[WestG] [AUS] Kinderarbeit - einst und jetzt, Petershagen,
13.03.-29.05.2005
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mon Mar 14 12:29:45 CET 2005
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 14.03.2005 12:45
AUSSTELLUNG
Kinderarbeit einst und jetzt
Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Glashütte Gernheim
Sie schuften mit ihren Eltern in der Landwirtschaft, verdingen
sich auf den Straßen der großen Städte als Schuhputzer, sie
betteln oder schleppen als Schuldknechte schwere Lasten im
Steinbruch: Schätzungsweise 211 Millionen Jungen und Mädchen
unter 14 Jahren arbeiten in den so genannten Entwicklungsländern
oft unter menschenverachtenden Bedingungen. Rückblende: Vor
170 Jahren stellten Kinder in preußischen Fabriken nicht selten die
Hälfte der Belegschaft; sie arbeiteten täglich zwölf Stunden und mehr.
Im Spannungsfeld zwischen "Kinderarbeit - einst und jetzt" bewegt
sich eine Ausstellung im Westfälischen Industriemuseum Glashütte
Gernheim in Petershagen (Kreis Minden-Lübbecke). Vom 13. März
bis 29. Mai 2005 erzählt das Museum des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe (LWL) von jungen Glasarbeitern im 19. Jahrhundert,
von Kinderarbeit unter Tage, auf Höfen und Feldern damals genauso
wie von Jungen und Mädchen, die heute in indischen Ziegeleien,
Teppichmanufakturen oder Textilfabriken arbeiten.
Fotos, historische Ausstellungsstücke wie ein Spulrad, Glasformen
und Pochwerkzeuge, außerdem aktuelle Zeugnisse wie der
Schuhputzkasten eines indischen Straßenjungen oder Steinbruchwerkzeug
machen das Thema anschaulich. Die beiden Ausstellungsteile
entstanden in Zusammenarbeit mit dem Museum für Industriekultur in
Osnabrück und dem Kinderhilfswerk "terres des hommes". Ein
umfangsreiches Begleitprogramm (s. u.) ergänzt die Präsentation.
Um 1800 bildete die Textilindustrie zunächst den wesentlichen
Schwerpunkt der Kinderarbeit in Deutschland. Noch um 1850
arbeiteten zahlreiche Schulkinder in preußischen Glashütten.
"Bis zu sechs Prozent aller preußischen Fabrikarbeiter im 19. Jahrhundert
waren Kinder unter 14 Jahren", erläutert LWL-Museumsleiter Michael
Funk. Im Laufe des 19. Jahrhunderts sei die Ausbeutung von Kindern
in Fabriken durch Gesetze schrittweise zurückgedrängt worden.
Allerdings wuchs der Anteil der arbeitenden Kinder in der Heimindustrie,
im Dienstleistungsbereich und in der Landwirtschaft. Funk: "Zehntausende
schufteten auf den Höfen und Feldern, stellten bis spät in die Nacht
hinein Kegel auf, trugen frühmorgens vor der Schule Zeitungen, Milch
oder Brötchen aus oder stellten in nächtelanger Arbeit Spielzeug für
andere Kinder her."
Etwa zehn Prozent der heutigen Kinderarbeiter in den so genannten
Entwicklungsländern sind in Betrieben beschäftigt, die auch Waren in
die Wohlstandsländer der Westlichen Welt exportieren: in Textilfabriken,
Steinbrüchen, Teppichmanufakturen oder auf Kakao- und Kaffeeplantagen.
Zum Teil unterliegen die Kinder der Schuldknechtschaft und Sklaverei, sie
wurden verkauft und erleiden schwerste Misshandlungen. "Kinderarbeit ist
im letzten Jahrzehnt zu einem international diskutierten Thema geworden.
Fachleute befürchten dennoch, dass die Ausbeutung von Kindern in den
nächsten Jahren zunimmt. Wirtschaftskrisen, der Wettlauf um immer
geringere Arbeits- und Produktionskosten, drastische Kürzungen von
Bildungs- und Sozialetats in armen Ländern verursachen immer mehr
Kinderarbeit", erläutert Barbara Küppers vom Kinderhilfswerk "terre des
hommes".
Veranstaltungen zur Ausstellung "Kinderarbeit - einst und jetzt"
So, 13.3., 11 Uhr:
Eröffnung der Ausstellung
So, 20.3., 11 Uhr:
Film Die kleine Verkäuferin der Sonne, Senegal 1998, 45 min.
So, 27. März, 11 Uhr:
Film Lost and Found - Die verlorene Brieftasche, Indien 1995, 25 min.
So, 3.4., 11 Uhr:
Film Twilight - Kinder der Dämmerung, Südafrika 15 min.
So, 10.4., 11 Uhr:
Film Balljungs. Woher kommen die Fußbälle? Deutschland 1999, 28 min.
So, 17.4., 11 Uhr:
Film Himmel und Hölle, Indien/ Jemen/ Haiti 1999, 52 min.
So, 24.4., 11 Uhr:
Film Elena und Pancha, Deutschland, Ecuador 1992, 26 min.
So, 1.5., 11 Uhr:
Film Die Scooterfahrer, Deutschland, Philippinen 1988, 15 min.
So, 8.5., 11 Uhr:
Film Le Métis - Straßenkinder in Burundi, Frankreich/ Burundi 1996, 28 min.
So, 15.5., 11 Uhr:
Film My City, Mosambik 1998, 10 min.
So, 22.5., 11 Uhr:
Film Kanimambo - Wir sind stark, Deutschland 1999, 18 min.
INFO
Führungen und Museumspädagogische Angebote für Schulklassen und Gruppen
nach Anmeldung, Dauer: ca. 1,5 Stunden, Kosten: 35 € plus Museumseintritt
Info und Buchung unter Tel.: 05707 9311-0
1. Straßenkinder - Ausstellungsführung und Rollenspiel
2. Papiertütenspiel - Ausstellungsführung und Herstellung von Papiertüten
3.Streichholzspiel - Ausstellungsführung und "Arbeit" in einer Streichholzmanufaktur
Sonderausstellung: Kinderarbeit - einst und jetzt
13. März 2005 - 29. Mai 2005
Westfälisches Industriemuseum Glashütte Gernheim
Gernheim 12, 32469 Petershagen
Geöffnet: Dienstag - Sonntag 10 - 18 Uhr