[WestG] [AUS] "Die Wunderjahre" - Muenster in Fotos 1950 bis 1958, bis 22.04.2007, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mon Okt 30 11:46:50 CET 2006


Von: "Presse-Info" <info at presse-service.de>
Datum: 27.10.2006, 11:31


AUSSTELLUNG

"Die Wunderjahre" - Münster in Fotos 1950 bis 1958
Stadtmuseum zeigt die Stadt des Neuanfangs und Wirtschaftswunders
Bildband zur Ausstellung

Auf Trümmergrundstücken entstehen neue Wohnhäuser, Schulen und 
Bürogebäude. Traditionsgeschäfte kehren an den Prinzipalmarkt zurück. 
Das Reitturnier der Sieger feiert Premiere, und  Marika Rökk sorgt in der
Halle Münsterland für heitere Unterhaltung. "Die Wunderjahre" - unter 
diesem Titel lädt das Stadtmuseum in nahezu 200 Fotografien  zu einer 
lebendigen Bilderreise in das Münster der Jahre 1950 bis 1958 ein.

Es geht wieder aufwärts. Für diese Zuversicht stehen die aus  mehreren 
Hunderttausend Fotografien auswählten Motive aus Archiven und 
privaten Alben, vor allem aber aus der Sammlung des Presse-Fotografen 
Willi Hänscheid. "Sie spiegeln das Leben der Münsteraner wider zwischen 
dem mühevollen Wiederaufbau und dem beginnenden deutschen 
Wirtschaftswunder", so Museumsdirektorin Dr. Barbara Rommé.  Mit 
dieser Ausstellung schließe das Stadtmuseum an die beiden Vorläufer-
ausstellungen  zur  Stadtgeschichte der Jahre 1940-1950 und 1957-1968 
an. Beide erwiesen sich mit insgesamt 120 000 Besuchern als wahre
Publikumsmagneten.

Der Alltag der Menschen steht im Mittelpunkt der Präsentation. Viele 
Fotografien dokumentieren die unermüdliche Wiederaufbauleistung der 
Münsteraner. Sie  zeugen von Mut und Tatkraft angesichts der 
unermesslichen Zerstörungen. Geschäfte kehren an ihre angestammten 
Plätze  zurück. Schon Mitte der 1950er Jahre lädt die Salzstraße wieder 
zum Einkaufsbummel ein. "Während der Prinzipalmarkt nach historischem
Vorbild wiederaufgebaut wird",  erläutert Dr. Axel Schollmeier, "entstehen 
zugleich moderne Bauten, die weit über Münster hinaus für Gesprächsstoff 
sorgen". Der stellvertretende Museumsleiter erinnert an kühne Architektur-
leistungen wie Stadttheater, Kiffe-Pavillon und Landwirtschaftskammer.

Schattenseiten

Nicht ausgeblendet werden die Schattenseiten des Jahrzehnts. Noch
immer sind viele Männer aus Münster in sowjetischer Kriegsgefangenschaft. 
Die Wohnungsnot in der Stadt bleibt - trotz intensiver Bauanstrengungen -
groß. Viele Menschen, auch das zeigen die Fotografien, müssen  weiterhin 
in Baracken und Notunterkünften leben. Betroffen  vor allem: DDR-
Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, 
die in der westfälischen Stadt  eine neue Heimat suchen.

Andere Fotos erzählen von der Freude der Menschen am zarten Pflänzchen
"Wohlstand". Endlich gab es das zu kaufen, von dem man jahrelang geträumt
hatte. Die Monotonie der Mangelernährung  weicht einem vielfältigen 
Lebensmittelangebot.  Das Prinzip der Selbstbedienung hält  Einzug in die 
Geschäfte. Kühlschränke und Waschmaschinen nehmen in den Haushalten 
ihren selbstverständlichen Platz ein.

Münsteraner genießen die gesellschaftlichen Ereignisse. Sie amüsieren sich 
auf dem Handorfer Rosenball, lassen sich bei Schlagerabenden von Vico 
Torriani unterhalten und drücken  Springreiter Hans Günter Winkler auf den 
Westerholtschen Wiesen die Daumen. "Auch Politiker geben sich in diesen 
Jahren in Münster die Klinke in die Hand", weist Stadtmuseumsmitarbeiterin
Dr. Wibke Becker auf bislang unveröffentlichte Fotomotive mit  den großen 
Namen der noch jungen Demokratie - Bundeskanzler Konrad Adenauer und 
Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard.

Automobilboom nimmt seinen Anfang

Auch wenn viele Menschen in den 1950-er Jahren noch keinen Führerschein 
besitzen - der Automobilboom nimmt seinen Anfang.  Noch 1950 waren in 
Münster  knapp 5000 Kraftfahrzeuge registriert.  Bis 1958 verdreifachte sich 
diese Zahl. Nostalgische Autofans kommen bei den abgelichteten Modellen 
auf ihre Kosten. Und ins Schwärmen beim Betreten des Museums:  Im Foyer
glänzt ein echter Opel Olympia Rekord aus dem Jahre 1953. Michael 
Schirmeisen, Leiter der Dresdner Bank in Münster und  Mitglied des Förder-
vereins, hat seinen  Oldtimer für den  Beginn der Ausstellung zur Verfügung 
gestellt.


INFO

Bis 22. April 2007  im Stadtmuseum Münster, Salzstraße 28; Eintritt frei; 
Bildband (16,80 Euro) mit Beiträgen von Wibke Becker, Bernd Haunfelder 
und Axel Schollmeier.

Fotos: Einkaufsbummel in der Salzstraße  Mitte der 1950-er Jahre.

Klein, fein und erschwinglich: Aufgrund seines günstigen Anschaffungspreises 
fand das Goggomobil auch in Münster Interesse.

Motorisiert  unterwegs: Mit dem Motorrad - hier ein  NSU-Max mit einem Steib-
Beiwagen  - oder mit dem Auto, Marke Fiat 1400. Fotos: Veröffentlichung 
honorarfrei.