[WestG] [LIT] Neuer Band der "Fontes Christiani": Vita Constantini

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Mi Jun 27 16:35:38 CEST 2007


Von: "Pressestelle der Ruhr-Universität Bochum" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 27.06.2007, 10:08


LITERATUR

Kirche und Staat historisch betrachtet
Kaiser Konstantin - mehr Staatsmann oder Christ?
Neuer Band der "Fontes Christiani": Vita Constantini

Die Konstantinische Wende gilt als Geburtsstunde des Christentums als
Staatsreligion. Doch ging ihr wirklich die Bekehrung Kaiser Konstantins
voraus? In seiner Vita Constantini zeichnet Bischof Eusebius von
Caesarea das Bild eines demütigen Dieners Gottes und trägt damit
entscheidend zur historischen Deutung Konstantins als erstem
christlichen Kaiser bei. Die rechtzeitig zur Eröffnung der Trierer
Ausstellung "Konstantin der Große" in der Reihe "Fontes Christiani"
(Herausgeber: Prof. Dr. Wilhelm Geerlings, Alte Kirchengeschichte)
erschienene Übersetzung von PD Dr. phil. Horst Schneider, eingeleitet
durch den Althistoriker Prof. Dr. Bruno Bleckmann (Düsseldorf), bietet
reichlich Diskussionsstoff zur Person Konstantins wie zum Verhältnis
von Kirche und Staat.

Rückblick in Zeiten der Säkularisierung 

"Die Konstantinische Wende ist das einschneidende Ereignis der antiken
Religionsgeschichte. Der römische Staat verwandelte sich von einem
Verfolger zu einem Förderer des Christentums", so Bruno Bleckmann. Die
kaiserliche Förderung stabilisierte die christliche Kirche und war für
das Überleben der Kirche bis in die heutige Zeit ebenso wichtig wie
ihre inneren Glaubenskräfte. Erst in der Gegenwart stellt sich die
Frage, wie die christliche Kirche den Herausforderungen der
Säkularisierung ohne staatliche Hilfe begegnen wird. Hier gewinnt
Eusebs Lebensbeschreibung Kaisers Konstantins höchste Aktualität. 

Glaube - äußerlich und innerlich 

So unbestritten es ist, dass mit der Regierungszeit Konstantins ein
neues Kapitel in der antiken Religionsgeschichte aufgeschlagen wurde,
so unsicher ist die Motivation des Kaisers selbst. Wird er zu Recht als
der erste christliche Kaiser bezeichnet? Seine persönliche
Lebensführung kann kaum christlichen Vorstellungen genügen: So ließ er
seinen Stiefsohn Crispus und seine Frau Fausta umbringen und war auch
sonst nicht zimperlich im Umgang mit Feinden. Erst auf dem Sterbebett
ließ er sich taufen. 

Der weit blickende Staatsmann

Konstantin bezeichnete sich selbst als Bischof für die äußeren Dinge
und wollte als dreizehnter Apostel in der Grabeskirche beigesetzt
werden. Seine Bemühungen um die kirchliche Einheit gegen die Donatisten
in Nordafrika und gegen den Arianismus durch das Konzil von Nizäa von
325 lassen ihn als einen weit blickenden Staatsmann erscheinen, dem die
Einheit des Reiches am Herzen lag. Ob er innerlich vom christlichen
Glauben ergriffen war, lässt sich nicht erkennen. 

Lebensbeschreibung folgt Propagandapolitik 

Eusebius ordnet den Kaiser ganz in die Linie der konstantinischen
Propagandapolitik ein. Unter seinem Vater Constantius Chlorus und unter
Konstantin herrschte ein christenfreundliches Klima der Toleranz,
während die anderen Herrscher des Reiches an der alten Politik
festhielten. Konstantin - so behauptet  Eusebius - wurde durch eine
Vision in seine Rolle gerufen, siegte unter christlichen Feldzeichen
"im Namen Gottes" über seine Gegner Maxentius und Licinius. Endgültig
setzte er seine Religionspolitik als Herrscher des Gesamtreiches durch.
Eine umfangreiche Kirchenbautätigkeit signalisierte die Rolle des
Christentums gegenüber der heidnischen Religion. 

Übersetzt, kommentiert und eingeleitet 

Übersetzung und  Kommentierung in den Anmerkungen erfolgten durch den
Byzantinisten PD Dr. phil. Horst Schneider, Mitarbeiter bei den "Fontes
Christiani", Ruhr-Universität Bochum. Die Einleitung übernahm der
Althistoriker Prof. Dr. Bruno Bleckmann (Heinrich Heine Universität,
Düsseldorf). Die neue Übersetzung ist sprachlich auf de Höhe der Zeit.
Sie steht dem griechischen Urtext gegenüber und ermöglicht dem
Liebhaber einen Blick nach links. Der Konstantinkenner Bleckmann fasst
souverän den gegenwärtigen Forschungsstand zusammen. 


INFO

Über das Leben Konstantins, De Vita Constantini, Eusebius von Caesarea,
Brepols 
Fontes Christiani, Bd 83
ISBN 978-2-503-52559-4


Weitere Informationen

Dr. Horst Schneider, "Fontes Christiani", Lehrstuhl für Alte
Kirchengeschichte, Patrologie und Christliche Archäologie, Tel.:
0234/32-24706, -24703, horst.schneider at ruhr-uni-bochum.de