[WestG] [AKT] LWL-Landesmedienzentrum gibt seltenes Filmdokument ueber den Ruhrkampf als DVD heraus

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Nov 3 11:21:11 CET 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 02.11.2006, 11:39


AKTUELL

LWL-Landesmedienzentrum gibt seltenes Filmdokument über den 
Ruhrkampf als DVD heraus

An die wichtige Episode des Ruhrkampfes zwischen den beiden 
Weltkriegen erinnert der Landschaftsverband Westfalen-Lippe 
(LWL) in Zusammenarbeit mit dem französischen Musée Albert
Kahn mit der rund einstündigen DVD "Der Ruhrkampf - La 
Bataille de la Ruhr". Der Film mit seltenen Aufnahmen aus den 
frühen 1920er Jahren feierte jetzt in Gelsenkirchen Premiere.

"Mit dem Film kehren die Aufnahmen nach über 80 Jahren nach 
Westfalen und ins Rheinland zurück. Es gibt in deutschen 
Archiven kein vergleichbares Filmmaterial über den Ruhrkampf. 
Viel unmittelbarer und anschaulicher als schriftliche Quellen und
Fotos das können, führen sie uns nicht nur die dramatischen 
Ereignisse dieser Jahre vor Augen. In ihnen spiegelt sich auch 
das Arbeitsleben sowie die Alltags- und Kulturgeschichte von 
der Mode bis zu Freizeitvergnügen", so Markus Köster, Leiter 
des LWL-Landesmedienzentrums.

In den vier Jahren zwischen 1921 und 1925 drehten zwei 
französische Kameramänner im Auftrag des französischen 
Bankiers Albert Kahn im gesamten Ruhrgebiet. "Herausgekommen 
ist dabei ein authentisches und vielschichtiges Bild des Ruhr-
gebietes. Mit einem außergewöhnlichen Gespür für Situationen 
ist es den Kameramännern gelungen, viele wesentliche Stränge 
der politischen, aber auch der sozialen und kulturellen Wirklichkeit 
der damaligen Zeit festzuhalten", lobt Köster.

Die so entstandenen 5.000 Meter Film, die etwa drei Stunden 
Laufzeit entsprechen, wurden aber nicht weiterbearbeitet: 
Während der Weltwirtschaftskrise geriet auch Kahn in den Ruin 
und konnte sein Projekt nicht weiterführen. So geriet das 
Material in Vergessenheit. Erst Anfang der 1990er Jahre wurde 
es in Frankreich wieder entdeckt. Bald darauf produzierte das 
Musée Albert Kahn mit dem Stummfilm-Material, zu dem auch 
Aufzeichnungen der Kameraleute über Drehorte und Zeit 
gehören, die Dokumentation "La Bataille de la Ruhr". Gemeinsam 
mit Robert Weiss vom Musée Albert Kahn entwickelte Dr. Volker 
Jakob, Leiter des Filmarchivs im Westfälischen Landesmedien-
zentrum, die Idee dieses frühe Filmdokument in einer deutschen
Version in Westfalen und im Rheinland zu verbreiten. Die DVD 
enthält neben dem deutschen Kommentar auch die französische 
Originalfassung sowie ein ausführliches Begleitheft.

Der Film zeichnet die Abschnitte des Ruhrkampfes und seine 
Auswirkungen auf Städte wie Gelsenkirchen, Duisburg, Düsseldorf 
und Aachen detailliert nach: Zunächst sind Bilder des pulsierenden 
Lebens zu sehen. Ab 1923 kommen dann immer häufiger 
französische und belgische Soldaten ins Bild. Denn die wirtschaftlich,

politisch und sozial instabile Republik konnte die im Versailler 
Friedensvertrag von 1919 vereinbarten Verpflichtungen zu 
Reparationszahlungen und Kohlelieferungen nicht ganz erfüllen. 
Anfang 1923 verzögerte die deutsche Regierung die Lieferung der 
fälligen Reparationsleistungen. Daraufhin besetzten französische 
und belgische Truppen das Ruhrgebiet, das sie als "produktives 
Pfand" ansahen. Darauf reagierte die Bevölkerung mit passivem 
Widerstand, der zeitweise alle Räder still stehen ließ und mitunter 
auch in Sabotageakte ausartete.

Der Film zeigt zunächst unbewaffnete Soldaten, die flanieren, 
Blumen kaufen und Boot fahren. Doch mit der Verschärfung des 
Konfliktes, bestimmen Gewehre und Panzer das Bild. Massen-
demonstrationen, bei denen Demonstranten zu Tode kommen 
und anschließende Kundgebungen bei den Begräbnissen lösen die 
friedlichen Bilder ab. Wo zunächst der Überfluss zu dominieren 
schien, sieht man jetzt notleidende Menschen. Schließlich ist zu
sehen, wie die Soldaten marschierend, reitend fahrend oder
radelnd das Ruhrgebiet wieder verlassen.

"Die Bilder des Films sind selten, sensationell und Spiegelbild 
einer bewegten Epoche. Sensationell sind sie, weil die Kamera-
männer mit einem Blick für das Wesentliche viele höchst 
bemerkenswerte Aspekte der Sozialgeschichte des Rhein-Ruhr-
Raumes für die Nachwelt festgehalten haben", so der 
Filmhistoriker Dr. Hans Gerhold, der als Autor für das Begleitheft 
verantwortlich zeichnet.


INFO

Der Ruhrkampf
La Bataille de la Ruhr
Französische Filmaufnahmen aus Westfalen und dem 
Rheinland 1921 - 1925
DVD ca. 60 Minuten, schwarz/weiß, deutsch-französisch, 
ausführliches Begleitheft
14,90 EUR (zzgl. 2,60 EUR Versandkosten)
Bezug: 
Westfälisches Landesmedienzentrum
48133 Münster
medienzentrum at lwl.org, 
Fax: 0251 591-3982