[WestG] [AKT] Spaetaussiedler aus Polen sind seit den 1980er Jahren im Ruhrgebiet, 18.10.2007, Bochum

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Okt 16 11:45:41 CEST 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 15.10.2007, 15:51


AKTUELL

"Polnisch oder deutsch?" Spätaussiedler aus Polen sind seit 
den 1980er Jahren im Ruhrgebiet
Vortrag im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover

Bedingt durch die zunehmende Verschlechterung der 
wirtschaftlichen Lage ließen sich zwischen 1980 und 1990 etwa 
eine Million Zuwanderer aus Polen in Deutschland nieder. Die 
Meisten von ihnen wurden als Spätaussiedler anerkannt. Sie 
behielten aber ihre kulturelle Identität. Mit der Zunahme der 
Einwanderer aus Polen wuchs ihr Bedürfnis, polnischsprachige 
Vereine zu gründen und ihre religiösen und kulturellen Bräuche 
zu leben.

Mit dem neuen Aufleben des polnischen kulturellen Lebens befasst 
sich seit längerem Dr. Veronika Grabe. In ihrem Vortrag am 
Donnerstag, den 18. Oktober, um 19.30 Uhr im LWL-Industriemuseum 
Zeche Hannover in Bochum zeigt sie die Entwicklung des 
polnischen Vereinslebens seit den 1990er Jahren auf. Außerdem 
stellt die Referentin die Frage nach der Rolle, die die 
polnischsprachigen Migranten im Bild des heutigen Ruhrgebietes 
spielen. Die Veranstaltung findet im Rahmen der Ausstellung 
"Westfalczycy - Ruhrpolen" statt, die der Landschaftsverband 
Westfalen Lippe (LWL) noch bis zum 28. Oktober in Bochum zeigt. 
Die Ausstellung kann vor Beginn des Vortrages besichtigt werden. 
Der Eintritt ist frei.

Dr. Veronika Grabe umreist historische und politische 
Begebenheiten nach dem 2. Weltkrieg in Polen und der BRD, die 
eine Ausreise in den Westen als Spätaussiedler ermöglichten. 
Bereits Anfang der 1970er Jahre eröffnete sich nach dem 
deutsch-polnischen Abkommen von 1970 und 1975 die Möglichkeit 
über die Familienzusammenführung nach Deutschland auszureisen. 
In dieser Zeit kamen die meisten Einwanderer aus Oberschlesien, 
wo etwa eine Million so genannte Autochthonen nach dem Zweiten 
Weltkrieg bleiben durften, die sich weitgehend als Deutsche 
verstanden und zum überwiegenden Teil einigermaßen gut Deutsch 
sprachen. Die bestehende Praxis der Anerkennung der 
deutschstämmigen als Deutsche Staatsbürger aber auch eine 
liberale Zuwanderungspolitik gegenüber Migranten aus dem 
Ostblock hatten zur Folge, dass die Einwanderung aus Polen bis 
Ende der 1980er Jahre förmlich explodierte.

Dadurch, dass die Einwanderer an der eigenen kulturellen 
Identität festhielten, wie Dr. Veronika Grabe feststellt, wurden 
einerseits der bereits existierenden Organisationen der "alten 
Polonia" belebt, wie "Bund der Polen". Andererseits gründeten 
die Zuwanderer aus Polen neue Vereine, Verbände und Klubs. Dazu 
gehören u.a. der Polnische Kongress in Deutschland e.V. mit ca. 
31 Organisationen. Die größte von ihnen ist die 1992 gegründete 
Polnische Medizinische Gesellschaft in Deutschland e.V. 
Zweitgrößter Verband im Kongress ist der Verband der 
Polnischsprachigen Juristen e.V. Seit 2005 ist der Verband 
Polnischer Sportklubs e.V. registriert.

Darüber hinaus spielen im Leben der Migranten polnischsprachige 
Medien eine wichtige Rolle. Außer Zeitungen und Zeitschriften 
gehören ebenfalls Radiosendungen in polnischer Sprache und 
polnische Seiten im Internet dazu. Polnische oder schlesische 
Geschäfte, Metzgereien und Restaurants gibt es in fast jeder 
Stadt des Ruhrgebiets.


INFO

Die Ausstellung "Westfalczycy - Ruhrpolen" läuft noch bis 
28. Oktober im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover. 

LWL-Industriemuseum
Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251
44793 Bochum
Tel.: 0234 6100-874
Fax: 0234 6100-869
E-Mail: zeche-hannover at lwl.org 

Öffnungszeiten: 
Do 14-20 Uhr, Fr / Sa 14-18 Uhr, So 11-18 Uhr.