[WestG] [AKT] Der LWL verleiht seinen Annette-von-Droste-Huelshoff-Preis 2008 an Tilman Rammstedt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Dez 10 10:28:35 CET 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 09.12.2008, 09:27
AKTUELL
Der LWL verleiht seinen
Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis 2008 an Tilman Rammstedt
Der Autor Tilman Rammstedt hat am Dienstag (09.12.) aus den
Händen von LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch den renommierten
Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis entgegen genommen. "Rammstedts
Name steht für eine selbstbewusste, junge westfälische
Autorengeneration, die wieder lustvoll erzählt, parodierend,
persiflierend und satirisch", lobte Kirsch, als er Rammstedt den
mit 12.800 Euro dotierten Preis im Museum für Westfälische
Literatur in Oelde (Kreis Warendorf) überreichte. Den
"Westfälischen Literaturpreis" verleiht der LWL alle zwei Jahre
im Wechsel mit dem Konrad-von-Soest-Preis für bildende Kunst.
"Tilman Rammstedt versteht es, Themen seiner Generation in einer
präzisen und lustvollen Sprache auszudrücken. Dabei kultiviert
er eine Nähe zum Grotesken und Lakonischen ebenso wie ein Faible
für das Unterhaltsame. Rammstedts Rollenprosa ist Satz für Satz
stringent und minutiös komponiert und bezeugt ein ausgeprägtes
Gefühl für Rhythmik und Musikalität", heißt es in der Begründung
der Jury. Seine Erzählbände seien eher "leise Bücher", in denen
das Innenleben der Protagonisten ausgeleuchtet werde. Der Autor
erweise sich dabei als ein Meister der Erzähldramaturgie, der es
virtuos verstehe, Alltägliches in Literatur zu verwandeln, so
die Jury weiter.
"Tilman Rammstedts Buch 'Der Kaiser von China' ist ein ganz und
gar undeutsches Buch, das jeden Preis verdient", sagte Oliver
Jungen, Literaturredakteur bei der FAZ, in seiner Laudatio,
denn:
"Dieser Roman ist ein Tempel, ein Affenzirkus, eine
Liebeserklärung an die Phantasie, weil die Phantasie eine
Liebeserklärung an das Leben ist. 'Der Kaiser von China" ist ein
Buch, das uns die richtige Station verpassen lässt, die richtige
Bahn, die richtige Stadt, alles scheinbar Richtige, den Schlaf,
den Einkauf, das Kino-Rendezvous. Ein Roman, aus dem wir nicht
aussteigen können, nicht bei diesem Tempo, der uns hochreißt,
mitreißt, wegreißt, weit fort."
Zur Person:
Der 33-jährige Tilman Rammstedt ist in der Literaturszene kein
Unbekannter: Bereits 2001 gewann er den Nachwuchswettbewerb Open
Mike, vor zwei Jahren erhielt er den Förderpreis für grotesken
literarischen Humor der Stadt Kassel, im Jahr darauf den
Förderpreis des Landes NRW und in diesem Jahr den
Ingeborg-Bachmann-Preis sowie den Publikumspreis beim
Klagenfurter Lese-Wettbewerb.
Rammstedt hat in Bielefeld das Abitur gemacht, danach studierte
der Sohn eines Soziologieprofes-sors in Tübingen, Berlin und
Edinburgh Philosophie und Literaturwissenschaften. Er lebt heute
in Berlin, wo er zunächst Theater spielte, die Lesebühne "Visch
& Fers" organisierte und die Band "Fön" gründete, für die er
nicht nur die Songtexte schreibt, sondern auch heute noch
Trompete spielt. Unter dem Titel "Mein Leben als Fön" hat er mit
seinen Bandkollegen 2004 einen gemeinsamen Roman geschrieben.
Außerdem von Rammstedt erschienen sind bisher "Erledigungen vor
der Feier" (2003), "Wir bleiben in der Nähe" (2005) und "Der
Kaiser von China" (2008).
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