[WestG] [AUS] "Wiedergutmachung als Auftrag" Villa ten Hompel, Muenster, Eroeffnung am 30.10.2005

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Okt 13 12:19:38 CEST 2005


Von: "Stefan Querl", <QuerlS at stadt-muenster.de>
Datum: 19.09.2005, 22:04


AUSSTELLUNG

Ministerpräsident unterstützt Geschichtsort Villa ten Hompel
Gute Nachrichten aus der Staatskanzlei NRW: Dr. Jürgen Rüttgers 
übernimmt die Schirmherrschaft für die neue Dauerausstellung 
"Wiedergutmachung als Auftrag"

Erfreuliche Nachricht für Münster aus der Düsseldorfer Staatskanzlei: 
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers hat 
das Engagement des Geschichtsortes Villa ten Hompel zur Erforschung 
der Nachkriegszeit ausdrücklich gewürdigt und persönlich die 
Schirmherrschaft für die neue Ausstellung "Wiedergutmachung als Auftrag" 
übernommen. Eröffnet wird die Multimedia-Präsentation am Sonntag, 
30. Oktober, um 15 Uhr mit einem offiziellen Festakt im Stadtweinhaus; den
Fachvortrag wird der auch international angesehene Zeithistoriker und 
"Oral History"-Nestor Prof. Dr. Lutz Niethammer halten. Regierungschef 
Rüttgers kann einen Besuch in der Villa ten Hompel zwar wegen wichtiger 
Außentermine wohl erst zu einem späteren Zeitpunkt zusagen, versah das 
Großprojekt der Stadt aber bewusst mit geschichtspolitisch hoher Priorität. 
Aus seinem Kabinett wird der Minister für Generationen, Familie, Frauen und
Integration, Armin Laschet, an der Feierstunde teilnehmen. NRW und der 
Bund fördern die von Wissenschaft und interessierter Fachöffentlichkeit mit 
Spannung erwartete neue Dauerausstellung mit erheblichen Finanzmitteln.

Aus erster Hand, von Prof. Dr. Alfons Kenkmann und Christoph Spieker, 
ließ sich jetzt die städtische Kulturdezernentin Dr. Andrea Hanke über den 
aktuellen Stand der Forschungen und Ausstellungsvorbereitung informieren. 
Sie dankte der Landesregierung für den Rückhalt und lobte auch die Leistungen
des pädagogisch-wissenschaftlichen Teams vor Ort, das innerhalb der 
Stadtverwaltung im Einsatz ist. So arbeiten die Historiker, Designer und 
Techniker mit Hochdruck an der Ausgestaltung von kontrastreichen Räumen, 
Objektvitrinen, Displays, Text- und Bildfahnen, die ein bislang wenig geläufiges
Kapitel zur Geschichte der Villa ten Hompel ins Blickfeld rücken.

In der einstigen Fabrikantenresidenz, die während des Krieges zum Sitz von 
NS-Schreibtischtätern aus den Reihen der Ordnungspolizei wurde, waren 
von 1954 bis 1968 Mitarbeiter des Dezernates für Wiedergutmachung tätig. 
Die Dienststelle der Bezirksregierung kümmerte sich um ehemals Verfolgte und
um Überlebende, die unter dem braunen Regime gelitten und Angehörige 
durch nationalsozialistischen Terror oder Lagerhaft verloren hatten. Die Zahl 
der Entschädigungsanträge summiert sich allein regional auf über 12000. 
Wobei die Ausstellung über Stadt und Münsterland hinaus nach den Menschen 
vor und hinter den Schreibtischen, internationalen sowie ethischen Dimensionen,
nach Rückerstattung geraubten Eigentums und nach Entschädigungsbilanzen fragt.

Dr. Marc von Miquel, die Doktorandinnen Julia Volmer-Naumann und Susanne 
Muhle, ein Projektteam des Fachbereichs Design um Professor Norbert 
Nowotsch (Fachhochschule Münster) sowie weitere Experten und 
Ausstellungsentwickler konnten mit Unterstützung etlicher Hinweis- und 
Leihgeber aufschlussreiche historische Spuren sichtbar machen, kaum 
bekannte Quellen aus Archiven und Privatbesitz ins Projekt einbeziehen 
und vor allem auch viele Zeitzeugen interviewen.

Als einer der ersten, der Zeitzeugen mit einem Verfolgungsschicksal auch 
wissenschaftlich wirklich ernst nahm, gilt Prof. Dr. Lutz Niethammer, 
zuletzt Lehrstuhlinhaber an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Für 
den Grundstein einer deutschen *Oral History", für seinen Einsatz 
innerhalb der Erinnerungskultur des Ruhrgebiets sowie für die Aufarbeitung 
diktatorischen Unrechts ist Niethammer u.a. 2002 als erster Würdenträger 
mit dem renommierten Bochumer Historikerpreis geehrt worden. Das 
Anliegen der Ausstellung, sehr unterschiedliche Opferbiographien und 
damit die Nachkriegsperiode auch alltags- und erfahrungsgeschichtlich 
zu analysieren, sei ein zentrales, lobte er in Vorgesprächen die Initiative 
am Geschichtsort.  www.muenster.de/stadt/villa-ten-hompel 


INFO

Geschichtsort Villa ten Hompel
Stadt Münster
Kaiser-Wilhelm-Ring 28
D-48145 Münster
Telefon 0251/492-7107
Telefax 0251/492-7918
querls at stadt-muenster.de 

Das Portal der Villa ten Hompel im Netz: 
www.muenster.de/stadt/villa-ten-hompel