[WestG] [AUS] Start der Ausstellung "Klima und Mensch", 30.05.2006-30.05.2007, Herne

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Mai 19 11:52:52 CEST 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 18.05.2006, 12:50


AUSSTELLUNG

Saurer Regen am Kölner Dom und wie Rinder Klima machen

Im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne wird am 
30. Mai die bisher größte Ausstellung in Deutschland über 
"Klima und Mensch" mit doppelt so vielen Exponaten wie geplant 
starten: Über 800 Ausstellungsstücke aus allen Kontinenten 
sollen jetzt sowohl die Anpassungsfähigkeit der Menschen, 
Tiere und Pflanzen über die Jahrtausende als auch die Wetter-
Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu zukünftigen 
Hochwasserkatastrophen erlebbar machen (bis 30. Mai 2007). 
Das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
 wird das "Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern
präsentieren.

Wenn man zu den reich verzierten Spitzen des Kölner Domes 
schaut, erblickt man jahrhundertealte Steinmetzkunst, originale
Zeugen von über 700 Jahren Geschichte. Original? Schön wär's,
leider stammt keine einzige der Spitzen der gewaltigen Kirche
mehr aus dem 13. oder den folgenden Jahrhunderten, als die 
Dombaumeister mit ihrem Werk begannen. 

"Der so genannte saure Regen, der durch die Auto- und Industrie-
abgase entsteht, ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem 
immer größeren Problem geworden. Er hat den weichen Drachen-
felser Trachyt  der Domspitzen einfach zerfressen", sagt 
Archäologin Julia Hallenkamp-Lumpe.

Die Wissenschaftlerin freut sich deswegen besonders darüber, 
dass eine originale Spitze des gotischen Domes aus dem späten
13. Jahrhundert in der Ausstellung "Klima und Mensch" im 
Westfälischen Museum für Archäologie in Herne zu sehen ist. 
"An ihr können wir sehr gut erkennen, wie der Mensch mit seinem 
Einfluss auf die Umwelt seine eigenen Bauwerke zerstören kann."

Das Beispiel des Domes ist auch aus einem anderen Grund
einzigartig: Der Steinbruch, in dem das Material für die Domspitzen
gewonnen wurde, steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Einen 
Ersatz aus dem Original-Gestein wird es daher nicht mehr geben. 

Der Kölner Dom ist zwar schon 700 Jahre alt, Umweltzerstörung ist
aber ein noch viel älteres Thema, wie die Ausstellung in Herne zeigt. 
Einen großen Einschnitt setzen die Wissenschaftler in der Zeit vor 
etwa 12.000 Jahren, als im Nahen Osten die ersten Jäger und 
Sammler sesshaft wurden und begannen Ackerbau und Viehzucht 
zu betreiben. "Mit jedem Entwicklungsschritt, den der Mensch seitdem 
gegangen ist, wurde sein Einfluss auf die Umwelt größer", berichtet 
Julia Hallenkamp-Lumpe. "Unsere Vorfahren reagierten nicht mehr 
nur auf die Umwelt, sondern griffen zunehmend aktiv ein."

In den ersten Jahrtausenden der Sesshaftigkeit lebte der Mensch 
noch weitgehend im Einklang mit der Natur. "Weil die Bevölkerungs-
zahlen aber immer rascher stiegen, mussten die Menschen immer 
mehr Landschaft immer intensiver nutzen * und damit veränderten 
sie die Landschaft auch." Sie störten den Energie- und Wasser-
austausch, vernichteten durch Brandrodungen die Wälder als 
natürliche Kohlenstoffspeicher und setzten diesen zugleich frei. Die 
Folge: Der Kohlenstoff reagiert mit dem Sauerstoff der Luft und 
verwandelt sich in Kohlendioxid, das den natürlichen Treibhauseffekt
verstärkt. Nur ein Beispiel aus der Geschichte: "Die Menschen im 
alten Griechenland holzten vor über zweieinhalbtausend Jahren in 
Attika ganze Wälder ab, um eine Flotte gegen die Perser zu bauen",
sagt die Archäologin.

Heute verändern ausgedehnte Städte durch ihre Wärmeausstrahlung 
sogar die lokalen Wind- und Niederschlagsverhältnisse. Mit weiteren 
Folgen: "Das so genannte Mikroklima riesiger Städte beeinflusst das 
Umlandklima, das wiederum das regionale Klima mitbestimmt", erklärt 
die Forscherin.  

Seit der Industrialisierung im 18. Jahrhundert nutzt die Menschheit 
in vergleichsweise kurzer Zeit riesige Mengen der fossilen Energieträger
Öl, Erdgas und Kohle, die sich über Millionen von Jahren angesammelt 
haben. Bei deren Verbrennung entsteht ebenfalls das Treibhausgas
Kohlendioxid. Für den Treibhauseffekt ist zudem ein weiterer,
ungewöhnlich erscheinender Faktor verantwortlich. "Mittlerweile 
beeinflussen wir sogar mit unserer Fleischproduktion das Klima", erklärt
Julia Hallenkamp-Lumpe. "1,3 Milliarden Rinder weltweit erzeugen mit 
ihrer Verdauung zwölf Prozent aller Methangasemissionen auf der 
Welt. Das sind 115 Millionen Tonnen Treibhausgas * genau soviel wie 
der gesamte Verkehr auf der ganzen Erde freisetzt."

Doch die Ausstellung in Herne zeigt auch aktuelle Beispiele für die 
vielen positiven Ansätze, Aktionen und Forschungen, die den 
Klimaschutz zum Ziel haben. So rief etwa die Kenianerin Wangari 
Maathai das "Green Belt Movement" ins Leben. Im Rahmen dieses 
größten, panafrikanischen Aufforstungsprojektes wurden seit 1977 
mehr als 30 Millionen Bäume gepflanzt. Für dieses Engagement 
erhielt Maathai 2004 den Friedensnobelpreis. Die Begründung: Der 
Frieden auf der Welt hängt von der Bewahrung der Umwelt ab.

Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Unesco und 
des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers und ist ein 
Kooperationsprojekt mit der Nordrhein-Westfälischen Stiftung für 
Umwelt und Entwicklung. Sie wird außerdem gefördert von: 
Kulturstiftung Westfalen-Lippe, Gelsenwasser AG, ThyssenKrupp 
Steel AG, Schenker Deutschland AG, RWE Westfalen-Weser-Ems AG, 
Stadtwerke Herne AG, 1komma6 Multimediale Dienstleistungen GmbH,
Bildungs- und Erziehungsstiftung der Herner Sparkasse, Herner 
Sparkasse, Schwing GmbH, Deutsche Steinkohle AG, Ter Hell Plastic
GmbH, Germanwings GmbH, CareUnit AG, Deutsche Benkert GmbH & 
Co. KG, Reifen Stiebling GmbH, Dr.Hauschka Kosmetik/Wala Heilmittel 
GmbH, Bofrost Dienstleistungs GmbH und Co. KG, Sasol Germany 
GmbH, DB Regio NRW GmbH, Kulturinitiative Herne e.V., Stadt Herne, 
Stadtmarketing Herne GmbH, Stadt Herne, Verein der Freunde und
 Förderer des Westfälischen Museums für Archäologie e. V.


INFO

Westfälisches Museum für Archäologie
Landesmuseum und Amt für Bodendenkmalpflege
Europaplatz 1
44623 Herne 
Tel.: 02323 94628-0
Fax: 02323 94628-33
archaeologiemuseum at lwl.org 
www.landesmuseum-herne.de