[WestG] [AKT] Zahlreiche Fundstellen von den Sturmschaeden betroffen, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Feb 27 09:57:00 CET 2007


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 22.02.2007, 10:04


AKTUELL

Kyrill beschäftigt jetzt die Archäologen 
Zahlreiche Fundstellen von den Sturmschäden betroffen

Erst nach und nach deutet sich an, welche Schäden der Sturm 
Kyrill auch bei den archäologischen Denkmälern angerichtet hat, 
die in den Wäldern und nur wenig unter der Oberfläche liegen. 
Wie hoch die Schäden tatsächlich sind, können die Archäologen 
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zwar derzeit 
nicht sagen, Meldungen liegen aber bereits aus ganz Westfalen 
und Lippe vor. Bei den Aufräumarbeiten könnten weitere Schäden 
entstehen, befürchten die Wissenschaftler.

"Wir machen uns große Sorgen um die Denkmäler in den Wäldern, 
die Hunderte von Jahren mehr oder weniger unbeschadet im Boden 
überdauert haben," sagt Dr. Michael Baales, LWL-Archäologe in 
Olpe. "Besonders betroffen sind Wallburgen, Grabhügel, 
Landwehren oder Hohlwege, also Bodendenkmäler mit Erderhebungen. 
Die umgestürzten Bäume mit den ausgerissenen Wurzeltellern haben 
hier massive Schäden verursacht. Außerdem werden diese Denkmäler 
durch das fehlende Wurzelwerk destabilisiert und schneller 
abgetragen." Wie hoch die Schäden wirklich sind, kann Baales 
noch nicht einschätzen, weil die Wälder zum größten Teil noch 
nicht betreten werden können oder dürfen.

Ein bereits bekannter Fall ist der Hohlweg bei Drolshagen (Kreis 
Olpe), der erst vor wenigen Monaten als Lehrpfad eingerichtet 
worden ist. Durch entwurzelte Bäume ist er massiv geschädigt und 
nicht mehr begehbar. Auch von ehrenamtlichen Mitarbeitern liegen 
erste Meldungen vor: In Meschede (Hochsauerlandkreis) ist zum 
Beispiel eine mittelalterliche Wallanlage betroffen.

Im Raum Winterberg (Hochsauerlandkreis) ist eine so genannte 
Wüstung, eine im Mittelalter verlassene Siedlung, geschädigt 
worden: die am höchsten gelegene mittelalterliche Siedlung 
Westfalens mit drei Hofstellen, Viehpferchen und Gebäuderesten 
aus dem 12./13. Jahrhundert. Hier hat Kyrill besonders schlimm 
gewütet: Das ganze Siedlungsareal ist meterhoch von umgestürzten 
Bäumen bedeckt, die Funde wurden zum Teil mit den Wurzeltellern 
aus der Erde gerissen.

Dr. Daniel Bérenger, Leiter der LWL-Archäologie-Außenstelle 
Bielefeld, berichtet von Schäden, die zum Beispiel an der 
Wittekindsburg in Minden/Porta Westfalica (Kreis Minden-Lübbecke)
aufgetreten sind. Am Nordhang sind stellenweise ganze 
Lichtungen mit großen, hochstehenden Wurzeltellern entstanden. 
Am Nordwestende der Befestigung ist einen Baum auf den Wall 
gefallen; ein anderer, der direkt auf dem Wall stand, hat beim 
Umstürzen ein Loch in den Wall gerissen. Im Frühjahr wollen die 
Wissenschaftler diese Stellen untersuchen, da in den 
entstandenen Wurzellöchern eventuell archäologische Funde 
geborgen werden müssen.

Auch im Bereich der Babilonie in Lübbecke (Kreis Minden-Lübbecke)
werden notwendig sein. Hier haben die Wurzeln umstürzender 
Bäume Steine aus einer Mauer der Befestigung gerissen. Ob auch 
Siedlungsbefunde freigelegt oder zerstört worden sind, können 
die Archäologen derzeit nicht sagen, da der Burgweg nicht 
passierbar ist.

"Ein neues Problem wird mit den Aufräumarbeiten entstehen", gibt 
Baales zu bedenken. "Natürlich müssen die Wälder geräumt werden. 
Aber vielleicht kann gerade in den Bereichen von Wallanlagen 
oder Hügelgräbern der Einsatz schwerer Maschinen möglichst 
denkmalverträglich gestaltet werden. Wir stehen gerne zu 
Gesprächen zur Verfügung", betont der Archäologe, der Forstämter 
und Waldbesitzer für die Belange der Denkmäler zu 
sensibilisieren.