[WestG] [AUS] Projekt "Wald und Mensch", Hagen, ab 16.06.2005

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Jun 17 09:15:15 CEST 2005


Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 16.06.2005, 15:00


AUSSTELLUNG

LWL schließt mit neuer Dauerausstellung und Themenroute das Projekt "Wald und Mensch"  im Freilichtmuseum Hagen ab

"Wald und Mensch" heißt die neue Dauerausstellung die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Westfälischem Freilichtmuseum Hagen am Donnerstag, 16. Juni 2005, eröffnet. Damit schließt das LWL-Museum ein mehrjähriges Projekt ab, das nicht nur eine neue Dauerausstellung ins Museum bringt, sondern auch eine Themenroute sowie ein Begleitbuch. Das von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege geförderte Projekt hat sich mit dem Verhältnis von Wald und Mensch beschäftigt und es am Beispiel des Freilichtmuseums Hagen aufgezeigt.

Der letzte Abschnitt der neuen Dauerausstellung im Haus Haspe setzt in der Gegenwart an. Dabei kommen zwölf unterschiedliche Personen wie Spaziergänger, Naturschützer, Waldbauern zu Wort: Sie erzählen ganz persönlich, was ihnen der Wald bedeutet. Dazu werden ihre Fotos und Gegenstände präsentiert, die sie dem Museum als Leihgabe zur Verfügung gestellt haben. "Die Zitate zeigen, dass die persönlichen Ansichten recht unterschiedlich geprägt sind, je nach persönlichen Erfahrungen und beruflicher Stellung, nach wirtschaftlichen Interessen und moralischen Überzeugungen", so der Historiker Stefan Nies, der im Auftrag des Lwl-Freilichtmuseums das Ausstellungsprojekt bearbeitet hat.

Außerdem beleuchtet die Ausstellung über 200 Jahre westfälische Waldgeschichte und blickt von der modernen Forstwirtschaft auf die Bauernwälder des 18. Jahrhunderts zurück. Das wertvollste Exponat ist eine Buch von 1766 von Johann Andreas Cramer: "Anleitung zum Forst-Wesen nebst einer ausführlichen Beschreibung von Verkohlung des Holzes und Nutzung der Torfbrüche etc.". Kleine Exkurse in der Ausstellung leiten über zum Wald im Film, in der Musik und im Märchen.

Als verbindendes Element des dezentral angelegten Projektes "Wald und Mensch" führt eine Themenroute durch das LWL-Freilichtmuseum, die durch einen neuen Themenplan erschlossen wird. Die Themenroute lädt dazu ein, einige der Werkstätten, Anlagen und Ausstellungen des Museums aus dem "Wald und Mensch"-Blickwinkel zu betrachten: Wie hängen zum Beispiel die unterschiedlichen Werkstätten mit den Wäldern sowie ihrer Nutzung in der Geschichte zusammen?  Welche Wechselwirkungen bestanden und bestehen zwischen den Menschen und dem Wald? Eine der Stationen führt beispielsweise zu Bäumen, vor denen Fotos von Gegenständen und Gebäuden im Museum präsentiert werden, die aus dem Holz der jeweiligen Baumarten hergestellt werden. Einbezogen ist auch ein Weidentunnel, der im letzten Winter von Schülern der Gesamtschule Haspe gepflanzt wurde.

Drei weitere Teile der Ausstellung wurden bereits seit 2003 und 2004 fertig gestellt:
Zum einen informiert in der Holzscheune die Ausstellung "Vom Holzhauer zum Forstwirt" über die Geschichte der Waldarbeit vom bäuerlichen Nebenerwerb bis hin zum hoch technisierten Fachberuf. Als nächstes sind die "Siegerländer Hauberge" Thema einer Ausstellung in der Lohmühle: Wie bewerkstelligten es die Siegerländer, jahrhundertelang die Gewerbebetriebe mit Holzkohle, Gerbrinde (Lohe) und Brennholz zu versorgen und gleichzeitig Flächen für die Landwirtschaft zu erhalten? Im dritten Teil geht es auf dem Meilerplatz um das Thema "Kein Eisen ohne Wald". Dort wird beschrieben, wie früher die Köhler mit viel Geschick dafür sorgten, dass Eisenhütten und andere Betriebe stets genügend Brennstoff in Form von Holzkohle vorrätig hatten.

Das 96-seitige Buch "Wald und Mensch" als Begleitpublikation (für 5 Euro im Museumsshop erhältlich) vertieft die in den Ausstellungen angesprochenen Themen und präsentiert anschaulich die Ergebnisse der (forst?)historischen Forschung. Hauptautoren sind Dr. Bernward Selter, Historiker am Wald-Zentrum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, der in einem Überblick zur Wald- und Forstgeschichte Westfalens die wesentlichen Entwicklungslinien und Zäsuren skizziert. Stefan Nies ergänzt diesen Überblick in Beiträgen zur Geschichte der Waldarbeit, der Köhlerei, der Jagd sowie der Haubergswirtschaft im Siegerland. Prof. Dr. Wilfried Stichmann, emeritierter Professor für Biologie und Didaktik der Biologie an der Universität Dortmund und Vorstandsmitglied der Nordrhein-Westfalen-Stiftung, wirbt engagiert dafür zu vermitteln, wie wichtig die Nutzung der Wälder für ihren eigenen Erhalt ist. Der Historiker Matthias Dudde beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Deutschen zum Wald. Zudem kommen Vertreter der Projektpartner zu Wort, ohne die das Projekt Wald und Mensch nicht hätte realisiert werden können: Bund für Umwelt- und Naturschutz e. V., Kreisgruppe Hagen, Kreisimkerverein Hagen, Kreisjägerschaft Hagen, Naturschutzbund, Stadtverband Hagen e. V., Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, Landesverband Nordrhein-Westfalen e. V., Stadt Hagen, Forstamt und Waldpädagogisches-Zentrum Hagen e. V. .

Am kommenden Wochenende (17., 18.und 19. Juni) baut der Köhler Günter Birkelbach aus Schmallenberg einen Meiler im Hagener Freilichtmuseum auf.


INFO

Stefan Nies, Bernward Selter, Wilfried Stichmann:
Wald und Mensch
Hagen 2005, (= Forschungsbeiträge zu Handwerk und Technik, Bd. 15, zugl. Sonderausgabe 1/2005 der TKD Zeitschrift für Handwerk und Technik),
ISBN 3-926190-19-1, 96 Seiten, Verkaufspreis: 5 Euro