[WestG] [AKT] Ziegelei-Steinbruch Hagen-Vorhalle zaehlt zu den wichtigsten Geotopen in Deutschland

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Mai 19 11:41:54 CEST 2006


Von: "Historisches Centrum Hagen" <info at historisches-centrum.de>
Datum: 17.05.2006, 20:27


AKTUELL

Auszeichnung für die Stadt Hagen: Ziegelei-Steinbruch Hagen-Vorhalle 
zählt zu den wichtigsten Nationalen Geotopen in Deutschland.

Die Stadt Hagen freut sich, dass die Akademie der Geowissenschaften zu 
Hannover e.V. den ehemaligen Ziegelei-Steinbruch in Hagen-Vorhalle als 
eines der bedeutendsten Geotope Deutschlands mit der Auszeichnung 
"Nationaler Geotop" versehen hat. Am 12. Mai 2006 wurde der Stadt Hagen 
im Niedersächsischen Landtag in Hannover das Privileg verliehen, das 
geschützte Logo "Nationaler Geotop" zukünftig zu führen. Gleichzeitig 
hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung die Erlaubnis 
erteilt, das offizielle Logo "planeterde - Welt der Geowissenschaften" 
für die Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden. Der Geschäftsführer der 
Akademie der Geowissenschaften, Herr Prof. Dr. Ernst-Rüdiger Look, wird 
nach der Sommerpause die Urkunde mit dem Prädikat "Nationaler Geotop" an 
die Stadt Hagen übergeben.

Die Auszeichnung "Nationaler Geotop" wurde an 77 der bedeutendsten 
geologischen Aufschlüsse in Deutschland vergeben. In der eindrucksvollen 
Liste der ausgewählten Geotope befindet sich der ehemalige 
Ziegelei-Steinbruch Hagen-Vorhalle in einer eindrucksvollen Reihe mit 
Fossilienfundstellen und Landmarken. Neben Hagen-Vorhalle sind die für 
ihre Schwimmsaurier berühmten Steinbrüche im baden-württembergischen 
Holzmaden, die Grube Messel bei Darmstadt, wo unter anderem auch das 
Ur-Pferdchen entdeckt wurde, und die Steinbrüche der Solnhofener 
Plattenkalke im Altmühltal, die Fundorte des Ur-Vogels Archaeopterix 
waren, unter den bedeutendsten Geotopen vertreten. Ausgezeichnet wurden 
aber auch geologischen Landschaftsräume und markante Naturdenkmäler, wie 
beispielsweise der Meteoritenkrater im Nördlinger Ries, die Bruchhauser 
Steine im Sauerland, die Externsteine in Ostwestfalen, das Felsenmeer 
bei Hemer, das Randecker Meer auf der Schwäbischen Alb, die Mainschleife 
bei Volkach, das Neandertal bei Mettmann, die Insel Helgoland und die 
von Caspar David Friedrich gemalte Kreideküste im Nationalpark Jasmund 
auf Rügen.

Der ehemalige Ziegelei-Steinbruch in Hagen-Vorhalle ist eine der 
wichtigsten Fossilfundstellen in Deutschland. Die hier aufgeschlossenen 
Sedimente des unteren Oberkarbon (Namur B) wurden vor etwa 319 Millionen 
Jahren im Bereich einer Lagune und eines großen Flußdeltas abgelagert. 
In der geologischen Fachwelt ist der Aufschluss auch wegen der hier 
anzutreffenden Faltenbilder und Gebirgsstörungen bekannt.

Günstige Erhaltungsbedingungen führten dazu, dass in den Schiefertonen 
ein einzigartiger Ausschnitt der marinen und terristischen Fauna und 
Flora überliefert wurde. Seit den 1990er Jahren steht der Steinbruch 
unter Bodendenkmalschutz. Das bedeutet, dass das Sammeln von Fossilien 
ohne Genehmigung nicht erlaubt ist und unter Umständen empfindliche 
Strafen zur Folge haben kann.

Bei den wissenschaftlichen Grabungen des Westfälischen Museums für 
Naturkunde in Münster wurden unter anderem die weltweit ältesten 
Fluginsekten in einer ausgezeichneten Erhaltung entdeckt. Darunter 
finden sich große Urnetzflügler und Libellenarten. Aber auch die Funde 
von Einhornhaien, Quastenflosser und anderen Tieren sind ebenfalls 
international bedeutend. Hinzu kommen Pflanzenreste, die in ihrem 
ausgezeichneten Erhaltungszustand sogar feinste Details erkennen lassen. 
Eine repräsentative Auswahl von Fossilien aus dem früheren 
Ziegelei-Steinbruch sind im Museum für Ur- und Frühgeschichte 
Wasserschloss Werdringen in Hagen-Vorhalle, in unmittelbarer Nähe zur 
Fundstelle, und im Museum für Naturkunde in Münster ausgestellt.

Vor kurzem konnte das Museum die weltweit einmalige Rekonstruktion einer 
riesigen Ur-Libelle, wie sie vor 320 Millionen Jahren in Hagen durch die 
Lüfte schwirrte, der Öffentlichkeit vorstellen. In die neue, von dem 
bekannten Präparator Werner Kraus in Aachen ausgeführte Rekonstruktion 
flossen neueste Erkenntnisse der Forschung ein. Die Versteinigung der 
Ur-Libelle mit dem Namen Namurotypus sippeli und einer Flügelspannweite 
von über 30 cm ist in einer Vitrine mit der lebensechten Plastik zu 
sehen. Bei der Rekonstruktion handelt es sich um eine Schenkung der 
Behrendt-Stiftung in Hagen.

Die renommierte Akademie der Geowissenschaften zu Hannover e.V. hat den 
Begriff Geotop folgendermaßen definiert: "Bei den Geotopen handelt es 
sich um natürliche oder vom Menschen geschaffene Gesteinsaufschlüsse, um 
Landschaftsformen oder um Beispiele für das Wirken geologischer Kräfte 
oder um die Spuren des vorzeitlichen Lebens." Das Bundesministerium für 
Bildung und Forschung brachte anlässlich der Auszeichnung in Hannover 
die Erwartung zum Ausdruck, "dass diese besonders auffälligen und 
außergewöhnlichen und zum Teil spektakulären geologischen 
Sehenswürdigkeiten der Öffentlichkeit nahe gebracht werden."

In der Stadt Hagen fällt diese Perspektive auf fruchtbaren Boden. Nicht 
nur das sich als Publikumsmagnet erweisende Museum für Ur- und 
Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen, sondern auch das 
weitergehende Projekt eines Evolutionsparks wird der nationalen und 
internationalen Bedeutung der Fossilfundstelle Hagen-Vorhalle mehr als 
gerecht.

Mit der Auszeichnung "Nationaler Geotop" wurde die Bedeutung der Hagener 
Fundlandschaft, die bereits im 18. und 19. Jahrhundert zu den 
wichtigsten Arbeitsgebieten von Geologen und Archäologen in Europa 
zählte, eindrucksvoll bestätigt. Auf der Basis dieser für die 
Paläontologie und Archäologie teilweise auch weltweit einzigartigen 
Region will der zurzeit von der Stadt Hagen vorbereitete Evolutionspark, 
die Geschichte von der Entstehung unseres Planeten bis zum Mittelalter 
für die Öffentlichkeit erlebbar machen. Die Darstellung der Entwicklung 
des Lebens wird auch Aspekte der Klima- und Umweltgeschichte 
einbeziehen. In die Konzeption und Präsentation zur Entwicklung des 
Menschen fließen auch Ergebnisse der experimentelle Archäologie und 
qualitativ hochwertige Darstellungen im Rahmen der "Living History" mit 
ein.


INFO

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