[WestG] [AKT] Vortragsreihe an der Uni Dortmund: Umgang mit Menschenrechtsverbrechen in globaler Perspektive
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Okt 27 16:17:57 CEST 2005
Von: "Christian Kleinschmidt", <ch.kleinschmidt at cityweb.de>
Datum: 26.10.2005, 19:26
AKTUELL
Über Verbrechen reden?! Umgang mit Menschenrechtsverbrechen in globaler Perspektive
Vortragsreihe an der Universität Dortmund im WS 2005/2006
Fakultät Kulturwissenschaften
Historisches Institut/Neuere und Neueste Geschichte und Didaktik der Geschichte
PD Dr. Christian Kleinschmidt/Meik Zülsdorf-Kersting
Seit dem Stockholmer "International Forum on the Holocaust" im Jahre 2000 gilt
die Auseinandersetzung mit dem Holocaust als konstitutiv für die Europäische
Union. In zahlreichen Mitgliedsländern sind seitdem Holocaustgedenktage eingeführt
und bildungspolitische Bemühungen unternommen worden, um eine intensive
Beschäftigung mit dem Holocaust auf Dauer zu stellen. Die deutsche Erinnerungspolitik
der Nachkriegszeit spielt hier eine wichtige Rolle, ohne einem "Sondersündenstolz"
(Hermann Lübbe) das Wort zu reden. Manche Forscher sehen in der Holocausterinnerung
gar das Paradigma einer globalisierten Erinnerungskultur (Levy/Sznaider).
Was lässt sich über die Folgen des deutschen Umgangs mit dem Holocaust empirisch
gesichert sagen? Was denken zum Beispiel deutsche Jugendliche über das Thema
"Holocaust"? Wie wird in anderen Ländern mit Menschenrechtsverbrechen umgegangen?
Wie wird beispielsweise in europäischen Familien über Menschenrechtsverbrechen geredet?
Ist die vorbehaltlose Erforschung von Menschenrechstverbrechen zur Voraussetzung
für politische Partizipation geworden? Leben wir in einer Zeit, in der sich historische
Aufklärung über meist nationalistisch bedingte Geschichtsbilder und -mythen hinwegsetzt?
In Russland zeichnet sich eine Ausdifferenzierung der Interpretation des "Großen
vaterländischen Krieges" ab, der zur Zeit der Sowjetunion eine wesentliche ideologische
Legitimation des Regimes lieferte. Im heutigen Russland gibt es parallel verlaufende,
unterschiedliche Darstellungen von Seiten des Staates, in den Medien, von Intellektuellen
und Veteranenverbänden. In Ostasien ist nach einer Phase der vorsichtigen Annäherung
ein massiver Streit zwischen Japan, China und Korea über Entschädigungsfragen, über
die symbolische Politik des japanischen Ministerpräsidenten und dessen umstrittenen
Besuche des shintoistischen Yasukuni-Schreins sowie über die Darstellung japanischer
Kriegsgräuel in China und Korea in japanischen Schulbüchern entbrannt.
Schulbuchdarstellungen und Handreichungen für Lehrer an deutschen Schulen haben
jüngst auch wieder die Aufmerksamkeit auf die Völkermorde an den Hereros und den
Armeniern gelenkt, wobei es in letzterem Fall zu erheblichen diplomatischen Irritationen
im deutsch-türkischen Verhältnis kam. Dabei geht es in diesen Diskussionen kaum mehr
um die Vergangenheit selbst, sondern vornehmlich um aktuelle Probleme: um finanzielle
und symbolische Entschädigungsleistungen, um politische und wirtschaftliche Interessen
und Machtbeziehungen oder um Generationen- und Migrationskonflikte. Dementsprechend
soll in der Vortragsreihe, ausgehend von den historischen Zusammenhängen, vor allem auch
die aktuelle Rezeption der Konflikte thematisiert werden.
Di., 8.11.2005, 14.15-15.45 Uhr, Raum: 4.512
Prof. Dr. Hisashi Yano, Keio-Universität Tokio
Die Zwangsarbeiterdiskussion in Japan
Di., 29.11.2005, 14.15-15.45 Uhr, Raum: 4.512
PD Dr. Beate Fieseler, Ruhr-Universität Bochum
Der "große vaterländische Krieg", die Sowjetunion und Russland heute
Di., 6.12.2005, 10.15-11.45, Raum 4.512
Meik Zülsdorf-Kersting, Historisches Institut, Universität Dortmund
Die Täter im Gedächtnis - Jugendliche der vierten Generation und der Holocaust
Di., 13.12.2005, 14.15-15.45 Uhr, Raum: 4.512
Medardus Brehl, Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der
Ruhr-Universität Bochum
Geschichte im Kolonialstil.
Zur Wirksamkeit kolonialdiskursiver Muster in Deutungen des Kolonialkriegs der Jahre
1904-1907 und des Völkermords an den Herero
Do., 12.1.2006, 16.15-17.45 Uhr, Raum: 1.112
Prof. Dr. Mihran Dabag, Institut für Diaspora- und Genozidforschung an der
Ruhr-Universität Bochum
Der Völkermord an den Armeniern -
Bestrittene Erfahrung und die Re-Konstruktion armenischer Identität
Di., 31.1.2006, 12.15-13.45, Raum: 4.512
Dr. Sabine Moller, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Menschenrechtsverbrechen und europäisches Generationengedächtnis