[WestG] [AKT] Vortrag: Juedische Studentenverbindungen in Deutschland, 18.01.2007, Dorsten
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 15 10:08:31 CET 2007
Von: "Thomas Ridder" <ridder at jmw-dorsten.de>
Datum: 15.01.2007, 08:55
AKTUELL
"Nemo me impune lacessit!“ - Jüdische Studentenverbindungen in
Deutschland von der Viadrina Breslau (1886) bis zum Ende der
Weimarer Republik
Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts jüdische Studenten an
deutschen Universitäten zunehmend aus den traditionellen
Studentenverbindungen ausgeschlossen wurden, gründeten sie
eigene jüdische Verbindungen. Die erste wurde 1886 in Breslau
mit dem Namen "Viadrina" gegründet und gab sich den
kämpferischen Wahlspruch "Nemo me impune lacessit" ("Niemand
reize mich ungestraft"). Zu den Gründern gehörte auch der
spätere Dortmunder Rabbiner Benno Jacob, und daher befasst sich
das Jüdische Museum, in dessen Dauerausstellung auch das Leben
von Jacob dargestellt wird, an seinem nächsten Vortragsabend mit
dem Thema.
Die diskriminierten jüdischen Studenten reagierten auf
antisemitische Vorurteile, nach denen Juden unmännlich seien.
Sie besäßen - so hieß es - keine Ehre und keine weiteren, dem
deutschen Manne angeborenen Tugenden. Ein weiteres "Manko" des
jüdischen Mannes sei seine fehlende Trinkfestigkeit. Das Dilemma
jüdischer Verbindungsstudenten war: Gegen antisemitische
Anfeindungen mussten sie ihren Glauben und ihre "jüdische Ehre"
verteidigen - andererseits wollten sie das traditionelle
Brauchtum deutscher Corps beibehalten. Auch teilten sie deren
national-konservativ geprägte Grundhaltung.
Die jüdischen Verbindungen übernahmen die Formen der anderen
Burschenschaften, Ehrbegriff und Wehrhaftigkeit nahmen eine
wichtige Rolle ein. Durch die Mensur (das studentische Duell)
und die Fechtübungen sollte eine Anerkennung seitens der
"deutschen" Studenten erreicht werden und der Status als starker,
deutscher und zugleich stolzer jüdischer Mann demonstriert
werden.
Aber die jüdischen Verbindungen entwickelten sich nicht
einheitlich: Die einen verstanden sich als
"deutsch-vaterländisch", waren assimilatorisch, die anderen
waren jüdisch-national bzw. zionistisch ausgerichtet. Im Vortrag
werden beide Strömungen verglichen. - Die letzte jüdische
Studentenverbindung löste sich 1953 auf.
Die Referentin, Dr. des. Miriam Rürup, geb. 1973, hat
Mittlere und Neueren Geschichte, Europäischen Ethnologie
und Soziologie an der Universität Göttingen, der Universität
Tel Aviv und der Technischen Universität in Berlin studiert.
Sie hat bei der Stiftung Topographie des Terrors in Berlin
gearbeitet und war 2002-2005 Stipendiatin der Zeit-Stiftung am
Simon-Dubnow-Institut in Leipzig. 2006 wurde Frau Rürup am
Zentrum für Antisemitismusforschung / TU Berlin mit einer Arbeit
zum Thema "Zwischen Anpassung und Eigenständigkeit - Jüdische
Studentenverbindungen in Deutschland vom Kaiserreich bis zum
Nationalsozialismus" promoviert. Seit 2006 ist sie
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Graduiertenkolleg
Generationengeschichte der Universität Göttingen. Bisherige
Publikationen: zur Geschichte der Konzentrationslager und zum
Umgang mit dem Nationalsozialismus in der Nachkriegszeit;
Redakteurin und Mit-Herausgeberin der Zeitschrift
"WerkstattGeschichte"
Die Veranstaltung findet statt am 18. Januar um 19.30 Uhr im
Jüdischen Museum Westfalen. Der Eintritt beträgt 5 €, für
Mitglieder des Museumsvereins 3,50 €.
INFO
Veranstaltungsdaten:
Vortrag: "Nemo me impune lacessit!“ -
Jüdische Studentenverbindungen in Deutschland von der Viadrina
Breslau (1886) bis zum Ende der Weimarer Republik
Datum: 18.01.2007
Jüdisches Museum Westfalen
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46282 Dorsten
Tel.: 02362-45279
Fax: 02362-45386
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