[WestG] [AKT] Vortrag: Die Bankiersfamilie Olfers, 31.10.2006, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Okt 27 13:30:28 CEST 2006


Von: "Christine Schedensack" <christine.schedensack at lwl.org>
Datum: 26.10.2006, 11:30 


AKTUELL

Vortragsveranstaltung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde 
Westfalens, Abt. Münster

Die Bankiersfamilie Olfers. Wirtschaftsbürgertum in Münster zwischen
1789 und 1848

Zwischen 1728 und 1884 gehörte die Familie (von) Olfers zur
Führungselite in 
Münster. Sie stellte in dieser Zeit fünf z. T. lang amtierende
Bürgermeister. 
Ihre Stellung verdankte sie ihrer Funktion als Juristen in der
fürstbischöflichen 
Verwaltung, seit 1798 ihrer Teilhaberschaft im Bankhaus Lindenkampf &
Olfers. 
Dieses Bankhaus platzierte Anleihen des Staates bei Privatpersonen und
hatte 
den Kölner Erzbischof und Preußen als Kunden. Dem westfälischen Adel
diente
es als Hausbank. 

Der Vortrag stellt die bedeutendsten Mitglieder der Familie (von)
Olfers vor. 
Johann Werner Olfers (1716-1783) war einflussreicher Beamter zu
Fürstenbergs
Zeiten und organisierte die Stadt während des Siebenjährigen Kriegs.
Sein 
jüngster Bruder Franz Theodor (1755-1828), der 1803 geadelt wurde,
wechselte 
als Jurist ins Bankfach und war maßgeblich an den Verhandlungen zur
Aufteilung 
des Fürstbistums Münster nach 1802 beteiligt. Im Großherzogtum Berg,
einem 
napoleonischen Modellstaat, übte er führende Ämter aus. Mit Bischof
Spiegel, 
Stein und Vincke pflegte er freundschaftliche Beziehungen. 

Alle vier Söhne machten nach 1820 Karriere. Zwei von ihnen wurden
Land-
gerichtspräsidenten, u. a. Clemens in Münster. Ignaz von Olfers
(1797-1872)
reiste als Diplomat und Naturwissenschaftler zweimal nach Brasilien,
betrieb 
in Berlin einen bekannten Salon und wurde 1839 Generaldirektor der 
preußischen Museen. Die Berliner Museumsinsel geht auf ihn zurück.
Franz 
Theodor von Olfers (1791-1855) führte die Bank weiter und wurde 
Kommunalpolitiker. Als Altliberaler hielt er als Oberbürgermeister von
Münster
1848/49 der preußischen Monarchie die Stange. Als Promotor von Handel
und
Verkehr förderte er ebenso den Bahnanschluss nach Hamm, den Kanalbau 
und die Energieversorgung wie das gewerbliche Schulwesen. Der
gleichnamige 
Sohn Franz Theodor von Olfers (1823-1887) blieb als Vorsitzender des 
Zoovereins in Erinnerung. Er zog sich als Privatier nach Haus Hohenfeld

bei Roxel zurück.

Unumstritten war die Familie (von) Olfers nicht. Ämterhäufung, Wucher,

aber auch ihr Bekenntnis zum Freimaurertum wurden ihr vorgeworfen. 
Vielleicht ist deshalb der Name Olfers in Münster verblasst, obwohl ihr
die 
Stadt viel zu danken hat.

Der Eintritt ist frei.

Prof. Dr. Wilfried Reininghaus ist Präsident des Landesarchivs
Nordrhein-
Westfalen und lehrt zu Themen der Wirtschaftsgeschichte und der 
westfälischen Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität
Münster


INFO

Dienstag, 31. Oktober 2006, 20.15 Uhr 
Vortragssaal des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte, Münster
Domplatz 10, 48143 Münster

Prof. Dr. Wilfried Reininghaus, Senden (Kr. Coesfeld)


Kontakt:
Christine Schedensack
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Münster
Fürstenbergstraße 15
48147 Münster
Tel.: 0251-591 5972
Fax: 0251-591 6820
E-Mail: christine.schedensack at lwl.org 
URL: www.altertumsverein-muenster.de