[WestG] [AUS] Neue Ausstellung im Arbeiterhaus bietet Geschichte zum Anfassen, Bocholt, 24.06.2006

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Jun 20 11:55:04 CEST 2006


Von: "Christiane Spänhoff" <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 19.06.2006, 14:06


AUSSTELLUNG

Von der Kernseife bis zum Schweinepuzzle 
Neue Ausstellung im Arbeiterhaus bietet Geschichte zum Anfassen

Im Textilmuseum Bocholt können Besucher jetzt nicht mehr nur 
sehen, sondern auch hören, wie Arbeiterfamilien vor 50 Jahren
lebten. Fünf Hörstationen mit Zeitzeugen-Interviews gehören zur neuen
Ausstellung in den beiden Arbeiterhäusern, die am Samstag, 24. Juni, mit
einem Aktionstag eröffnet wird. Auf dem Hof und im Garten hat das Museum
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) außerdem neue Tafeln mit
Texten in Deutsch und Niederländisch sowie historischen Bildern
angebracht. "Die Informationen über Alltagsthemen wie Hygiene, Ernährung
oder Kleintierhaltung sind jetzt viel umfangreicher und anschaulicher.
Außerdem sorgen die Tafeln für eine bessere Orientierung auf dem
Gelände", erläuterte Museumsleiter Dr. Hermann Josef Stenkamp am
Montag vor der Presse.

Schon am Parkplatz begrüßt eine große blaueTafel die Gäste im
Westfälischen Industriemuseum. Diese Farbe prägt das gesamte
Informationssystem der beiden neu eingerichteten Arbeiterhäuser, des
Arbeitergartens sowie des Straßen- und Fabrikgeländes", so Stenkamp
weiter. Dreidimensionale blaue "Kissen" liefern in Deutsch und
Niederländisch die wichtigsten Informationen zu den einzelnen
Ausstellungsthemen. Stenkamp: "Wer tiefer in die Materie einsteigen
möchte, dem stehen zahlreiche Fotos, Quellen und Detailinformationen
auf ansprechend gestalteten weißen Tafeln zur Verfügung." 

Im Zentrum der neuen Dauerausstellung steht das Arbeiter-Doppelhaus,
dessen linke Hälfte eine komplett neu konzipierte Ausstellung zu den
Themen Ernährung, Hygiene, Energie sowie Kleidung und Heimtextilien
bietet. Das Besondere: Die Exponate und Informationen zum Lebensalltag
der Textilarbeiterfamilien werden jeweils vor einer Reihe von aktuellen
Werbefotos präsentiert. "Das bringt den heutigen Komfort mit all seinem
Überfluss ins Bewusstsein", meint der Museumsleiter.
 
Ein gedeckter Tisch stimmt die Besucher in das Thema Ernährung früher
und heute ein. Einer Auswahl heutiger Mittagsgerichte und
Fastfood-Mahlzeiten steht die bescheidene historische Kost gegenüber,
die sich durch Aufklappen der Teller erforschen lässt. Essgeschirre und
Kathreiners Malzkaffee stehen hier neben eingewecktem Gemüse oder
eingekochtem Schweinefleisch und machen deutlich, welch hohen
Stellenwert Nutzgarten und Kleinvieh damals hatten. Clou für kleine
Besucher sind ein drehbarer Erntekalender und ein Schweinepuzzle.

Vor den Werbefotos heutiger Badausstattung sowie Wasch- und
Trockenmaschinen zeigen Kernseife, Handtuch und Bürste die
Bescheidenheit früherer Waschmöglichkeiten. Die Knochenarbeit des
Wäschewaschens können Kinder in pädagogischen Angeboten erleben. Der
Museumsleiter: "Besucher können sich mit Küchengeräten früher und heute
beschäftigen und erfahren zum Bespiel, wie schwer ein Bügeleisen war und
wie aufwändig das Bügeln vonstatten ging." 

Das Obergeschoss ist ganz dem Thema Textilien vorbehalten. Hier sind
geflickte Arbeitshosen und getragene Arbeitsschürzen neben gestickten
Mustertüchern zu sehen. "Gerade so unspektakuläre Objekte wie gesammelte
Stoffreste, trotz Druckfehlern als Vorhangstoff verwendete Nesselbahnen
oder geflickte Bettbezüge oder Bettlaken zeigen sehr viel vom
historischen Alltagsleben, das geprägt war von Knappheit", ergänzt
Stenkamp. Nur durch geschicktes Organisieren etwa von Stoffresten, die
in Betrieben kostengünstig abgegeben wurden oder Umänderung von
getragener Kleidung hätte die Hausfrau auch ohne zusätzliche Kosten die
Versorgung mit Textilien ihrer Familie sicherstellen können. Der
Museumsleiter: "Gerade diese Objekte sind sehr selten und bilden einen
Sammlungsschwerpunkt des Textilmuseums Bocholt." 

Eröffnet wird die neue Ausstellung am Samstag, 24. Juni um 14 Uhr. Im
Anschluss an den Einführungsvortrag von Dirk Zache, Direktor des
Westfälischen Industriemuseums, und den geführten Rundgang wird bis
18 Uhr ein vielfältiges pädagogisches Angebot für Jung und Alt um die
beiden Arbeiterhäuser herum geboten.


INFO

Westfälisches Industriemuseum 
Textilmuseum Bocholt
Uhlandstraße 50
46397 Bocholt
Telefon: 02871 21611-0
Telefax: 02871 21611-33
E-Mail: textilmuseum at lwl.org 

Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr.
Museumspädagogische Programme können bereits ab 9 Uhr gebucht werden.