[WestG] [AKT] Westfaelischer Denkmalpreis an Ute und Guenter Fischer

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mon Sep 25 15:45:50 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 20.09.2006, 11:23

AKTUELL

Westfälischer Denkmalpreis an Ute und Günter Fischer - 
Im ältesten Gebäude des Dorfes ein jüdisches Taufbad 
entdeckt und erhalten

Den mit 7500 Euro dotierten Westfälischen Preis für Denkmalpflege 
haben am Mittwoch (20.09.) Ute und Günter Fischer aus Kalletal-
Lüdenhausen (Kreis Lippe) ins Soest erhalten, weil sie sich
beispielhaft 
für den Erhalt eines Fachwerkkottens an der Bösingfelder Straße 
eingesetzt haben. Das hat eine Jury beschlossen, in der auch die 
Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 
vertreten sind. Der von der Sparkasse Soest gestiftete Preis wird 
alle zwei Jahre an Privatleute verliehen, die sich beispielhaft dafür 
einsetzen, dass ein schützenwertes Baudenkmal erhalten bleibt.

"Mit dem Preis wird die besondere Qualität der Instandsetzung und 
Restaurierung ausgezeichnet. Zudem stellen Ute und Günter Fischer
ihr Denkmal zu bestimmten Zeiten der Öffentlichkeit für eine Teil-
besichtigung zur Verfügung. Darin hat die Jury einen besonderen 
und zusätzlichen Bewertungspunkt für die Würdigung gesehen", 
sagte LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch, bevor er den Preis
überreichte.

Das Ehepaar nahm sich gerade noch rechtzeitig des ältesten erhaltenen 
Hauses des Dorfes an. Die Tage des laut Inschrift auf dem Torbalken 
1684 von Henrich Kufus und Elisabeth Silker errichteten Kottens 
schienen schon gezählt zu sein: Das direkt an der Straße gelegene 
Haus hatte lange leer gestanden, das Mauerwerk war feucht, die 
Statik bedroht. Bei der Sanierung machten die Eigentümer einen 
sensationellen Fund: Im zugeschütteten Keller fanden sie ein
gemauertes
Becken, das über eine Treppe von der Diele aus erreichbar war. 
Archäologische Untersuchungen ergaben, dass das Becken ein jüdisches 
Tauchbad, eine so genannte Mikwe für rituelle Reinigungen ist. 
Bauspuren lassen vermuten, dass es sogar noch älter als das Haus 
selbst ist. "Damit steht der Kotten in Lüdenhausen zumindest in 
Ostwestfalen einzigartig da. Denn jüdisches Kulturgut hatte während 
des Nazi-Terrors kaum eine Überlebenschance. Sicher sind später 
auch einige Becken unerkannt zerstört worden", so LWL-Denkmal-
pflegerin Dr. Ursula Quednau.

Die Mikwe, die vom Grundwasser und durch eine Rinne von einem 
nahe gelegenen Bach bewässert werden konnte, kann heute durch
eine Glasplatte im Dielenboden betrachtet werden. Um das Tauchbad
öffentlich zugänglich zu machen, öffnen die Eigentümer mittwochs 
von 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Anmeldung unter 
05264 657799 oder 0170 3337975 die als Galerie genutzte Diele 
für Interessierte.

Auch das übrige Haus haben Ute und Günter Fischer in enger 
Zusammenarbeit mit der örtlichen Denkmalpflege und den LWL-
Denkmalpflegern saniert und schonend für eine moderne Nutzung 
als Wohnhaus und Galerie hergerichtet. Damit das historische 
Raumgefüge aus Wirtschafts- und Wohnteil wieder deutlich wurde,
haben sie dabei auch nachträgliche Einbauten entfernt.