[WestG] [AKT] Visualisierungsprojekt: Geschichte der Industriewaldflaechen im Ruhrgebiet anschauen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Nov 29 11:23:12 CET 2006


Von: "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 28.11.2006,  15:48


AKTUELL

So sah das hier früher mal aus ...
Geschichte der Industriewaldflächen im Ruhrgebiet anschauen
Visualisierungsprojekt der RUB-Geographen

Wo früher die Schlote rauchten, erobert sich heute die Natur das Land
zurück: Alte Industrieflächen im Ruhrgebiet sind zu Industriewäldern
unterschiedlicher Größe, unterschiedlichen Alters und Zustands
geworden. Wie hat es da eigentlich früher ausgesehen? Wer sich das
fragt, dem wird die Arbeitsgruppe Geomatik des Geographischen Instituts
der Ruhr-Universität bald Antworten geben können: In einem
Geo-Visualisierungsprojekt bereiten sie - zunächst für den
Industriewald Rheinelbe in Gelsenkirchen - die Geschichte der
Industriewaldflächen auf. Luftbilder und andere Fotos, alte Karten und
Zeitzeugenbefragungen liefern die Informationen dazu. Am 5. Dezember
2006 (ab 14 Uhr, Forsthaus Rheinelbe, Gelsenkirchen) lädt die AG
Vertreter verschiedener Institutionen, Verbände, Kommunen sowie des
Landes NRW zu einem Workshop ein, um das Vorgehen zu planen. Das
Projekt wird gefördert von der Staatskanzlei des Landes NRW und dem
Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz des Landes NRW (MUNLV).

Foto im Internet

Ein Foto zu dieser Presseinformation finden Sie zum Herunterladen im
Internet unter: http://www.pm.rub.de/pm2006/msg00401.htm 

Luftbilder als objektive Zeitzeugen

"Um die jeweilige Standortgeschichte der Industriewaldflächen aus einem
historischen Zusammenhang heraus verstehen zu können, erscheint uns ein
Geo-Visualisierungsansatz viel versprechend", erklärt Prof. Dr. Carsten
Jürgens von der AG Geomatik: Zur Dokumentation der Geschichte und des
Flächennutzungswandels ist angedacht, neben historischen Karten und
Luftbildern auch Archivrecherchen und Zeitzeugenbefragungen
durchzuführen. Alle zugänglichen Informationen werden anschließend in
ein Multimediainformationssystem integriert, das sowohl Schulen als
auch der interessierten Öffentlichkeit etwa per Internet oder auf DVD
zur Verfügung steht. Neben der Aufbereitung von Text-, Bild-, Ton- und
gegebenenfalls Videoinhalten wird dabei insbesondere die interaktive
kartographische Aufbereitung von Luftbildern und Karten einen
Schwerpunkt bilden. "Luftbilder bieten dank der vorhandenen
Luftbildarchive die einmalige Chance, unverfälschte und
ungeneralisierte Flächeninformationen aus der Vergangenheit einzusehen.
Sie sind sozusagen Zeitzeugen, die den jeweiligen Zustand zur
Aufnahmezeit objektiv darstellen", so Prof. Jürgens. 

Zukunftsszenarien "spinnen"

Ergänzend wollen die Forscher auf weitere Quellen wie terrestrische
Fotos, Bildbände oder Jahrbücher zurückgreifen, um die Arbeits- und
Lebenswelt der jeweiligen Zeit sowie ihre Veränderungen zu
dokumentieren. "Hier könnte auch eine Zusammenarbeit mit Schulen, zum
Beispiel in Form eines *lebendigen' Geschichtsunterrichts, hilfreich
sein, die idealerweise auch in den Entwurf eines didaktischen Konzepts
zur Projektintegration von Schülern münden sollte", erläutert Dr.
Markus Oster von der Arbeitsgruppe. Darüber hinaus können sich die
Wissenschaftler in Ergänzung zu einer nur retrospektiven
Betrachtungsweise ebenso vorstellen, hypothetische Zukunftsszenarien
einer möglichen Industriewaldentwicklung zu visualisieren. "Dabei reizt
uns die Möglichkeit, auch stadtplanerische Vorstellungen von
Veränderungen des Umfeldes zu visualisieren", erklärt Dr. Oster. 

Projekt schließt eine Lücke

Bisher liegt noch keine systematische Erfassung von
Flächenveränderungen der Industriewaldstandorte in Nordrhein-Westfalen
vor. Mit diesem Arbeitskonzept ließe sich somit eine Lücke schließen.
Zudem kann am Beispiel dieses Pilotprojektes ein didaktisch fundiertes
Konzept für ein umfassendes multimediales Informationssystem zu allen
Industriewaldstandorten in NRW entwickelt werden, das zukünftig, unter
Rückgriff auf den Prototyp des Pilotprojektes, mit überschaubarem
Arbeitsaufwand auf andere Standorte übertragen werden könnte.


INFO

Prof. Dr. Carsten Jürgens, Dr. Markus Oster
Geographisches Institut der Ruhr-Universität Bochum
AG Geomatik (Fernerkundung, Kartographie),
44780 Bochum
Tel: 0234/32-23376/-23377
E-Mail: carsten.juergens at rub.de, markus.oster at rub.de