[WestG] [AKT] Der Jahresbericht der LWL-Archaeologie fuer Westfalen und der Altertumskommission fuer Westfalen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Apr 15 11:43:47 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 14.04.2008, 15:02


AKTUELL

Druckfrisch: 
Der Jahresbericht der LWL-Archäologie für Westfalen 
und der Altertumskommission für Westfalen

Die LWL-Archäologie für Westfalen und die Altertumskommission 
für Westfalen haben ihren 156-seitigen Jahresbericht 2007 
veröffentlicht. Die Wissenschaftler des Landschaftsverbandes 
Westfalen-Lippe (LWL) beschreiben die herausragenden Ereignisse 
des vergangenen Jahres aus Sicht der drei archäologischen Museen,
 der archäologischen und paläontologischen Denkmalpflege in 
Westfalen und der Altertumskommission. Der Neujahrsgruß ist für 
drei Euro in den LWL-Museen in Herne, Haltern und Paderborn 
erhältlich.

"Das Jahr 2007 begann mit einem Paukenschlag", kommentiert Dr. 
Gabriele Isenberg, Direktorin der LWL-Archäologie für Westfalen, 
die Aktivitäten des vergangenen Jahres. "Denn der Orkan Kyrill, 
der am 18. Januar 2007 über Deutschland tobte, erwies sich auch 
als 'Denkmalkiller' ersten Ranges. Daneben waren es überwiegend 
die Neubaugebiete, die vor allem mit ausgedehnten 
vorgeschichtlichen und frühmittelalterlichen Siedlungen die 
Kolleginnen und Kollegen der archäologischen Denkmalpflege ganz 
schön in Trab gehalten haben," so die LWL-Chefarchäologin.

Als Folge brachten die Fachleute auch 2007 die verschiedensten 
Funde ans Tageslicht - von 130 Millionen Jahre alten 
Dinosaurierknochen bis zum Kampfflugzeug aus dem Zweiten 
Weltkrieg. Bei der Altertumskommission stand im vergangenen Jahr 
die Realisierung des Jakobspilgerweges durch Westfalen im 
Vordergrund.

Bielefeld, Sparrenburg: Geschützebene des Kiekstattrondells 
entdeckt:
In der Sparrenburg haben LWL-Archäologen das ehemalige 
Obergeschoss des nordwestlichen Geschützturms wiederentdeckt. 
Diese neue Ebene der renaissancezeitlichen Festung fanden sie im 
Zuge der umfangreichen Sanierungsarbeiten des Bielefelder 
Wahrzeichens unter der heutigen Oberfläche des sogenannten 
Kiekstattrondells.

Dafür mussten 1000 Kubikmeter Verfüllung entfernt werden. Die 
Archäologen legten die Geschützebene mit einem 
Sandsteinplattenboden, vier mächtigen Schießscharten in der 
Außenmauer, einem Munitionsraum und sieben Luftschächten in der 
darunter liegenden Ebene frei. Zwei eiserne Türangeln im Boden 
stammen vom ehemaligen Zugangstor. Die Stadt Bielefeld möchte 
nun auch diesen Teil des in Westfalen einzigartigen Festungsbaus 
aus dem 16. Jahrhundert öffentlich zugänglich machen.

Saerbeck: 5000 Jahre altes Grab eines Bogenschützen:
Die Fachleute der LWL-Archäologie legten in 
Saerbeck-Westladbergen (Kreis Steinfurt) ein Grab aus dem 3. 
Jahrtausend v. Chr. frei. Sie konnten in der 1,30 Meter mal 90 
Zentimeter breiten Grabgrube die Lage des Bestatteten 
rekonstruieren. Demnach war der Tote in Hockerstellung auf der 
rechten Seite liegend mit dem Kopf im Süden beigesetzt worden. 
Vor seiner Brust fanden die Ausgräber die Reste eines verzierten 
Bechers.

Das Besondere der Bestattung aber waren neun Pfeilspitzen aus 
Feuerstein hinter dem Kopf des Toten, eine ungewöhnlich hohe 
Zahl. Sie waren gleichmäßig ausgerichtet. Deshalb meinen die 
Archäologen, dass sie ursprünglich von kompletten Pfeilen 
stammen, die in einem Köcher steckten. Pfeilschäfte, Bogen und 
Köcher haben sich nicht erhalten.

Orkan Kyrill im Sauerland:
Im Sauerland war die Arbeit der LWL-Archäologen der Außenstelle 
Olpe von den Auswirkungen Kyrills geprägt. Bislang galten Wälder 
als guter Schutz für archäologische Denkmäler. Doch in den 
Wäldern hatten umstürzende Bäume ganze Bodendenkmäler 
auseinandergerissen. Dies gilt besonders für das Römerlager in 
Rüthen-Kneblinghausen (Kreis Soest), einige ur- und 
frühgeschichtliche Höhenbefestigungen und sogar für einzelne 
Grabhügel.

Auch durch die manchmal hektischen Aufräumarbeiten mit modernen 
Maschinen wurden Bodendenkmäler beschädigt. Viele Hohlwege und 
Landwehren, zum Beispiel in Breckerfeld (Ennepe-Ruhr-Kreis), 
sind auf diese Weise gestört worden. Es zeigte sich, dass die 
LWL-Archäologie in Südwestfalen mit den Nachwehen von Kyrill 
noch länger zu tun haben wird.

Museen:
Im LWL-Museum für Archäologie in Herne endete 2007 die bislang 
bundesweit größte Klima-Ausstellung "Klima und Mensch" mit 
125.000 Besuchern. Am 1. November wurde die Mitmachausstellung 
"Achtung Ausgrabung!" eröffnet. Das LWL-Römermuseum in Haltern 
am See zeigte drei Monate lang die Ausstellung "Luxus und 
Dekadenz. Römisches Leben am Golf von Neapel", die in dieser 
Zeit 68.500 Interessierten den Prunk der reichen Oberschicht vor 
2000 Jahren präsentierte.

Das Museum in der Kaiserpfalz in Paderborn eröffnete nach einer 
fünfmonatigen Umbauphase seine neugestaltete und aktualisierte 
Dauerausstellung. In der sogenannten Kleinen Aula der 
Pfalzanlage, die der Rolle des "Reisenden Königs" gewidmet ist, 
beginnt nun der Rundgang.

Interessierte können den Jahresbericht ("Neujahrsgruß 2008") in 
den LWL-Museen (LWL-Museum für Archäologie in Herne, 
LWL-Römermuseum in Haltern am See, Museum in der Kaiserpfalz in 
Paderborn) zum Preis von drei Euro erwerben oder im Internet 
herunterladen (www.lwl-archaeologie.de, PDF, 4 MB).


INFO

Neujahrsgruß 2008
Jahresbericht für 2007
der LWL-Archäologie für Westfalen und der Altertumskommission 
für Westfalen
156 Seiten, 56 Abbildungen
Münster 2008