[WestG] [AKT] "Maechtig im Fluxus" - Kunst der Macht und maechtiger Kunstspaß, Muenster, 24.04.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Apr 17 11:24:20 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.04.2008, 14:59
AKTUELL
"Mächtig im Fluxus" - Kunst der Macht und mächtiger Kunstspaß
Neue künstlerische und musikalische "Glanzstücke" im
LWL-Landesmuseum
Als der Maler F.H. Plettenberg den großen Kurfüsten Clemens
August von Köln 1755 in weltmännischer Machtpose porträtiert,
ist das bürgerliche Individuum kurz davor, sich in seiner ganzen
Souveränität zu entdecken. Noch ist Barock, es herrschen Klerus
und Adel, die alte, kirchlich begründete Ordnung, ihre
Strategien der Repräsentation.
100 Jahre später zieht der Fluxus-Künstler Dieter Roth mit
seiner "Vogelfutterbüste" aus Schokolade das barocke und das
stolze moderne Ich gleichermaßen durch den Kakao. Die alte Macht
mit ihrer Kunst der Selbstdarstellung stellt das "Glanzstück:
Mächtig im Fluxus" der postmodernen Kritik und ihrem
künstlerischen Witz gegenüber. Im LWL-Landesmuseum für Kunst und
Kulturgeschichte bringt am Donnerstag, 24. April um 20 Uhr
Simone Seiler an der Harfe das noble Ambiente zum Klingen.
Wolfgang Heisig ironisiert es an der Phonola, einem so
exotischen wie "schrägen" mechanischen Klavier, das wie das
LWL-Landesmuseum selbst 100 Jahre alt ist. Aus Anlass des
Jubiläums konzipierte die GWK-Gesellschaft für Westfälische
Kulturarbeit in Zusammenarbeit mit dem Museum des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) eine Konzertreihe mit
"Glanzstücken".
Im 18. Jahrhundert war Harfe "hip". Marie Antoinette, Königin
von Frankreich, hatte sie in Mode gebracht. Wer in der adligen
Damenwelt etwas auf sich hielt, griff selber in die Saiten.
Simone Seiler, GWK-Preisträgerin und auch international
ausgezeichnete Harfenistin, lässt die adelige Welt mit Carl
Philipp Emanuel Bach im Lichthof des Museums auferstehen und
entführt mit der "Fantasie" von Louis Spohr, einem der
stilbildenden Komponisten seiner Zeit, ins romantische 19.
Jahrhundert. Dr. Eva Maringer spricht zu dem Plettenbergschen
Herrscherportrait und zu der beeindruckenden "Männlichen Büste
mit Allongeperücke" des Künstlers Jean B. Defer.
Ganz ohne Haare und recht zerlaufen steht Dieter Roths
Selbstportrait als "Vogelfutterbüste" im Raum. Dr. Brigitte
Franzen setzt sie, zusammen mit seiner "Literaturwurst" von 1967,
in einem Kurzvortrag ins rechte kunsthistorische Licht.
Wolfgang Heisig, klassischer Pianist und sympathischer
Schrägdenker, bringt die Herrscherpose, aber auch das
Künstler-Ich der Fluxus-Bewegung der 60er in einer
komisch-ernsthaften "Performanze mit Phonola" "mächtig in
Fluxus". Der pneumatische Walzenklavier-Automat wird mit der
Flügeltastatur verbunden und vom Pianisten mit
"Low-Beginning-Holz-Luft-Papier-Muskelkraft" gespielt, eben
nicht mittels eines "High-End-Computer-Elektronik-Chip-Stroms"
(Heisig). Heisig bringt neben Eigenkompositionen u.a.
überarbeitete Stücke von Frank Zappa und Originalkompositionen
des Phonolaspezialisten Canlon Nancarrow, ein "adliger"
Geheimtipp, auf die Bühne.
Karten zum Preis von 14 €, ermäßigt 10 €, gibt es an der
Museumskasse (Tel: 0251 5907-01) und an der Abendkasse. Info:
www.landesmuseum-muenster.de, www.gwk-online.de
INFO
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Domplatz 10
48143 Münster
Tel.: 0251 5907-01
Fax: 0251 5907-210
E-Mail: landesmuseum at lwl.org