[WestG] [AUS] Studentenleben und Studium an der "Zeche Quest", Lage, 21.06.-24.09.2006
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Jun 21 14:17:37 CEST 2006
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 21.06.2006, 11:02
AUSSTELLUNG
Studentenleben und Studium an der "Zeche Quest":
Neue Ausstellung im Industriemuseum Ziegelei Lage
"Zeche Quest" - so nannten die Lagenser Studenten ihr Technikum.
Damit spielten sie auf die großen Kohlehaufen an, die nach dem Zweiten
Weltkrieg im Hof der Ingenieurschule für den Betrieb einer Lokomobile
lagen. Und sie ehrten mit diesem Spitznamen die Familie Quest, die das
Technikum viele Jahre lang als Familienbetrieb führte. 100 Jahre nach
der Gründung erinnert das Westfälische Industriemuseum ab Sonntag
(25.6.) an die Studentenzeit in Lage. Die Ausstellung "Zeche Quest -
Studenten am Technikum Lage" läuft bis zum 24. September im Museum
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Historische Fotos, Postkarten und Exponate wie Lehrmittel aus den
ehemaligen Labors zeigen, wie die Studenten ausgebildet wurden, wo
sie wohnten, wie sie ihre Freizeit verbrachten und das öffentliche
Leben
der lippischen Kleinstadt mitprägten. Größtes Ausstellungsstück ist ein
Segelflugzeug (Foto), das 1932 als "Schulgleiter" am Technikum gebaut
wurde.
1906 hatte der Detmolder Architekt Johann Berger das "Polytechnische
Institut und Technikum Lage i.L." gegründet. "Da im 19. Jahrhundert
viele Produktionsverfahren mechanisiert worden waren, benötigte die
Industrie immer mehr technisch geschulte Arbeitskräfte. Sie wurden an
technisch ausgerichteten Fachschulen, den Polytechniken, ausgebildet",
erläutert Ausstellungsmacher Dr. Andreas Immenkamp vom
LWL-Industriemuseum.
In Deutschland entstand die erste technische Schule 1825 in Karlsruhe.
Die lippischen Polytechniken entwickelten sich vor allem erfolgreich,
weil
sie nicht nur Ingenieure, sondern auch einheimische Wanderziegler aus-
bzw. weiterbildeten. Immenkamp: "Viele lippische Ziegler nutzten die
arbeitsfreie Winterzeit, um sich beruflich weiter zu qualifizieren.
Die
Ziegler-Schulen in Lemgo und Lage boten beispielsweise auch Kurse für
Heizer, Maschinisten und Ziegelmeister an."
Angesichts des Studentenzustroms reichten die Räume im Stammhaus
bald nicht mehr aus. 1924 begannen die Bauarbeiten für das neue
Technikum, das nach den Wünschen Quests alle Ausbildungsabteilungen
unter einem Dach vereinigen sollte. Die angehenden Ingenieure und
Techniker entwickelten sich schnell zu einem bedeutenden Wirtschafts-
faktor für Lage. Viele Familien vermieteten möblierte Zimmer und so
manche Kneipe avancierte zur *Konstanten", das heißt zur Stamm-
kneipe einer studentischen Verbindung. Auch dem öffentlichen Leben
der Kleinstadt verliehen die Studenten ihre eigene Note.
Burschenschaftler
marschierten zu Gedenk- und Feiertagen im *Wichs" durch die Stadt.
Examenskandidaten arrangierten zum Abschluss ihres Studiums
phantasievolle Umzüge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg studierten in Lage 1947 über 1.000
Studenten. In den folgenden Jahrzehnten wuchs das Lehrangebot
der Schule beträchtlich: die Institute bildeten u.a. Elektro- und Bau-
ingenieure, Architekten sowie Ingenieure für Grobkeramik aus. 1981
endete die Lehrtätigkeit in Lage. Die privat geführte Ingenieurschule
war gegen die staatlichen Fachhochschulen in Lemgo, Detmold und
Bielefeld nicht konkurrenzfähig.
Bei der Ausstellungseröffnung am Sonntag (25.6.) um 11 Uhr
begrüßen Dirk Zache, Direktor des Westfälischen Industriemuseums,
Landrat Friedel Heuwinkel und Irmgard Eberhard, stellv.
Bürgermeisterin
von Lage, die Gäste. Eine Einführung in die Ausstellung gibt Andreas
Immenkamp.
INFO
"Zeche Quest" - Studenten am Technikum Lage
21.06. bis 24.09.2006
Westfälisches Industriemuseum Ziegelei Lage
Sprikernheide 77
32791 Lage
Telefon: 05232 9490-0
Telefax: 05232 9490-38
E-Mail: ziegelei-lage at lwl.org
Geöffnet Di - So 10 - 18 Uhr