[WestG] [AKT] Fußball im Nationalsozialismus ist Thema am Volkstrauertag, 18.11.2007, Greven

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Nov 9 11:17:28 CET 2007


Von: "Stadt Greven" <info at presse-service.de>
Datum: 08.11.2007, 17:17


AKTUELL

Fußball im Nationalsozialismus ist Thema am Volkstrauertag

Der Volkstrauertag, offizieller Gedenktag für die Opfer der 
beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus, wird in Greven 
seit 1984 in Form einer Gedenkstunde für den Frieden begangen. 
Damit hat die Stadt Greven eine Form des Gedenkens gefunden, die 
eine inhaltliche Auseinandersetzung über einen besonderen 
thematischen Schwerpunkt sucht. In diesem Sinne widmet sie sich 
intensiv den vielen Gesichtern von Gewalt, Ungerechtigkeit und 
Krieg und zugleich dem Bemühen um eine gerechte, gewaltfreie 
Gesellschaft und neuen Ansätzen einer Friedenskultur.

In diesem Jahr beschäftigt sich die Gedenkstunde am 18. November 
mit der Rolle des Fußballsports im Nationalsozialismus. Mit Dr. 
Andreas von Seggern, Referent der Otto-von-Bismarck-Stiftung in 
Friedrichsruh bei Hamburg, konnte dafür eine renommierte 
Persönlichkeit als Redner gewonnen werden.

Vom Kriegsende 1945 bis in die jüngste Vergangenheit betonten 
Fußball-Verbände wie Vereine den unpolitischen Charakter des 
Volkssports Fußball, der sich stets der ideologischen Umarmung 
des Regimes habe entziehen können. Die über Jahrzehnte 
gestrickte Legende vom 'unschuldigen' Sport ist jedoch bei 
näherer Betrachtung nicht haltbar.

Wie andere Sportverbände wurde auch der Deutsche Fußballbund 
nach 1933 in das Gefüge der nationalsozialistischen 
Sportorganisationen integriert. Jüdische, kommunistische und 
sozialdemokratische Spieler und Funktionäre wurden aus dem 
Alltag des deutschen Fußballs verdrängt. Vor allem die Spiele 
des Nationalteams wurden zu Selbstdarstellungen des Regimes 
stilisiert. Und schließlich sollte der bis 1944 aufrecht 
erhaltene Spielbetrieb in den deutschen Ligen die Bevölkerung 
vom näher rückenden Grauen des Krieges ablenken.

Der Vortrag fragt nach der Rolle des Fußballs im Schatten der 
nationalsozialistischen Diktatur und versucht eine Antwort auf 
die Frage zu geben, warum eine historisch-kritische 
Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit über viele 
Jahrzehnte verschleppt worden ist. Umrahmt wird die Gedenkstunde 
für den Frieden (Beginn 11.30 Uhr, Rathaus) durch Musik, 
vorgetragen von den Akkordeon-Harmonists der Musikschule 
Greven/Emsdetten/Saerbeck. Nach der Begrüßung durch 
Bürgermeister Peter Vennemeyer wird Dr. Andreas von Seggern die 
Ansprache halten. Im Anschluss an die Gedenkstunde finden die 
Kranzniederlegungen am Ehrenmal "Drei Jünglinge im Feuerofen", 
Lindenstraße und auf dem Friedhof Saerbecker Straße an den 
Gräbern von Zwangsarbeiterinnen, Zwangsarbeitern und deren 
Kindern statt. Auf dem Friedhof Saerbecker Straße wird zudem ein 
Kranz an den Gräbern gefallener deutscher Soldaten durch die 
Reservistenkameradschaft Greven niedergelegt. Zur 
Kranzniederlegung am Ehrenmal singt der MGV Concordia.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, an der 
Gedenkstunde für den Frieden und den anschließenden 
Kranzniederlegungen teilzunehmen.