[WestG] [AKT] Roemerlager Kneblinghausen bleibt raetselhaft: LWL-Archaeologen beenden Ausgrabungen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Apr 17 11:29:50 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 16.04.2008, 15:00
AKTUELL
Römerlager Kneblinghausen bleibt rätselhaft
LWL-Archäologen beenden Ausgrabungen
In Rüthen-Kneblinghausen (Kreis Soest) haben Archäologen des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erstmals nach 70
Jahren das sogenannte Römerlager Kneblinghausen untersucht. Sie
dokumentierten die Reste der germanischen Siedlung aus der
vorrömischen Zeit und der Befestigungsanlage aus dem ersten
Jahrhundert n. Chr.
"Das sogenannte Römerlager in Kneblinghausen gibt weiterhin
Rätsel auf", fasst LWL-Archäologin Dr. Eva Cichy die vorläufigen
Ergebnisse der archäologischen Untersuchung zusammen. Das
Ausgrabungsteam von der Außenstelle Olpe der LWL-Archäologie für
Westfalen hatte in den vergangenen Wochen einen Abschnitt der
römischen Wall-Graben-Anlage und eine darunter liegende Schicht
mit einheimischen Keramikscherben freigelegt.
Über 100 Bruchstücke von Töpfen, Schalen und anderen Gefäßen
bargen die Archäologen. Davon können sie über 30 Rand- und
Wandscherben aufgrund ihrer spezifischen Formen und Verzierung
mit Fingertupfen recht genau in die Zeit um Christi Geburt
datieren, die übrigen sind nach den vorläufigen Erkenntnissen
älter. "Diese Kulturschicht deckt sich genau mit den
Ausgrabungsergebnissen aus der ersten Hälfte des vorigen
Jahrhunderts", berichtet Grabungsleiterin Cichy. Die Funde
stammen aus einer germanischen Siedlung, von der seit langem
Häuser, Öfen, Gruben und Brunnen bekannt sind.
Nicht gefunden haben die LWL-Archäologen dagegen die von
früheren Ausgräbern dokumentierte Holz-Erde-Mauer des
Römerlagers. Diese zusätzliche Befestigung spielt für Forscher
eine wichtige Rolle bei der Interpretation des Platzes als
römische Befestigung. "Spuren von Pfosten haben wir trotz
sorgfältigen Suchens und vorsichtigen Abtragens aller
Wallschichten bis weit in den gewachsenen Boden hinein nicht
gefunden", berichtet Cichy.
Für das Fehlen dieser Spuren haben die Experten von der
LWL-Archäologie mehrere Erklärungsmöglichkeiten: Entweder haben
sie einen Befestigungsabschnitt ausgewählt, in dem es diese
zusätzliche Holzkonstruktion nicht gab. "Oder die damaligen
Ausgräber haben etwas gesehen, das sich uns heute nicht mehr
erschließt. Denkbar ist auch, dass es sich vielleicht um ein nur
wenige Tage oder Wochen belegtes Feldlager handelt, das - wie
wir es von anderen, besser bekannten Feldlagern kennen -
lediglich mit einer Wall-Graben-Anlage gesichert war", versucht
Eva Cichy eine Erklärung für das Grabungsergebnis zu finden.
Und sie fügt hinzu: "Diese letzte These würde übrigens auch
erklären, warum es bislang nur einen einzigen römischen Fund aus
dem Lagerbereich gibt, nämlich eine Hacke."
Auch bei den aktuellen Grabungen haben die LWL-Archäologen
keinen Fund gemacht, den sie den Römern zuweisen könnten. Somit
bleibt auch nach den jüngsten Untersuchungen unklar, wann genau
das Lager errichtet wurde, wie lange es genutzt wurde und welche
Funktion es im Rahmen der Germanienpolitik des Römischen Reiches
vor 2000 Jahre hatte.
Die rund 60 Quadratmeter große Fläche in der Nordwestecke der
Befestigungsanlage hatten die Archäologen im Zuge von
Aufräumarbeiten nach dem Orkan Kyrill untersuchen können. Es war
die erste Gelegenheit nach den Ausgrabungen zwischen 1902 und
1939. Nun hoffen die Fachleute des Landschaftsverbandes, dass
irgendwann eine Untersuchung in einem anderen Wallabschnitt
möglich sein wird, mit der sie das Rätsel um das Kneblinghauser
Lager lösen können.
INFO
LWL-Museum für Archäologie
Westfälisches Landesmuseum
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44623 Herne
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