[WestG] [AKT] Spuren des Hellweges bei Hoexter: Ueber ein Studienprojekt an der Fachhochschule in Hoexter
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Jun 20 11:49:18 CEST 2006
Von: "Michael Koch" <m.koch at hoexter.de>
Datum: 19.06.2006, 21:04
AKTUELL
Tief eingeschnitten in den Untergrund:
Spuren des Hellweges bei Höxter -
über ein Studienprojekt an der Fachhochschule in Höxter
Im Wintersemester 2005/06 beschäftigte sich eine Gruppe von
Studenten im Rahmen eines Projektes der Fachhochschule Lippe
und Höxter mit eindrucksvollen, im Wald verborgenen Zeugnissen
der Geschichte der Kulturlandschaft. Zielgebiet war der Stadtwald
südwestlich des bebauten Stadtgebietes von Höxter zwischen
Ziegenberg und Knüllberg. Im Südwesten wurde das Gebiet begrenzt
durch die spätmittelalterliche Landwehr der Stadt Höxter. Teilnehmer
waren die Studenten des Studienganges Landschaftspflege Inga
Bokelmann, André Brinkmann, Christine Grob, Susanne Haferbeck,
Sarah Herbort, Andreas Jennebach und Sabrina Macharski.
Durchgeführt wurde das Projekt unter der Leitung von Prof. Winfried
Türk (FH Lippe und Höxter) und Michael Koch (Stadtarchiv, Lehr-
beauftragter FH Lippe und Höxter).
Den Ausgangspunkt des FH-Projektes bildete die Überlegung, dass
die Stadt Höxter sowie Kloster und Stadt Corvey im Mittelalter
bedeutende überregionale Markt- und Herrschaftszentren darstellten.
Von Ost und West wurden Handelsleute, Kriegsheere, Wallfahrer
und anderes fahrendes Volk in großer Zahl über den "Hellweg" an
den Ort geführt, an dem man im Oberweserraum (südlich von Hameln)
am Vorteilhaftesten das Tal der Weser durchqueren konnte. Schon
die fränkischen Heere Pippins und Karls des Großen drangen auf
ihm im 8. Jahrhundert nach Sachsen vor, in den folgenden Jahr-
hunderten avancierte er zum Königsweg schlechthin. Dieser Weg
musste im Gelände Spuren hinterlassen haben.
In der Tat sind sehr deutlich zahlreiche Hohlwegrinnen zu erkennen,
die im Forstort "Galläcker" auf einem Berggrad den steilen Hang
erklimmen. Für dieses Wegebündel hat sich seit langer Zeit die
Bezeichnung "Galgenstieg" eingebürgert. Besonders tief - teilweise
über 4 Meter - in den Untergrund eingeschnitten hat sich eine
Wegetrasse, die noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts
hinein genutzt wurde und die parallel zur heutigen Straße "Hellweg"
im Talgrund verläuft. Das Projekt konzentrierte sich auf den
westlichen Rand des Wesertales, während sich auch auf der
anderen Wesertalseite im Bereich des Steinkruges deutliche
Wegespuren erhalten haben.
Nach vorbereitenden Begehungen im Herbst 2005 in Begleitung von
dem Stadtarchäologen Andreas König sowie von Prof. Dietrich
Denecke (Universität Göttingen), einem weithin anerkannten
Altwegeforscher, begannen im September 2005 die Erkundungen
und Messungen durch die Studenten. Hauptsächliches Ziel war die
Aufnahme von wesentlichen Teilen des Hohlwegsystems im Forstort
"Galläcker". Es wurden Schnitte quer durch zwei Hohlwege gelegt,
um die Struktur der Hohlwegrinnen und ihres Untergrundes
erforschen zu können. Weitere Fachleute wurden zur Begutachtung
hinzugeholt: Dr. Daniel Bérenger vom Westfälischen Museum für
Archäologie (Außenstelle Bielefeld), Henning Fischer (Untere Denk-
malpflege) und Johannes Happe (Stadtforstamt).
Die im Wintersemester 2005/06 in dem Projekt engagierten Studenten
erhielten eine Bestätigung ihrer Arbeit durch einen Besuch im April
2006 von Ulrike Spichal, Mitarbeiterin der Westfälischen Altertums-
kommission. Sie möchte die Ergebnisse des FH-Projektes aufgreifen
und in ihre Öffentlichkeitsarbeit in Rahmen der Wegeforschung zum
"Jakobsweg" und "Hellweg" in Westfalen einbauen. Um die
Erkenntnisse des Projektes für eine breite Öffentlichkeit vor Ort im
Gelände vorzustellen, soll als Teil des Wanderprogrammes des Heimat-
und Verkehrsvereins Höxter voraussichtlich im Herbst eine Exkursion
angeboten werden.
INFO
Kontakt:
Michael Koch
Stadtarchiv Höxter
Westerbachstraße 45
37671 Höxter
Tel.: 05271-963123
E-Mail: m.koch at hoexter.de