekt, SFB 600)
und
Marco Brösch ( Universität Trier, Kompetenzzentrum für elektronische
Erschließungs- und Publikationsvorhaben in den Geisteswissenschaften)
auf zwei Projekte ein, nämlich das grenzübergreifende Rhein-Maas-Net
(http://urts96.uni-trier.de/cgi-bin/RMnetIndex.tcl) sowie den
Wörterbuch-Verbund. Bei letzterem werden Dialektwörterbücher im
Volltext und untereinander vernetzt im Internet angeboten
(www.wörterbuchnetz.de). Am zweiten Tag wurde das Thema "Portale
online" fortgesetzt. Zunächst referierte Dr. Kellner über die
"Bayerische Landesbibliothek Online"
(http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de), ein kooperativ
betriebenes Angebot bayerischer Bibliotheken mit zahlreichen Partnern,
das seit 2002 online ist und zahlreiche Ressourcen unterschiedlicher
Anbieter unter einer Oberfläche suchbar macht.
Im Anschluss daran präsentierte Dr. Andreas Kunz (Mainz, Institut für
europäische Geschichte) das auf der Open Source Basis (Mapserver,
Mapbender) erstellte HGIS Germany (http://www.hgis-germany.de), ein
Informationssystem der deutschen Staatenwelt seit 1815 mit zahlreichen
Karten. Eine Verlinkung auf andere Portale, durchaus gewünscht, ist
von
den Betreibern derzeit nicht geplant. Dr. Elmar Rettinger (Universität
Mainz, Institut für geschichtliche Landeskunde) stellte
Regionalgeschichte.net (http://www.regionalgeschichte.net) vor, ein
Angebot für Rheinland-Pfalz und Saarland, das auch Initiativen
historisch Interessierter aktiv eine Plattform anbietet, ihre Inhalte
einzustellen. Für den Nutzer ist hier auch die Möglichkeit geboten,
den
Zugang zu personalisieren. Das System ist exportierbar auf andere
Länder. Schließlich boten Sabine Liess und Dr. Heinz Fuchs (Staats-
und Universitätsbibliothek Göttingen) Informationen zu OPAL, das
Zugang
zu den Kulturgütern Niedersachsens bietet
(http://www.opal-niedersachsen.de). OPAL basiert auf dem
Open-Source-Web-Content-Management-System Typo 3. Es verfügt über eine
Schnittstelle zu dem übergreifenden Portal BAM zu Archiven,
Bibliotheken, Museen (http://www.bam-portal.de). Teil von OPAL ist das
parallel entwickelte, aber aus Rücksicht auf den historischen Raum die
Region stärker in den Vordergrund rückende Kulturportal Weser-Ems
(http://www.kulturportalweserems.de/portal/kulturportal_20.php), das
Bestände aus sechs ostfriesischen Museen darstellt. Es wurde von Dr.
Karl-Heinz Ziessow (Museumsdorf Cloppenburg) vorgestellt, nimmt auf
die
Belange des Kulturtourismus Rücksicht und bildet ein Beispiel für das
Spannungsverhältnis, in dem sich moderner Raum und historische Region
befinden können.
Ergänzt wurde dieser Themenbereich durch Vorträge zu Praxis und
Technik. Hier stellte zunächst Florian Sepp M.A. (Bayerische
Staatsbibliothek) an verschiedenen Beispielen die Möglichkeiten vor,
die
sich durch den Einsatz der Personennamendatei (PND), eines von den
Bibliotheken im deutschsprachigen Raum kooperativ betriebenen
Normdateninstruments, für die Verknüpfung personenbezogener Daten in
Portalen bieten. Anschließend gab Dr. Thomas Wolf-Klostermann
(Bayerische Staatsbibliothek) einen Überblick über die Organisation,
den
Workflow sowie die technische Plattform der an der Bayerischen
Staatsbibliothek angesiedelten Digitalisierungsprojekte, den er im
Anschluss mit einer Führung durch das Münchner Digitalisierungszentrum
ergänzte und veranschaulichte
(http://www.digitale-sammlungen.de/index.html) Ergänzend dazu gab es
am zweiten Tag eine instruktive Führung von Herrn Dunaevskiy durch das
zur Bayerischen Akademie gehörige Leibniz-Rechenzentrum in Garching.
Hier werden für verschiedenste Einrichtungen, etwa auch die Bayerische
Staatsbibliothek, Daten langzeitarchiviert oder Forschern Platz für
hochkomplexe Rechenvorgänge zur Verfügung gestellt.
In der Schlussdiskussion wurde die Gründung der AG von den Anwesenden
einstimmig beschlossen. Außerdem war man sich einig, zur
Außendarstellung der AG eine Website einzurichten, auf der sich die
Mitglieder präsentieren können. Der internen Kommunikation dient eine
geschlossene Mailingliste. Website wie Mailingliste wurden
mittlerweile
von Dr. Weidner realisiert (http://www.ag-regionalportale.de), dort
finden sich weitere Informationen zur AG und werden die geplanten
weiteren Tagungen jeweils dokumentiert. Als Thema für zukünftige
Fragen
wurde u.a. die bei Digitalisierungen auftretende
Urheberrechtsproblematik angesprochen.
Dr. Stephan Kellner
Bayerische Staatsbibliothek München (BSB)
Stephan.Kellner at bsb-muenchen.de
Weitere Informationen finden Sie auf der Website der AG
Regionalportale
URL: http://www.ag-regionalportale.de