[WestG] [AKT] LWL-Landesmuseum zeigt Meisterwerke des russischen Films, 18.10.-15.11.2007, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 16 11:55:14 CEST 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 12.10.2007, 12:55


AKTUELL

Go East! - "Landschaft, Sinn und Seele..."
LWL-Landesmuseum zeigt Meisterwerke des russischen Films

Während in vielen Museen Schauen zur russischen Kunst 
Hochkonjunktur haben und auch die "siebte Kunst" des russischen 
Films seit einigen Jahren wieder eine Renaissance erfährt, 
präsentiert die FilmGalerie im LWL-Landesmuseum für Kunst und 
Kulturgeschichte zum 100. Geburtstag des sowjetisch/russischen 
Films eine Auswahl alter und neuer filmischer Meisterwerke. Die 
Filmreihe läuft vom 18. Oktober bis zum 15. November im Museum 
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Mit selten gezeigten Arbeiten wie Andrej Tarkovskijs Regiedebut: 
"Ivans Kindheit" (1962), Michail Kalatosovs Meisterwerk "Wenn 
die Kraniche ziehen" (1957) und der berühmten, 20 Jahre lang vom 
KGB verbotenen "Kommissarin" (1967/1988) von Alexander Askoldov 
dokumentiert die FilmGalerie die weltweite Bedeutung des 
russischen Films. Mit dem jungen, in Deutschland nur sehr kurz 
gezeigten Welterfolg "Die Rückkehr" (2003) von Andreij 
Zvjagincev gibt die Filmreihe einen Einblick in das aktuelle 
Filmschaffen des Landes.

Die Filmreihe "Look East !" soll ein neues Interesse für eine 
Filmlandschaft wecken, die die Bild- und Ideenwelten eines 
vielfach "rätselhaften" Nachbarn zeigt. Die einzelnen Beiträge 
dokumentieren die Besonderheit des russischen Films: die 
Verschmelzung von Rationalem und Emotionalem.

Die Reihe beginnt am 18. Oktober mit Andrej Tarkovskijs erstem 
Film "Ivans Kindheit" und einem einführenden Vortrag des 
Berliner Filmexperten Dr. Hans-Joachim Schlegel über "Impulse 
des russischen Films".

Die "FilmGalerie" im LWL-Landesmuseum ist eine Kooperation der 
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der Katholischen 
Filmkommission, des LWL-Medienzentrums für Westfalen und des 
LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und wird gefördert 
von der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde 
Münster.

Der Eintritt beträgt drei Euro pro Film, eine Gesamtkarte für 
die ganze Reihe kostet zehn Euro.


 
DIE FILME


Donnerstag, 18. Oktober 2007, 19 Uhr

Vortrag : Dr. Hans-Joachim Schlegel (Berlin):
"Impulse des russischen Films"
Einführung in die Filmreihe und den Film "Ivans Kindheit"


Ivans Kindheit (Ivanowo djewstwo)
UdSSR, 1962, sw, 95 min, dt. Fassung
Regie: Andrej Tarkovskij


Eine vom Krieg zerstörte Kindheit ist das Thema des ersten 
langen Spielfilms von Tarkovskij. In ihm verschmilzt der 
Regisseur realistische Kriegsszenen, Wach-, Alp- und 
Wunschträume des Jungen und Dokumentaraufnahmen zu einer 
bruchlosen Einheit, die auch fast 50 Jahre nach der Uraufführung 
immer noch einen äußerst bemerkenswerten Anti-Kriegsfilm ergibt.

In schlichten aber eindrucksvollen Bildern wird gezeigt, wie die 
Wirren des Zweiten Weltkriegs die Kindheit und dabei auch die 
Psyche des erst zwölfjährigen Ivan, der für die rote Armee als 
Kundschafter fungiert, zerstört haben. Ivans Vater ist gefallen, 
seine Mutter und Schwester sind verschollen, er selbst ist einem 
deutschen Todeslager für Kinder entkommen und sinnt voller Hass 
nur noch auf Rache an den Zerstörern seiner Kindheit. Dem Befehl 
seines Vorgesetzten, in das Hinterland zu ziehen, um dort eine 
Militärschule zu besuchen, verweigert sich Iwan. So bricht er zu 
seinem letzten Einsatz auf.

Drehbuch: Vladimir Bogomolov, Michail Papava, nach einer 
Kurzgeschichte von Vladimir Bogomolov. Kamera: Vadim Jussov. 
Darsteller: Kolja Burljajev (Ivan), Jevgenij Sharikov (Galtsev), 
Valentin Subkov (Kholin),Sergej Krylov (Katasonych),Valentina 
Maljavina (Masha)



Donnerstag, 25. Oktober 2007, 20 Uhr
Wenn die Kraniche ziehen (Letyat zhuravli)
UdSSR, 1957, sw, 95 min, dt. Fassung
Regie: Michail Kalatosov

Einführung: Prof. Dr. Alfred Sproede (Münster)

Kalatosovs sensibel gestalteter Film einer vom Krieg zerstörten 
Liebe bewegt sich weit jenseits der unter Stalin auch im Film 
gepflegten heroischen Legendenbildung zum "großen 
vaterländischen Krieg" und gehört zu den besten sowjetischen 
Filmen der 50er Jahre.

Kurz bevor der zweite Weltkrieg über die UdSSR hereinbricht, 
verlieben sich Veronika und Boris ineinander. Als der Krieg ruft,
meldet sich Boris freiwillig an die Front. In der langen Zeit 
des Wartens und der Ungewissheit heiratet Veronika ohne rechte 
Motivation Boris' Bruder, doch es gelingt ihr nicht, Boris 
hinter sich zu lassen. Als die Soldaten am Ende des Films ohne 
den gefallenen Boris heimkehren und eine Rede auf ihre 
Tapferkeit gehalten wird, tritt Kalatosows Kritik am 
deutlichsten hervor: In Veronikas individuellem Schicksal 
spiegelt sich die Sinnlosigkeit des Krieges, die durch 
ideologische Verklärung verleugnet werden soll.

Michail Kalatosov ist der große Erneuerer des sowjetischen Films 
nach der Stalin-Ära. Mit "Wenn die Kraniche ziehen" gelang ihm 
einer der wenigen Welterfolge des sowjetischen Kinos (Goldenen 
Palme in Cannes 1958).

Drehbuch: Viktor Rozov, Kamera: Sergei Urusevsky, Darsteller: 
Tatjana Samojlova (Veronika), Alexei Batalow (Boris), Wassili 
Merkurjev (Fedor Ivanovic), Alexander Svorin (Mark), Svetlana 
Charitonova (Irina)



Donnerstag, 8. November 2007, 20 Uhr
Die Kommissarin, (Komissar)
UdSSR, 1967 (1988), sw, 109 min, dt. Fassung
Regie: Alexander Askoldov

Einführung: Dr. Daniel Müller Hofstede


Der in der Sowjetunion mehr als 20 Jahre lang mit 
Aufführungsverbot belegte Debüt-Film Askoldovs singt in 
großartigen Bildern und mit poetischer, sinnlicher Kraft das 
hohe Lied auf die Menschlichkeit unter extremen 
Lebensbedingungen.

Inmitten der Bürgerkriegswirren zwischen den "roten" und 
"weißen" Regimentern nach der Oktober-Revolution erfährt eine 
unbarmherzig für ihre politische Überzeugung lebende Kommissarin 
der Roten Armee von ihrer ungewollten Schwangerschaft. 
Gezwungenermaßen bleibt sie in einer südukrainischen Kleinstadt 
zurück, die ihr Regiment nicht länger vor den näherrückenden 
Zaristen halten kann. Einquartiert bei einer ärmlichen jüdischen 
Handwerkerfamilie entwickelt sich aus ihrer anfänglichen 
Missachtung dieses neuen Lebens unter dem Einfluss von bislang 
ungekannter Gastfreundschaft, Zuneigung und Hilfsbereitschaft 
eine fundamentale Erfahrung allgemeinmenschlichen Lebensglücks. 
Dennoch lässt sie am Ende des Films ihr neugeborenes Kind zurück 
und schließt sich wieder ihren Truppen an.

Bereits 1967 abgeschlossen, durfte "Die Kommissarin" erst 20 
Jahre später, im Zuge der Perestrojka, in der Sowjetunion 
gezeigt werden. Wegen seiner unverhüllten Sympathie für das 
jüdische Milieu und der Darstellung der Gründung der Sowjetunion 
als letztlich unheroische, entmenschte Quälerei, wurde der Film 
umgehend im russischen Kulturgiftschrank verschlossen. Auf der 
Berlinale 1988 wurde "Die Kommissarin" mit dem Silbernen Bären 
ausgezeichnet.

Drehbuch: Alexander Askoldov nach einer Erzählung von W. 
Grossmann, Kamera: Valeri Ginsburg, Darsteller: Nonna Mordyukova 
(Kommissarin), Rolan Bykov (Jefim Magasanik), Raissa 
Nedashkovskaya (Marija)




Donnerstag, 15. November 2007, 20.00 Uhr
Die Rückkehr (Vozvrascenje)
Rußland, 2003, 106 min., dt. Fassung
Regie: Andreij Zvjagincev 

Einführung: Prof. Dr. Reinhold Zwick (Münster)

Andrej Zvjagincevs mit zahlreichen internationalen Preisen 
überhäufter, bildgewaltiger Regieerstling ist ein ruhiges und 
trotzdem mitreißendes Vater-Sohn-Drama, das in Deutschland kaum 
zu sehen war.

Zehn Jahre lang lebten die Brüder Ivan und Andrej mit ihrer 
Mutter allein in einer russischen Provinzstadt ein unbeschwertes,
sorgenfreies Leben, bis plötzlich der Vater wieder auftaucht, 
den sie bisher nur von einem Foto kannten. Der ältere Andrej ist 
von diesem wortkargen und rätselhaften Mann sofort fasziniert 
und ringt verzweifelt um seine Anerkennung. Ivan jedoch bleibt 
der Vater fremd und unheimlich. Er nimmt die beiden Kinder mit 
auf eine abenteuerliche Reise durch die wilde Schönheit einer 
nordrussischen Seenlandschaft, bei der er die Widerstandskraft 
der Söhne systematisch und rücksichtslos auf die Probe stellt. 
Die kargen, strengen Bilder der imposante Natur bilden die 
ideale Kulisse dieser archaischen Konfrontation zwischen dem 
Vater und seinen Söhnen, an deren Ende er mit den Kräften 
kämpfen muss, die er selbst entfesselte.

Drehbuch: Vladimir Moiseenko und Alexander Novototsky, Kamera: 
Mikhail Kritchman, Darsteller: Vladimir Garin (Andrey), Ivan 
Dobronravov (Ivan), Konstantin Lavronenko (Father), Natalia 
Vdovina (Mother)