[WestG] [AKT] Grabung im Ostjordanland erfolgreich. Einzigartige Fundstuecke weisen auf eisenzeitl. Prunkbau hin
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Nov 29 11:37:07 CET 2006
Von: "Uni Dortmund Medieninfo" <medieninfo at uni-dortmund.de>
Datum: 29.11.2006, 10:17
AKTUELL
Grabung im Ostjordanland erfolgreich
Einzigartige Fundstücke weisen auf eisenzeitlichen Prunkbau hin
Bereits zum zweiten Mal ist Thomas Pola , Theologieprofessor
an der Universität Dortmund, mit einem Team zu Grabungen
ins Ostjordanland gereist. Das Ziel der Archäologen: der
Hügel Tell Abu Dahab (West) im Jabboktal. Hier wollten
die Wissenschaftler die 2005 entdeckte Wehranlage weiter
untersuchen. Der Erfolg der Grabung hat die Wissenschaftler
überrascht: Nicht nur konnte nachgewiesen werden, dass die
Dimension der Wehranlage erheblich größer ist, als ursprünglich
erwartet, die Archäologen fanden auch zwei große
Relieffragmente. Sie sind als eisenzeitliche Reliefs bisher
einzigartig im Ost- und Westjordanland und bezeugen darüber
hinaus, dass es auf dem Hügel in der Eisenzeit einen Prunkbau
gegeben haben muss.
Im August hatte Pola seine 2005 begonnene Ausgrabung im
jordanischen Jabboktal zusammen mit seinem Team
jordanischer, schweizer und deutscher Archäologen fortgesetzt.
Dabei bekam das Team hohen Besuch am 25. August 2006 auf dem
jordanischen Berg Tall ad-Dhahab (West) durch S.E., Dr. Klaus
Burkhardt, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Amman
und S.E., Gaius Scheltema, Botschafter des Königreichs der
Niederlande in Amman: Denn dem Team war der sensationelle Fund
zweier Relieffragmente gelungen - der Kopf einer Löwin und der
Ausschnitt einer kultischen Szene: eine Frau mit einer Ziege,
beide im Profil dargestellt. Die Reliefs waren auf dem Plateau
des 100 Meter hohen Berges in einer Mauer aus spätvorislamischer
Zeit verbaut gewesen. Sie stammen vermutlich aus der assyrischen
Zeit (8./7. Jahrhundert v. Chr.). Bisher gibt es keine
Vergleichsstücke dazu aus dem West- oder Ostjordanland.
Da Prof. Pola und sein Team noch immer keine Gebäudereste aus
der Eisenzeit (z.B. von König Jerobeam I.) finden konnten, kommt
besonders dem feiner gearbeiteten Relief mit der Frau und der
Ziege hohe Bedeutung zu. Niemand wird seinerzeit die beiden
300-400 kg schweren Steine den Berg hoch getragen haben. Daher
beweisen sie, dass es auf dem Plateau in der späten Eisenzeit
ein Prachtgebäude gegeben haben muss. Da die Darstellung einer
kultischen Szene in einem Palast ungewöhnlich ist, lässt das
Relief mit der Frau und der Ziege sogar auf die Existenz eines
Heiligtums in der späten Eisenzeit schließen - und genau danach
hatte Thomas Pola gesucht! Die Reliefs befinden sich jetzt im
staatlichen Museum von es-Salt (Jordanien). Die Mauer, in der
die Steine gefunden wurden, soll im nächsten Jahr vollständig
freigelegt und dann gründlich untersucht werden.
Zusätzlich fand das Team auf dem Plateau des Berges in
Suchschnitten die Reste monumentaler Gebäude aus der
hellenistischen und römischen Zeit. Zwei direkt parallel
zueinander gelegene "Peristylhöfe" (auf allen vier Seiten
von durchgehenden Säulen umschlossene Höfe)
aus dem zweiten Jahrhundert v. Chr. und ein daneben errichteter
Palast. Der südliche Peristylhof weist eine Größe von rund 25 x
19 x 4,5 m auf. Er war durch 22 Säulen gerahmt, von denen ein
großer Teil erhalten ist. Hier ist noch viel durch weitere
Grabungen zu klären.
Auch die Arbeit an der 50 Meter langen Wehranlage auf halber
Höhe des Berges brachte eine Überraschung - eine weitere
waagrecht am Hang entlang laufende Mauer wurde
gefunden: Die Wehranlage hat also in Stufen den Westhang des
Berges weithin bedeckt! Liegt damit der Beleg für die
Lokalisierung der spätammonitischen Festung Amathous auf dem
westlichen der Tulul Abu Dahab vor? Bisher ist weder im Ost-
noch im Westjordanland eine vergleichbare Anlage bekannt.
Weitere Arbeit wird nötig sein, um die Maße und den genauen
Zweck der Wehranlage herauszufinden.
"Besonderen Dank schulden wir Prof. Frank Siegmund von
der Universität Basel", sagt Thomas Pola. "Er hat vom
Plateau und der darunter gelegenen Terrasse unter
Zuhilfenahme der neuesten Technik einen geomagnetischen
Plan erstellt". Dieser Plan zeigt den Verlauf antiker Mauern in
der Erde bis zu einer Tiefe von gut zwei Metern. Daher ist
dieser Plan zusammen mit den Messungen auf der Oberfläche die
Grundlage für die weitere Grabungsplanung. Pola wird daher mit
seinem Team die Ausgrabungen im Juli/August 2007 fortsetzen,
sofern er die Mittel dafür erhält.
Finanziert wurde die diesjährige Ausgrabung und ihre
Nacharbeit von der Universität Dortmund, der Gesellschaft
der Freunde der Universität, der Dortmunder Traditionsfirma
Weckbacher (Dirk Rutenhofer), Dr. med. Rüdiger Stolle
(Meerbusch) und weiteren Privatspendern, darunter Ärzten
aus Dortmund, Marl und Burg a.F.
Sponsoren können mit graben
Auch für 2007 sind wieder Sponsoren eingeladen,
die sich den Traum erfüllen wollen, einmal richtig mit der
Schaufel mit graben zu dürfen. Für EUR 3.000 gewährt Thomas Pola
den Sponsoren Flug, Transport, Unterkunft und wissenschaftliche
Begleitung.
INFO
Info und Kontakt:
Prof. Thomas Pola
Universität Dortmund Fakultät Humanwissenschaften & Theologie
Emil-Figge-Str. 50
44227 Dortmund
Tel. 0231/4882690
Mail: poladr at aol.com
Für steuerlich abzugsfähige Spenden steht das
Kto. 232 4978 bei der Commerzbank Dortmund (BLZ 440 400 37)
bereit (Stichwort: Grabung Jordanien Prof. Pola).