[WestG] [AUS] Ausstellung "Aufbau West" zeigt ausgewählte "Spuren des Neubeginns", Lage, bis 21.09.2008

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Jul 16 12:57:26 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.07.2008, 09:31


AUSSTELLUNG

Eine Schlafstätte mit Geschichte
Ausstellung "Aufbau West" zeigt ausgewählte "Spuren des 
Neubeginns"

Auch nach fast 60 Jahren scheint das hölzerne Gestell des 
amerikanischen Feldbettes noch recht stabil und der Bezug aus 
olive-farbenem Leinen kräftig. Das sollte auch so sein, denn das 
Bettlager aus dem Jahr 1948 diente bei Käthe und Fritz Tempel 
aus Münster viele Jahre als Schlafstätte für Besucher. Derzeit 
müssen sich Gäste im Hause Tempel aber mit einer anderen 
Bettstatt begnügen: Das Feldbett ist eines von zahlreichen 
Objekten, die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in 
der Sonderausstellung "Aufbau West" über den Neubeginn zwischen 
Vertreibung und Wirtschaftswunder im LWL-Ziegeleimuseum in Lage 
(Kreis Lippe) präsentiert.

Im Mittelpunkt dieser Ausstellung stehen die Leistungen und 
Erfahrungen der Flüchtlinge und Vertriebenen aus dem Osten und 
der Sowjetischen Besatzungszone, die zwischen 1945 und 1961 mit 
Arbeitskraft, Know-how und Unternehmergeist zum Wiederaufbau im 
Westen beitrugen.

Mehrere Hundert Objekte und Fotos - darunter auch das Feldbett - 
erinnern an den Neubeginn und dokumentieren über 30 Familien- 
und Betriebsgeschichten.

Der Kauf des Feldbettes 1948 in Hamburg war Ergebnis einer 
glücklichen Familienzusammenführung. Während des Krieges hatten 
sich die Tempels aus den Augen verloren, weil Käthe Tempel mit 
dem gemeinsamen Sohn im Februar 1945 aus dem ostpreußischen 
Königsberg nach Dänemark floh, während ihr Mann noch als Soldat 
im Einsatz war.

Zwar hatte die kleine Familie vorab die Wohnung eines Verwandten 
in Hamburg als gemeinsamen Treffpunkt "nach dem Krieg" 
ausgemacht. Hierher schaffte es zunächst aber nur Fritz Tempel, 
nachdem er im Juni 1945 aus russischer Gefangenschaft entkommen 
war. Versuchte Kontaktaufnahmen zwischen den Eheleuten über das 
Rote Kreuz schlugen fehl. Erst 1947 erreichte die Verwandtschaft 
in Hamburg ein Brief von Käthe Tempel und sogleich konnte Fritz 
Tempel über die Lebensnachricht von seiner Frau benachrichtigt 
werden.

Noch ein gutes Jahr lang mussten sich die Eheleute aber mit 
einem Briefwechsel zufrieden geben, denn es bestand ein 
Zuzugsverbot für Hamburg. Erst im April 1948 konnten Käthe 
Tempel und Sohn Joachim das Internierungslager in Dänemark 
verlassen und nach Hamburg reisen.

Durch die Familienzusammenführung wurde es eng im 
Behelfsquartier von Fritz Tempel. Weil Platz und Möblierung 
nicht ausreichten, investierte die junge Familie nach der 
Währungsreform 1948 ihre ersten D-Mark in ein neues Bett. Für 9,
90 DM kaufte sie in Hamburg ein amerikanisches Feldbett, das in 
den folgenden Jahren als zweites Bett genutzt wurde.

Auch nach dem Umzug nach Appelhülsen/Münster im Jahr 1953 verlor 
das Feldbett für Käthe und Fritz Tempel nicht an Bedeutung. 
Immer wieder wurde es als zusätzliches Besucherbett hervorgeholt 
und damit gleichzeitig die Erinnerung an die glückliche 
Familienzusammenführung in Hamburg aufgefrischt.

Besucher des LWL-Ziegeleimuseums können das Feldbett noch bis 
September 2008 in der Sonderausstellung "Aufbau West" sehen. 
Hier steht es mit weiteren Exponaten wie einem Etagenbett und 
einem Ofen in der Nachbildung eine Notunterkunft.


INFO

Aufbau West - 
Neubeginn zwischen Vertreibung und Wirtschaftswunder
bis 21.09.2008
LWL-Industriemuseum
Ziegeleimuseum in Lage
Sprikernheide 77 I
32791 Lage 
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr