[WestG] [AKT] LWL kuert Haus Malz zum Denkmal des Monat

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Sep 26 12:43:11 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 26.09.2006, 09:29


AKTUELL

LWL kürt Haus Malz zum Denkmal des Monats - 
Eigentümer sichert Zukunft des gut erhaltenen Kaufmannhauses mit
Stiftung

Nur wenige Häuser aus dem 17. Jahrhundert in Westfalen-Lippe sind so 
gut erhalten, wie das 1648 errichtete Haus Malz an der Langen Straße
136
in Vlotho (Kreis Herford). Weil die ursprüngliche und später
hinzugekommene 
Innenausstattung fast vollständig erhalten ist und der Eigentümer mit
der 
Gründung einer Stiftung dafür gesorgt hat, dass das heute als Museum 
genutzte Haus auf Dauer erhalten bleibt, hat der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) es als Denkmal des Monats September
ausgezeichnet.

"Selten kommen für die Denkmalpflege so viele glückliche Umstände
zusammen:
Ein heute fast einzigartiges Haus, ein Besitzer, der sein Leben lang
alles für 
die Erhaltung seines alten Hauses getan hat und der nun zusammen mit
seiner
Familie sicherstellte, dass das Haus Malz auch in Zukunft erhalten
bleibt", 
begründet LWL-Denkmalpfleger Dr. Fred Kaspar die Auszeichnung.

Zwar ähnelt das aus kräftigem Eichenfachwerk errichtete Haus den
Bauern-
häuser der Region, doch es war seit jeher ein Kaufmannshaus, das seinen

früheren Besitzern nicht nur als Wohnhaus, sondern auch als Kontor und

Warenlager diente. Errichtet hat das charakteristische Dielenhaus 1648

der Baumeister Henrich Helle für den Kaufmann Otto Heinrich Schürmann 
und seine Frau Elisabeth Waddenberg.

Da die Lange Straße zum Hafen an der Weser führte, die zu der Zeit eine

der wichtigsten Verkehrsadern Deutschlands war, eignete sich das Haus 
bestens für den Handel. Durch das große Eingangstor konnten die Händler

direkt in die geräumige Diele fahren. Mit einem Aufzugsrad, das noch 
erhalten ist, konnten die Waren zu den beiden geräumigen Lagerflächen
auf dem Dachboden befördert werden. An die zentrale Diele, in der der 
Hausherr an seine Kunden und Gäste auch Bier ausschenkte, grenzen 
einige kleine Räume, wie die Küche und das Kontor, in dem die Waren 
verkauft wurden. Bei einer Modernisierung um 1784 ließ der Eigentümer 
einen breiten Treppenaufgang in der Diele einbauen, der auf die Galerie

im ersten Obergeschoss führt.

Die mächtige Treppenanlage, sämtliche Türen und viele Fenster, die 
um die Diele laufende Galerie sowie die Balkendecken sind noch im 
Originalzustand erhalten. Die Küche mit den Delfter Kacheln scheint 
auf Gäste zu warten, im ehemaligen Wohnzimmer laden Möbel aus den 
1920er und 1930er Jahren zum Verweilen ein, im Kontor scheint es, 
als könne man noch einkaufen wie zu Großmutters Zeiten. Auch die 
erste elektrische Installation ist noch funktionsfähig.

Die Vorfahren der Familie Malz kauften das Haus 1834. "Jede Generation
hat das Haus repariert und modernisiert, aber zum Glück so behutsam,
dass 
es nicht grundlegend verändert wurde", so Kaspar. Noch bis 1985 nutzte

Dr. Ulrich Malz das Haus für seine Arztpraxis. Nach dem Auszug der
letzten 
Generation richtete er im Haus ein Heimatmuseum ein und mühte sich 
darum, eine dauerhafte Lösung für den Erhalt des Hauses zu finden. 

Die fand er schließlich mit der Änderung des deutschen
Stiftungsrechtes, 
die es ermöglicht, eine Stiftung zur Erhaltung eines Hauses zu gründen.

Dazu hat die "Deutsche Stiftung Denkmalschutz" ein Stiftungszentrum 
gegründet, das mittlerweile über 160 Stiftungen zugunsten von 
Baudenkmälern betreut, zu denen auch die Stiftung für das Haus Malz
gehört.