[WestG] [AKT] Morgner ist bald der am besten untersuchte Kuenstler Deutschlands, Soest

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mär 1 11:05:59 CET 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 28.02.2007, 11:43


AKTUELL

Morgner ist bald der am besten untersuchte Künstler Deutschlands
Drohender Verfall: Reihenuntersuchung gibt Hinweise für die 
Restaurierung

15 Jahre lang hat der Gemälderestaurator Dietmar Wohl aus 
Münster bei seiner Arbeit kleinste Farbschollen von 
Morgner-Gemälden gesammelt, die er nicht mehr in das Gemälde 
integrieren konnte. Diese akribische Sammeltätigkeit wird 
vielleicht zum Rettungsanker für zahlreiche Morgner-Gemälde, die 
die Stadt Soest besitzt. Denn jetzt ist eingetreten, was die 
Museumsexperten des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 
schon länger befürchtet haben: Ein erstes Gemälde von Wilhelm 
Morgner lässt sich nicht mehr vollständig restaurieren. Liegt 
das an einer verfehlten früheren Restaurierung? Oder an den ganz 
speziellen Farben, die der Expressionist aus Soest verwendet 
hat?

Die Stadt Soest hofft bei der Beantwortung dieser Fragen auf die 
Proben von Fachmann Dietmar Wohl, der genau aufgeführt hat, wann 
er welchen Farbpartikel von welchem Bild gesammelt hat. Der 
Soester Kulturdezernent Rolf Sander, Thomas Nübel, 
Abteilungsleiter Schule, Kultur und Sport und der Soester 
Stadtarchivar Dr. Norbert Wex haben die 80 kleinen Proben am 
Mittwoch (28.02.) an Prof. Dr. Elisabeth Jägers übergeben. Die 
Leiterin des Mikroanalytischen Labors in Bornheim bei Bonn wird 
die Zusammensetzung der Proben in einer Reihenuntersuchung 
aufschlüsseln.

"Am Ende dieser einzigartigen naturwissenschaftlichen 
Reihenuntersuchung wird Morgner der am besten untersuchte Maler 
in Deutschland sein. Wir wissen dann genau, welche Bindemittel 
und Pig-mente er verwendet hat und welche Schäden möglicherweise 
frühere Restaurierungen und die falsche Lagerung der Bilder 
verursacht haben. Mit den Ergebnissen hoffen wir Hinweise zu 
finden, wie weitere Morgner-Bilder vor dem drohenden Verlust 
durch abplatzende Farben bewahrt werden können", so Eckehard von 
Schierstaedt vom LWL-Museumsamt.

Am Beispiel des Bildes "Ornamentale Komposition 9" aus dem Jahr 
1912 demonstrierte Wohl die Probleme bei der Restaurierung: Auf 
das ursprünglich ungefirnisste Bild wurde später Lack aufgetrgen,
 der sich jetzt nicht mehr von der Oberfläche des Bildes lösen 
lässt. "Die Untersuchung soll zeigen, ob dieses Problem noch bei 
mehren unserer Morgner-Bildern zu befürchten ist. Dann wissen 
wir, wie viel Zeit wir bei der Restaurierung noch haben, bevor 
die Bilder unwiederbringlich zerstört sind", so Sander.