[WestG] [AKT] Archaeologie aus der Luft: RUB-Forscher entdecken neue Fundplaetze in Ostgeorgien
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Sep 26 12:50:02 CEST 2006
Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 25.09.2006, 13:20
AKTUELL
Archäologie aus der Luft
RUB-Forscher entdecken neue Fundplätze in Ostgeorgien
Forschungsergebnis: Kulturelle Verbindung zwischen Europa und Asien
Zahlreiche neue Bodendenkmäler aus vorgeschichtlicher Zeit entdeckte
nun ein archäologisches Forschungsteam in Ostgeorgien unter Leitung
von
Dr. Baoquan Song von der Ruhr-Universität Bochum (Lehrstuhl für Ur-
und
Frühgeschichte). Dabei ging es vor allem darum, kulturelle
Verbindungen
zwischen Europa und Asien nachzuweisen. Das Besondere: Aus der Luft
erkundeten sie die Regionen im Süden Kaukasus'. Luftbildarchäologie
hat
sich bereits seit längerem als effektiv erwiesen und gehört zu den
besonderen Lehr- und Forschungsschwerpunkten am Institut für Ur- und
Frühgeschichte der RUB.
Fotos im Internet
Bilder zu dieser Presseinformation finden Sie zum Herunterladen im
Internet unter: http://www.pm.rub.de/pm2006/msg00321.htm
Vorform einer Stadt entdeckt?
Ziel der Expedition war es, die parallel laufenden Grabungen des
Deutsch-Archäologischen Instituts (Berlin, DAI) in Kachetien mit
geomagnetischen und luftbildarchäologischen Methoden zu unterstützen.
Die prähistorische Sielungsgeschichte in diesem geographischen Raum
lässt sich auf diese Weise besser erforschen. Kachetien ist die
östlichste Provinz im heutigen Georgien (Westen Asiens) und galt
früher
als Durchgangszone zwischen Europa und Asien. Die Regionen zwischen
dem
Großen Kaukasusgebirge im Norden und dem Kleinen Kaukasus im Süden
sind
für die Archäologen besonders interessant: Dort siedelten sich früher
viele verschiedene Stämme an, so dass die Wissenschaftler dort
kulturelle Verbindungen zwischen Europa und Asien vermuten. Seit fünf
Jahren schon wird ein großer Siedlungshügel namens Tachtiperda aus der
Zeit zwischen dem 15. und siebten Jahrhundert vor Christus
archäologisch untersucht. Die Forscher glauben, dass es sich dabei um
eine Vorform einer Stadt gehandelt hat.
Neue Bodendenkmäler: Höhensiedlungen und Hügelgräber
Die RUB-Expedition hat diese Theorie aus der Luft (die sog.
Flugprospektion) überprüft. Untersucht wurden sieben Hektar Gelände
mit umfangreichen Siedlungsstrukturen. Die Wissenschaftler beflogen
rund 500 km² und entdeckten neue Fundstellen aus der Luft, die sie
untersuchten und dokumentierten. Dabei fanden sie neue Bodendenkmäler,
wie Höhensiedlungen und Hügelgräber. Diese erkennt man auf
Luftbildfotografien durch Schatten- und Bodenmerkmale, sofern sie noch
oberirdisch erhalten sind. In landwirtschaftlich intensiver genutzten
Regionen dagegen sind solche Fundstellen von der Erdoberfläche bereits
verschwunden; dann helfen Bewuchsmerkmale, sie zu erfassen. Denn dort,
wo Steinstrukturen unter der Erde sind, wachsen Pflanzen schlechter
als
auf unberührtem Boden. Umgekehrt gedeiht die Vegetation besonders gut
über Gräbern und Gruben und zeichnet damit die unterirdische Struktur
an der Erdoberflächliche nach.
Die Technik: Fluxgate Gradiometer
Eine weitere Methode der archäologischen Prospektion ist die
geomagnetische Messung mit einem Fluxgate Gradiometer. Nachdem die
Fachleute die neuen Fundstellen aus der Luft entdeckt haben, messen
sie
mit diesem Gerät systematisch das unsichtbare magnetische Feld an der
Erdoberfläche. Gesucht werden lokale magnetische Störungen, wie
Erdbewegung, Verbrennungen und andere künstliche Eingriffe im
Erdreich.
Die Messdaten stellen die Archäologen mithilfe der Digitaltechnik wie
bei einer Röntgenaufnahme dar, so dass Hausfundamente, Wege, Öfen und
Gräber unter der Oberfläche als Graustufen auf dem Monitor zu erkennen
sind.
Heute Kachetien, morgen ganz Georgien*
Den RUB-Archäologen ist es gelungen, durch ihre Luftbilder die
Vermutung einer kulturellen Verbindung in Südkaukasus zwischen Europa
und Asien zu bestätigen. Ein entsprechender Bericht über die
bisherigen
Untersuchungen veröffentlicht der Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte
voraussichtlich Ende des Jahres. Da die Flugprospektion so erfolgreich
war, werden die Forscher sich in naher Zukunft wahrscheinlich ganz
Georgien zuwenden und das Land auf die Jahrhunderte vor Christus
untersuchen.
INFO
Dr. Baoquan Song
Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte
Fakultät für Geschichswissenschaft
Raum GA 6/57
Tel. 0234/32-22551,
Baoquan.Song at ruhr-uni-bochum.de