[WestG] [AUS] Techniker d. Endloesung -Topf u. Soehne- Die Ofenbauer von Auschwitz, 14.01.-22.04.2007, Lage

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 15 10:21:56 CET 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.01.2007, 11:05


AUSSTELLUNG

Ausstellung im LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage: 
Techniker der "Endlösung" - Topf & Söhne - Die Ofenbauer 
von Auschwitz

Als in Auschwitz und den anderen deutschen Konzentrationslagern 
Millionen Menschen ermordet wurden, standen die Mörder vor 
technischen Problemen. Tötung und Leichenbeseitigung sollten 
ohne Unterbrechung, kostengünstig und Brennstoff sparend 
vonstatten gehen und möglichst wenig Spuren hinterlassen. Die 
Erfurter Firma "Topf & Söhne" trug hierzu entscheidend bei: Ihre 
Verbrennungsöfen und ihre technischen "Verbesserungen" der 
Gaskammern sorgten für das perfekte Funktionieren der 
Tötungsmaschinerie. Die Geschichte dieser "ganz normalen 
deutschen Firma" ist Thema der Ausstellung "Techniker der 
'Endlösung'", die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) 
ab kommenden Sonntag, 14. Januar, in seinem Westfälischen 
Industriemuseum Ziegelei Lage zeigt. Zum Begleitprogramm gehören 
eine Vortragsreihe sowie Führungen für Gruppen und Schulklassen.

Die Wanderausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und 
Dora Mittelbau war zuvor im Jüdischen Museum Berlin zu sehen. 
Neben Originalobjekten aus Auschwitz und Buchenwald zeigt sie 
vor allem Dokumente aus dem erst seit 2003 für die Forschung 
zugänglichen Firmenarchiv. In einem Forschungsprojekt der 
Gedenkstätte Buchenwald wurden sie ausgewertet und um parallele 
Überlieferungen ergänzt, unter anderem aus Archiven in Moskau 
und Auschwitz. Ein Ergebnis: Die Firma "Topf & Söhne" kannte den 
Zweck der Anlagen und hat ohne Zwang und wirtschaftliche Not, 
zum Teil auch auf eigene Initiative, in Auschwitz gearbeitet.

Für LWL-Museumsleiter Willi Kulke wirft die Schau "Schlaglichter 
auf einen dunklen Aspekt von Industriekultur: das reibungslose 
Funktionieren von Ingenieurskunst und Ökonomie für die Zwecke 
der industriellen Menschenvernichtung". Das nur scheinbar enge 
Spezialthema lenke außerdem den Blick auf ein zentrales Element 
des Holocaust, die Mitwirkung von Teilen der "normalen" 
deutschen Gesellschaft, die nicht dem Bild fanatischer 
Nationalsozialisten entsprachen.

Unter der Devise von Topf & Söhne, Erfindungsgeist mit 
Schaffensfreude und Tüchtigkeit zu verbinden, arbeitete die 
Abteilung "Spezialofenbau" der Erfurter Firma seit 1939 intensiv 
für die SS. Von den Fenstern des Verwaltungsgebäudes aus hatte 
man einen freien Blick auf den Ettersberg bei Weimar, wo sich 
das KZ Buchenwald befand. Ingenieure und Monteure lieferten 
gemäß den Anforderungen der SS nicht nur Verbrennungsöfen für 
die Beseitigung der ermordeten Menschen - sie perfektionierten 
auch die Gaskammern. Willi Kulke: "Dazu war es nötig, die ersten 
Massentötungen und Verbrennungen in den Krematorien zu 
beobachten. Die beteiligten Mitarbeiter nutzten ihre Erfahrungen 
zur Optimierung der Vernichtungsanlagen."

Die Firmenleitung von Topf & Söhne sowie die beteiligten 
Mitarbeiter stritten nach dem Krieg jede eigene Schuld und 
Mitverantwortung an den Verbrechen ab. "Die SS wurde als allein 
schuldig dargestellt; im DDR-Folgebetrieb versuchte man, jede 
Mitverantwortung auf die kapitalistischen Firmeneigentümer 
abzuwälzen", erläutert Museumsleiter Kulke.

Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der zum Preis von 
7, 90 € erworben werden kann. Für Schulklassen und Gruppen 
werden Führungen angeboten.

Veranstaltungsreihe zur Ausstellung:

So, 21. Januar, 14 Uhr 
Topf & Söhne 
Hartmut Topf, Journalist Berlin 
Seine Familie baute die Öfen von Auschwitz: Topf & Söhne. 
Hartmut Topf, der Urenkel des Firmengründers der Fa. Topf & 
Söhne hat es sich zur Aufgabe gemacht, die grauenerregende 
Geschichte seiner Familie ans Licht zu bringen. Er berichtet 
über die Geschichte des Unternehmens und seinen Umgang mit 
dieser Geschichte.

So, 4. Februar, 14 Uhr 
Holocaustleugner in Ostwestfalen 
Marcus Seemüller, Argumente und Kultur gegen rechts e.V., 
Bielefeld 
Seit dem Ende des Nationalsozialismus bemühen sich Demokraten 
um eine Kultur der Erinnerung und des Gedenkens an die Opfer 
des Holocaust. Ganz anders die Betreiber des "Collegium Humanum" 
im ostwestfälischen Vlotho. Hinter dem wohlklingenden Namen der 
"Bildungseinrichtung" verbirgt sich ein Zentrum von 
Auschwitzleugnern und Neonazis.

So, 18. Februar, 14 Uhr 
Die Geschichte der Deportation der jüdischen Bevölkerung aus 
Lippe 
Manfred Neumann, Historiker 
Bielefeld Lippe war eine der ersten Regionen, in der 
Nationalsozialisten die Macht übernahmen. Viele der Juden, die 
als anerkannte Bürger seit Jahrhunderten hier lebten, wurden 
unter den Augen ihrer Mitbürger verfolgt, deportiert und in den 
Konzentrationslagern getötet.

So, 25. Februar, 14 Uhr 
In Auschwitz auf Montage - 
Die KPD-Betriebszelle bei Topf & Söhne 
Peter Hillebrand, Journalist Berlin 
Die Existenz einer kommunistischen Betriebszelle in der 
Fa. Topf & Söhne war lange Zeit nicht bekannt. Sie trug auch 
nach dem Krieg nichts zur Aufklärung der Verbrechen bei. Peter 
Hillebrand stellt die KPD-Betriebszelle in ihrem Agieren 
zwischen Widerstand, Mittäterschaft und Vertuschung vor.

So, 18. März, 14 Uhr 
Ziegel für "Germania" und/oder Vernichtung durch Arbeit - 
Die Ziegelwerke der SS 
Dr. Andreas Immenkamp, wissenschaftlicher Mitarbeiter 
LWL-Industriemuseum 
Dr. Andreas Immenkamp referiert über Ziegeleibetriebe in 
Konzentrationslagern der SS (1938 - 1945). Bedingt durch den 
Größenwahn von SS Funktionären, technischem Dilettantismus, 
Zwangsarbeit und schikanöser Arbeitsbedingungen verloren 
zigtausend KZ-Insassen ihr Leben.

So, 25. März, 14 Uhr 
Mord durch Industrie, Mord durch Arbeit. 
Bildvortrag mit Diskussion. 
Dr. Thomas Parent, stellvertretender Direktor LWL-
Industriemuseum 
Auschwitz und Birkenau waren nicht nur Vernichtungs-, 
sondern auch Arbeitslager. Durch die grausamen 
Arbeitsbedingungen auf Großbaustellen und in 
Steinbrüchen, aber auch in den Zechen des nahegelegenen 
oberschlesischen Steinkohlenreviers kamen zahllose 
Auschwitz-Häftlinge zu Tode.

Im Anschluss an die Vorträge findet gegen 15 Uhr eine kostenlose 
Führung durch die Ausstellung statt. Zu den Vorträgen wird der 
normale Museumseintritt erhoben.


INFO

Techniker der "Endlösung" Topf & Söhne - Die Ofenbauer von 
Auschwitz 
14. Januar bis 22. April 2007 
LWL-Industriemuseum Ziegelei Lage 
Sprikernheide 77
32791 Lage
Di-So 10-18 Uhr