[WestG] [AKT] LWL-Roemermuseum schließt am 02.07.2007 wegen Ausstellungsvorbereitungen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jun 28 11:16:37 CEST 2007
Von: LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 27.06.2007, 14:31
AKTUELL
LWL-Römermuseum schließt am 2. Juli Vorbereitungen für
die Ausstellung über das süße Gift Luxus
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) schließt am 2. Juli
(Montag) sein LWL-Römermuseum in Haltern am See für sechs Wochen,
um die kommende Ausstellung vorzubereiten. Vom 16. August bis
25. November präsentiert der LWL "Luxus und Dekadenz" über das
römische Leben am Golf von Neapel. In welchem Luxus die
anspruchsvollen Römer vor 2000 Jahren schwelgten und wie sie
ihren Reichtum in Szene setzten, zeigt erstmals in Deutschland
die neue Schau mit 170 Exponaten, darunter zahlreiche
Wandmalereien, Goldschmuck und Marmorskulpturen. Die Ausstellung
geht anschließend nach Bremen, Nijmegen (Niederlande), München
und nach Japan.
Mildes Klima, atemberaubende Ausblicke, fruchtbares Ackerland
und Sonne satt - am Fuße des Vesuv ließ es sich gut leben. Das
wusste vor 2000 Jahren die römische Oberschicht zu schätzen und
ließ sich am Golf von Neapel in prunkvollen Stadthäusern und
Villen nieder, ein pompöser Luxus, der auch seinerzeit Kritiker
auf den Plan rief. Eine kleine Reihe zu den Themen der
Ausstellung gibt einen ersten Ausblick:
Das süße Gift Luxus
Geld und Besitz waren im Imperium Romanum reichlich vorhanden -
aber ausschließlich einem sehr kleinen Teil der Bevölkerung
vorbehalten. Nur knapp ein Prozent der 50 bis 80 Millionen
Menschen, die vor 2000 Jahren im Römischen Reich lebten, teilte
das Vermögen unter sich auf.
Die Elite setzte sich aus Senatoren, Rittern und Gemeinderäten -
so genannten "decuriones" - zusammen. Man ließ es sich gut gehen
und genoss überschwänglich das "dolce vita" in mediterraner
Umgebung. Für die betuchten Römer war "luxuria" der Inbegriff
von Prunksucht und Schwelgerei - möglich durch Grundbesitz und
hohe Steuereinnahmen aus den Provinzen.
Eine Tugend war die "luxuria" indessen nicht. Die Dekadenz und
Zurschaustellung des Reichtums verletze die traditionellen
römischen Werte wie etwa Bescheidenheit oder Sinn für das
Gemeinwohl, monierten Kritiker damals. Denn der kleinen reichen
Oberschicht standen Millionen einfache freie Bürger und Sklaven
gegenüber.
Zur Unterschicht zählten auch die meisten Freigelassenen, also
Sklaven, die von ihren Besitzern die Freiheit erhalten hatten.
Sie hatte nicht selten um das tägliche Brot zu kämpfen. Am
untersten Ende der antiken Sozialskala rangierten die unzähligen
Sklaven auf Landgütern und in Bergwerken, die schwerste Arbeit
zu verrichten hatten. Sklaven in reichen Haushalten hingegen
hatten meist ein besseres Leben.
Ein Tisch für eine Million, der Lustsklave zu 100.000 Sesterzen
Die Ausstellung im LWL-Römermuseum demonstriert auch die
Kehrseite der antiken Luxus-Medaille. Welche Summen die
Oberschicht damals für Luxusgegenstände und Annehmlichkeiten
ausgab, ist durch Luxuskritiker wie Plinius den Älteren
überliefert. So zahlte der betuchte Konsument damals für ein
Pfund des Farbstoffes Purpur stolze 4.000 Sesterzen. Für einen
edlen Tisch aus Zitrusholz blätterten die Reichen mehr als eine
Million Sesterzen hin, für einen Lustsklaven bis zu 100.000
Sesterzen. Zum Vergleich: Ein freier Bürger der Unterschicht
verdiente als Tagelöhner nur vier Sesterzen pro Tag. Einer der
lautesten Luxuskritiker seiner Zeit übrigens, der antike Dichter
Seneca, gehörte selbst zu den oberen Zehntausend, denn er
brachte es als Großgrundbesitzer binnen weniger Jahre auf ein
Vermögen von 300 Millionen Sesterzen. Was Seneca zu dem
Kommentar seines Zeitgenossen Valerius Maximus sagte ("Luxus ist
ein süßes Gift, das man viel leichter anklagen als vermeiden
kann"), ist leider nicht überliefert.
INFO
LWL-Römermuseum
Weseler Straße 100
45721 Haltern am See
Tel.: 02364 9376-0
Fax: 02364 9376-30
E-Mail: roemermuseum at lwl.org
URL: www.roemermuseum-haltern.de