[WestG] [LIT] Reimers, Holger / Scheffler, Jürgen: Das Hexenbuergermeisterhaus Lemgo

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Mar 10 11:01:22 CET 2005


Von: "Juergen Scheffler",  <hexenbuergermeisterhaus at t-
online.de>
Datum: 07.03.2005 12:10


LITERATUR



Holger Reimers und Juergen Scheffler (Hrsg.):
Das Hexenbuergermeisterhaus Lemgo. Buergerhaus – 
Baudenkmal – Museum
Bielefeld: Verlag fuer Regionalgeschichte 2005, 190 S., 391 
Abb. , 24 EUR

Das Hexenbuergermeisterhaus in Lemgo ist ein bedeutendes 
Baudenkmal staedtischer Architektur der Renaissance im 
Weserraum. Es wurde als Kaufmannshaus im spaeten 16. 
Jahrhundert von dem Buergermeister und Kaufmann Hermann 
Kruwel und seiner Ehefrau Lisbeth Fuerstenau erbaut. Im 17. 
Jahrhundert gehoerte das Haus dem Juristen und Buergermeister 
Hermann Cothmann (1629-1683). Auf ihn und sein Wirken in 
den Hexenprozessen geht der Beiname 
"Hexenbuergermeisterhaus" zurueck, der in der muendlichen 
UEberlieferung entstanden ist. Im 18. und 19. Jahrhundert 
gehoerte das Haus verschiedenen Handwerkerfamilien. Im Jahre 
1911 wollte der letzte private Besitzer das Haus zu einem  - 
nach damaligem Verstaendnis - modernen Wohn- und 
Geschaeftshaus umbauen lassen. Er drohte damit, die Fassade 
abtragen zu lassen und zu verkaufen. Um die Fassade am Ort 
zu erhalten, kaufte die Stadt Lemgo das Haus, ein 
Praezedenzfall des Denkmalschutzes im damaligen Fuerstentum 
Lippe. Im Jahre 1926 wurde das Lemgoer Heimatmuseum im 
Hexenbuergermeisterhaus eingerichtet und im Jahre 1937 – im 
Rahmen der "Engelbert-Kaempfer-Ehrung" - erweitert. Im Jahre 
2004 wurde das Hexenbuergermeisterhaus nach einer 
umfangreichen denkmalvertraeglichen 
Instandsetzungsmaßnahme wieder eroeffnet.

Der Traeger der Instandsetzungsmaßnahme ist die 
Hexenbuergermeisterhaus Alte Hansestadt Lemgo GbR, die von 
der Stadt Lemgo und der STAFF STIFTUNG Lemgo gegruendet 
wurde. Zum Abschluss der Maßnahme erscheint die 
Publikation, die von dem Bauhistoriker Dr. Holger Reimers und 
dem Museumsleiter Juergen Scheffler im Auftrag der STAFF 
STIFTUNG und der Stadt Lemgo als GbR herausgegeben wird. 
Das Buch vermittelt im ersten Teil einen UEberblick ueber die 
Geschichte des Hexenbuergermeisterhauses und seiner 
Bewohnerinnen und Bewohner vom 16. bis zum 20. 
Jahrhundert. Auch die Museumsinszenierungen des 20. 
Jahrhunderts, wie der sog. Folterkeller, werden von Juergen 
Scheffler ausfuehrlich eroertert. Ein Schwerpunkt des Buches liegt 
auf der Darstellung der Baugeschichte nach den bis heute 
erhaltenen Bauteilen verschiedener Zeiten, den ablesbaren 
Raumstrukturen und den durch die Veraenderungen verloren 
gegangenen Bauteilen. Diese Kapitel beruhen auf den 
umfangreichen Forschungen des Bauhistorikers Dr. Holger 
Reimers. Dargestellt werden auch Ergebnisse der Archaeologie 
(durch Dr. Andreas Haasis-Berner). Im zweiten Teil des Buches 
werden die Baumaßnahmen in ihrer Ausgangslage, ihren 
Konzepten und ihrer Umsetzung erlaeutert. Die Texte stammen 
von Dr. Holger Reimers und Helmut Strueßmann, dem Leiter des 
Hochbauamtes der Stadt Lemgo. Aus der Sicht der 
Denkmalpflege (Dr. Barbara Seifen, Westfaelisches Amt fuer 
Denkmalpflege, und Ralf Niemeyer, Stadt Lemgo) folgt ein 
UEberblick ueber den Umgang mit dem Baudenkmal 
Hexenbuergermeisterhaus. Aus der Perspektive der 
Museumsberatung (Dr. Guenter Bernhardt, Westfaelisches 
Museumsamt) steht am Schluss eine vergleichende Darstellung 
der Einrichtung von stadtgeschichtlichen Museen in 
historischen Buergerhaeusern und der damit in Verbindung 
stehenden Konzepte. 

Die Arbeiten am Hexenbuergermeisterhaus sind ein Beitrag zur 
Denkmalpflege und Baukultur am Anfang des 21. Jahrhunderts. 
Bestimmt wurde die Maßnahme von der grundlegenden 
Entscheidung, die Substanz zu respektieren, verbunden mit 
dem Anspruch, neue Bauteile in der Formensprache der 
Gegenwart auszufuehren. Das reich bebilderte Buch, das der 
Lemgoer Grafiker Gerhard Wellmer gestaltet hat,  wirft nicht nur 
einen Blick auf die Geschichte eines bekannten und 
bedeutenden Buergerhauses, sondern es versucht mit der 
fassettenreichen Darstellung von konkreten Aufgaben und 
deren Loesung Wege fuer den Umgang mit Baudenkmalen 
aufzuzeigen. Es liefert eine Fuelle von Hinweisen, die 
Eigentuemern und Baufachleuten von praktischem Nutzen sein 
koennen.