[WestG] [AUS] Ausstellung ueber den Zwinger in Muenster, 15.05.-23.09.2007, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Mai 11 11:26:02 CEST 2007


Von: "Stadt Münster" <info at presse-service.de>
Datum: 11.05.2007, 11:04


AUSSTELLUNG

Vom Wehrturm zum Kunstwerk und Mahnmal
Stadtmuseum widmet dem Zwinger in Münster erstmals 
eine Ausstellung

Der Zwinger diente als Bollwerk, Gefängnis und Künstleratelier. 
Er war Ort von Verbrechen und Unrecht und erinnert heute als 
Mahnmal an die Opfer von Gewalt. Nicht zuletzt beherbergt er in 
seinen mächtigen Mauern eine der bedeutendsten Skulpturen 
Münsters. Es gibt kein zweites Gebäude, an dem sich 500 Jahren 
Stadtgeschichte auf so faszinierende Weise verweben. Jetzt rückt 
der Zwinger zum ersten Mal in den Mittelpunkt einer Ausstellung. 
Das Stadtmuseum schlägt darin wichtige Kapitel der 
facettenreichen Bau- und Nutzungsgeschichte auf.

Das vermutlich um 1530 errichtete "große Bollwerk" sollte einst 
Schutz bieten vor Angriff und Belagerung. Als Teil der 
Befestigungsanlage sicherte der Wehrturm im 16. und 17. 
Jahrhundert einen sensiblen Bereich - den Austritt aus der Aa an 
der Stadtmauer. Deutlich früher setzt die Schau im Stadtmuseum 
ein: Sie blendet mit aktuellen Forschungsergebnissen zur 
Stadtverteidigung auf die Jahre 1200 bis 1500. An drei neu 
gezeichneten Grundrissplänen Münsters - 1220, 1350 und 1536 - 
lässt sich das ausgeklügelte System studieren.

Bis heute verfehlen die Gefängniszellen bei Rundgängen im 
Zwinger nicht ihre Wirkung auf Besucher. In der 
Museumsinszenierung markieren sie fünf Stationen aus der 
bewegten Geschichte: Bollwerk, Gefängnis, Künstlerheimstatt, 
Kulturheim der Hitlerjugend und Hinrichtungsstätte der 
Nationalsozialisten. "Seit zehn Jahren ist der Zwinger 
offizielles Mahnmal der Stadt Münster, seit 20 Jahren Kunstwerk. 
Diese beiden Jubiläen sind der Anlass für eine Bilanz, die die 
Bedeutung des Zwingers als Denkmal und Kunstwerk für die 
Stadtgeschichte herausstellt", erläutert Museumsdirektorin Dr. 
Barbara Rommé.

"Mit rund 150 Objekten entsteht ein anschauliches Bild eines in 
Münster einzigartigen Gebäudes", ergänzt Dr. Bernd Thier, 
verantwortlicher Museumsmitarbeiter. Zahlreiche neue 
Forschungsergebnisse - Resultat intensiver Recherchen in 
Münsters Archiven - fließen in die Ausstellung ein. Besonders 
seine Nutzung als Gefängnis im 18./19. Jahrhundert lassen sich 
danach viel detaillierter aufzeigen.

Jeder Nutzungsphase sind zeitgenössische Augenzeugenberichte 
zugeordnet. So berichtet Hermann Kerssenbrock 1573 über den 
Wehrturm, der nach den Täuferunruhen auch "Dwenger" genannt 
wird. Später dient er als Rossmühle und Pulverlager, ehe nach 
Plänen des Barockbaumeisters Schlaun 1731/ 1732 durch massive 
Umbauten ein Untersuchungsgefängnis entsteht. Dass es den 
entrechteten Gefangenen im Zwinger ungleich miserabler ergeht 
als den Insassen im angrenzenden Zuchthaus, lässt sich einem 
Untersuchungsbericht aus dem Jahre 1802 entnehmen.

Ein Selbstbildnis des Malers Friedrich Wilhelm Liel erinnert an 
die 15-jährige Etappe des Zwingers als Arbeitsort eines 
Künstlers. "1919 ließ der von Berlin nach Münster versetzte 
Künstler das leer stehende Gebäude zu Wohn- und Atelierzwecken 
umgestalten", berichtet Dr. Bernd Thier. "Warm, behaglich und 
freundlich", hieß es damals in Pressestimmen über das 
eigenwillige Künstlerdomizil.

1939 nutzt die Hitlerjugend das Gebäude für Heimat- und 
Kulturabende, ehe der Zwinger 1944 zu einem Ort des Schreckens 
und des Unrechts wird. Die Gestapo missbrauchte seinen 
abgeschiedenen Innenhof für Folter und Hinrichtungen.

Für den langen Weg zum Mahnmal hat das Stadtmuseum eine eigene 
Ausstellungswand reserviert. Er spiegelt sich in zahlreichen 
Fotografien, Medienberichten, Fotografien, Entwürfen und 
Gegenentwürfen. "Nahezu 35 Jahre sollte die Auseinandersetzung 
um Abriss, Restaurierung und Nutzung dauern", erinnert Bernd 
Thier. Auch die umfassende Sanierung des denkmalgeschützten 
Bollwerks zeichnet das Stadtmuseum unter anderem in einem 
achtminütigen Film nach.

Heute beherbergt der Zwinger mit der Rebecca Horn-Installation 
"Das gegenläufige Konzert" eine der bedeutendsten Skulpturen 
Münsters. Mit wenigen präzisen Mitteln - die Ausstellung zeigt 
dazu großformatige Farb-Ansichten - hält die renommierte 
Bildhauerin die Erinnerungen an die Verfolgung Unschuldiger 
wach. "Die Symbiose von Kunstwerk und restauriertem Gebäude ist 
ein Glücksfall", urteilte die Öffentlichkeit zur Einweihung des 
Zwingers als Mahnmal der Stadt Münster 1997. Zehn Jahre später 
wird er erneut zum Publikumsmagnet: Während der internationalen 
"skulptur projekte 07" ist der Zwinger täglich von 10 bis 22 Uhr 
geöffnet.


INFO

Ausstellung:
"Der Zwinger in Münster - Bollwerk, Kunstwerk, Mahnmal"
15. Mai bis 23. September 2007, 
dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, 
samstags/sonntags 11 bis 18 Uhr

Stadtmuseum Münster
Salzstraße 28
48143 Münster
Tel.: +49 (0)2 51/4 92-45 03
Fax: +49 (0)2 51/4 92-77 26
E-Mail: museum at stadt-muenster.de 
URL: www.stadt-muenster.de/museum 

Katalog (72 Seiten) 9.80 Euro im Aschendorff Verlag, Münster