[WestG] [AKT] Verleihung des Otto-Weerth-Preises 2006 an Frau Dr. Wiebke Lisner, 26.04.2007, Detmold

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Apr 26 11:44:15 CEST 2007


Von:  "Robert Gahde" <Robert.Gahde at lav.nrw.de> 
Datum: 25.04.2007, 08:14


AKTUELL

Verleihung des Otto-Weerth-Preises 2006 an Frau Dr. Wiebke 
Lisner

Der Naturwissenschaftliche und Historische Verein für das Land 
Lippe e.V. verleiht den nach seinem langjährigen Vorsitzenden 
Otto Weerth (1849-1930) benannten Preis 2006 an Frau Dr. Wiebke 
Lisner, Hannover. Der Preis ist mit 3000 Euro dotiert und wird 
zum vierten Mal für hervorragende Arbeiten des 
wissenschaftlichen Nachwuchses zur lippischen Geschichte und 
Landeskunde verliehen.

Frau Dr. Lisner erhält den Otto-Weerth-Preis für ihre 
Dissertation "Hüterinnen der Nation. Hebammen im 
Nationalsozialismus", mit der sie 2004 an der Universität 
Hannover promovierte. Das Buch ist 2006 im Campus-Verlag 
erschienen und für 39,90 Euro im Buchhandel erhältlich. Am 
Beispiel des Landes Lippe zeichnet Dr. Wiebke Lisner darin die 
Lebens-, Erfahrungs- und Arbeitswelt der Hebammen sowie ihre 
Interaktion mit den von ihr betreuten Frauen und Familien, den 
Amtsärzten und frei praktizierenden Ärzten unter den Bedingungen 
der nationalsozialistischen Herrschaft nach.

Der Beruf "Hebamme" ist einer der ältesten noch existierenden 
Frauenberufe. Zur Zeit des Nationalsozialismus fand der Großteil 
der Geburten (84 %) in den Wohnungen der Gebärenden statt. Die 
meisten Hebammen arbeiteten daher freiberuflich in der 
Hausgeburtshilfe. Die Hebamme war Teil der sozialen Gemeinschaft 
ihres Arbeitsbezirkes, sie war Teil einer weiblichen Lebens- und 
Erfahrungswelt. Im Erleben der Menschen - vor allem der Frauen - 
nahm die Hebamme eine zentrale Position ein, die in gewisser 
Weise mit der des Pfarrers zu vergleichen ist. Hebammen bewegten 
sich in der Ambivalenz zwischen Amt und medizinischem Beruf und 
zwischen Nachbarin und staatlicher (Kontroll-)Instanz. Zur Zeit 
des Nationalsozialismus erlebte der Beruf der niedergelassenen 
Hebamme den Höhepunkt seiner Professionalisierung. Schattenseite 
und zugleich Voraussetzung dieser Entwicklung waren die 
Einbindung der Hebammen in die Durchführung der rassistischen 
Bevölkerungspolitik, der Verlust von Traditionen und Bräuchen 
sowie eine stärkere staatliche Kontrolle des Berufes.


INFO

Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das 
Land Lippe e.V.
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
Tel.: 05231/766-0

Die Preisverleihung findet am Donnerstag, den 26. April 2007 
um 19 Uhr im Lippischen Landesmuseum in Detmold statt.