[WestG] [AKT] Steinzeitforscher Klaus Guenther gestorben
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Die Sep 26 12:55:10 CEST 2006
Von: "Yasmine Freigang" <yasmine.freigang at lwl.org>
Datum: 26.09.2006, 12:40
AKTUELL
Steinzeitforscher Klaus Günther gestorben
Dr. Klaus Günther, der 23 Jahre lang die Archäologie des Westfälischen
Museums für Archäologie in Ostwestfalen verkörperte, ist am 10.
September 2006 im Alter von 74 Jahren gestorben. "Seine Arbeiten zur
Alt- und Mittelsteinzeit in Westfalen und besonders über die ersten
Bauern in Ostwestfalen haben ihm mitteleuropäische Anerkennung
eingebracht", würdigt Dr. Gabriele Isenberg, Landesarchäologin von
Westfalen, den Verstorbenen. "Allein seine mustergültigen Publikationen
werden verhindern, dass er je in Vergessenheit gerät".
Der gebürtige Coburger studierte in Erlangen und Münster Ur- und
Frühgeschichte, Geologie und Volkskunde. 1961 wurde er in Münster mit
einer Arbeit über die altsteinzeitlichen Funde der Balver Höhle
(Märkischer Kreis) promoviert, die zu den wichtigsten Fundplätzen der
frühen Menschheitsgeschichte in Westfalen gehört. Am 1. Januar 1962 trat
er die Stelle eines wissenschaftlichen Referenten am damaligen
Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte (heute Westfälisches Museum für
Archäologie des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) an.
Im Münsterland erforschte er nicht nur die altsteinzeitliche Siedlung
von Westerkappeln (Kreis Steinfurt), sondern er befasste sich auch mit
allen anderen Perioden der frühen Menschheitsgeschichte. Besonders
angezogen fühlte er sich von der ostwestfälischen
Mittelgebirgslandschaft und ihrer Vergangenheit. Es ging für den
Archäologen ein Traum in Erfüllung, als er 1972 die Leitung der
Außenstelle Bielefeld des Westfälischen Museums für Archäologie
übernehmen konnte, die für die archäologische Denkmalpflege im
Regierungsbezirk Detmold zuständig ist.
Seitdem ist der Name von Klaus Günther ganz besonders mit der
Erforschung der Großsteingräber der ersten Bauern im Warburger Raum
(Kreis Höxter) und auf der Paderborner Hochfläche in Borchen, Büren,
Lichtenau und Paderborn (Kreis Paderborn) verbunden. Hervorragend war
seine Entdeckung eines verzierten Wandsteines von einem der Warburger
Großsteingräber im Jahre 1988. Denn die Ritzungen von Ochsengespannen,
Sonnen- und Regensymbolen geben Aufschlüsse über die religiösen
Vorstellungen der Menschen in der Zeit um 3000 v. Chr. "Die
Forschungsergebnisse von Klaus Günther in den Großsteingräbern von
Warburg waren so spannend, dass Warburg und der Ur-Warburger in unserem
neuen Landesmuseum für Archäologie in Herne eine Schlüsselrolle
einnehmen", erklärt Museumsdirektorin Dr. Gabriele Isenberg.
Bis zum Beginn seines Ruhestandes im Sommer 1995 ist Klaus Günther
daneben überall in Ostwestfalen-Lippe tätig gewesen: Er grub im
mittelalterlichen Domhof in Minden und auf dem spätbronzezeitlichen
(1000 bis 750 v. Chr.) Urnenfriedhof von Petershagen-Lahde (beides Kreis
Minden-Lübbecke), er erforschte die Geschichte der über 2000 Jahre alten
Hünenburg in Bielefeld, den steinzeitlichen Wohnplatz von Rietberg
(Kreis Gütersloh) und nicht zuletzt den Hof eines germanischen
Feinschmiedes in Warburg-Daseburg (Kreis Höxter), wo die westfälischen
Archäologen erstmals den kompletten Herstellungsprozess von Eisenfibeln
(Gewandnadeln) vom Barren bis zum Fertigprodukts im ersten
nachchristlichen Jahrhundert nachvollziehen konnten.
Im Ruhestand hat Klaus Günther mit seiner Frau Ilse die Zeit gehabt,
archäologische Denkmäler in anderen Landschaften, vor allem in den
Mittelmeerländern zu besichtigen. Er blieb aber mit der westfälischen
Archäologie eng verbunden, war langjähriges Mitglied der
Altertumskommission für Westfalen und bis zuletzt erster Vorsitzende der
Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen. Er wurde in
Bielefeld bestattet.