[WestG] [AKT] Der weibliche Blick - Frauen in den LWL-Museen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Jul 8 10:28:54 CEST 2005
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 07.07.2005, 09:35
AKTUELL
"Nanu - eine Frau im Betrieb?" - Dieser Titel des Werksmagazins der
Henrichshütte Hattingen aus den 1960er Jahren ist heute überholt: In Gruppen
streifen Frauen heute über das Gelände rund um den ältesten Hochofen im Revier.
Das Westfälische Industriemuseum Henrichshütte des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe (LWL) rekonstruiert den Arbeitsablauf der ehemaligen Eisen- und
Stahlproduktion in Hattingen. Neuerdings stehen auch die Arbeiterinnen der
vermeintlichen Männerwelt Henrichshütte im Blickpunkt - in geführten Touren
speziell für weibliche Besucher. In 90 Minuten entlang des "Wegs des Eisens"
lernen Besucherinnen den Alltag der "Hüttenfrauen" kennen. Denn es gab sie
wirklich - nicht nur zu Kriegszeiten: die Frauen in Büro und Küche, aber auch an
der Drehbank, auf dem Kran und am Hochofen. Neben den Spuren, die Frauen auf der
Hütte hinterlassen haben, entdecken Besucherinnen natürlich auch wie aus Erz
Eisen wurde.
Auch andere Museen des LWL schärfen in ihren Ausstellungen und Führungen den
Blick für weibliche Aspekte. "Die Geschichte ist weiblich", heißt eine der neuen
Führungen im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne. "Wir laufen
verschiedene Stationen in der Geschichte an, die aus weiblicher Sicht
interpretiert werden", erklärt Museumsleiterin Dr. Barbara Rüschhoff-Thale das
Projekt, das in Zusammenarbeit mit dem LWL-Gleichstellungsreferat entstand. Mit
Lucy, der "ersten Frau" der Geschichte, beginnt der Rundgang von der Steinzeit
bis in die jüngste Vergangenheit. Wer hätte gedacht, dass bauchfrei und Mini-
Wickelrock schon in der Bronzezeit "in" waren? Dass Tacitus die Germaninnen für
ihre Keuschheit und Treue lobte und dass es sich in mittelalterlichen Holz-
Trippen, Vorläufer unserer modernen Plateauschuhe, gar nicht gut läuft?
Im Westfälischen Museum für Klosterkultur Kloster Dalheim in Lichtenau (Kreis
Paderborn) spielen Frauen auch eine besondere Rolle. Schließlich waren es
Augustiner Chorfrauen, die im 12. Jahrhundert die weiten Felder und Waldgebiete
am Fuße des Eggegebirges durch ein Konvent erstmals erschlossen. In Erinnerung
an die Erstgründung durch Frauen stehen in diesem Jahr die Sommermonate im
Kloster im Zeichen der Weiblichkeit: Vom 31. Juli bis zum 3. September bieten
die Akteure des Kulturfestivals Dalheimer Sommer Kunstgenuss zum Thema "Frauen
und Kloster". Geboten werden unterschiedlichste Kompositionen von und über
Frauen. Mit Suyoen Kim spielt eine preisgekrönte junge Geigerin am 13. August.
Zur Dalheimer Vigilie, der traditionellen Nachtwache mit Kabarett, Comedy und
Improvisation am Vorabend des Abschlusskonzertes mit Musik aus italienischen
Nonnenklöstern, heißt es am 2. September - obwohl auch männliche Besucher
willkommen sind - "women only".
Männer müssen auch im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold (Kreis Lippe) nicht
draußen bleiben. Hier, im Umfeld der bäuerlich-ländlichen Alltagsgeschichte
Westfalens, informiert im Gräftenhof eine Litfasssäule auch jeden Mann über
Arbeitsweisen und soziale Stellung der Frauen von gestern. Auch das Armenhaus
aus Rinkerode (Kreis Warendorf), das am 5. Juli im Museum eröffnet wurde, zeigt
Frauengeschichte. Es wurde 1824 ausschließlich für ledige, kinderlose Frauen
errichtet und beruht auf einer frommen Stiftung. Die Hausordnung war streng: Für
das Wohnrecht und eine zusätzliche finanzielle Unterstützung mussten die
Frauen mehrfach täglich für das Seelenheil der Stifterfamilie be-ten und
regelmäßig zur Kirche gehen. Wie war die gesellschaftliche Stellung der Frauen
im Dorf? Wie ihr geregelter Tagesablauf aussah und wie viele Jahre sie im
Armenhaus verbrachten, erläutert die Dauerausstellung.
Im Westfälischen Freilichtmuseum Hagen, das historisches Handwerk und Technik
zeigt, kann sich jeder Besucher selbst davon ein Bild machen: Geschickte
Frauenhände rollten Brasil- und Sumatra-Zigarren angeblich einfach besser. So
gibt es viele Tätigkeiten, die traditionell von Frauen erledigt wurden. Haare
schneiden gehörte übrigens - anders als heute - nicht dazu. Das erfahren
Besucherinnen und Besucher im historischen Friseursalon mit Barbieren und
Friseuren, der am 14. August, im Hagener Museum seinen Betrieb aufnimmt.
Das Westfälische Industriemuseum Ziegelei Lage hat den Frauen, genauer den
Zieglerfrauen, eine eigene Ausstellungsabteilung gewidmet. In einem historischen
Zieglerkotten erfahren die Besucher, wie die Zieglerfrauen ihren Alltag
meisterten, während die Männer in der Fremde arbeiteten. Das Museum hat außerdem
ein Buch zum Thema herausgegeben: Wilhelm Wellmann lässt in der Lebensgeschichte
seiner Mutter den Alltag lippischen Landlebens im 19. Jahrhundert lebendig
werden.
Westfälisches Industriemuseum
Henrichshütte Hattingen
Werksstraße 31-33, 45527Hattingen
Tel. 02324 9247140
Internet: www.henrichshuette.de
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Fr 10-21.30 Uhr
Eintritt: Erwachsene: 2,40 Euro; Kinder: 1,50 Euro;
Frauenführungen müssen gebucht werden. Kosten: 35 Euro pro Gruppe bis 25 Frauen.
(Ausnahme: Zu Halloween (31.10.) gibt es eine Frauen-Erlebnisführung für 7,77
Euro;
Einlass ab 18.45 Uhr.)
Westfälisches Museum für Archäologie
Europaplatz 1 , 44632 Herne
Tel. 02323 946280
Internet: www.landesmuseum-herne.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr, Sa, So und Feiertage 11-18 Uhr
Eintritt: Erwachsene: 3,5 Euro; Kinder 2 Euro;
Die Führung "Geschichte ist weiblich" muss gebucht werden. Kosten: 30,70 Euro
pro
Gruppe.
Kloster Dalheim
Westfälisches Museum für Klosterkultur
Am Kloster 11, 33165 Lichtenau-Dalheim
Tel. 05292 1664
Internet: www.dalheimer-sommer.de
Eintrittspreise im Vorverkauf: Kat A 25 € / Kat B 20 € / Kat C 15 €;
Gesonderte Preise für Premiere, Abschlusskonzert, Vigilie und Kinderoper
Westfälisches Freilichtmuseum Detmold
Krummes Haus, 32760 Detmold
Tel. 05231 7060
Öffnungszeiten: Di-So 9-18 Uhr, Einlass bis 17 Uhr
Internet: www.freilichtmuseum-detmold.de
Eintritt: Erwachsene: 5 Euro; Kinder: 2 Euro
Westfälisches Freilichtmuseum Hagen
Mäckingerbach, 58091 Hagen
Tel. 02331 78070
Öffnungszeiten: Di-So 9-17.30 Uhr, Einlass bis 17 Uhr
Internet: www.freilichtmuseum-hagen.de
Eintritt: Erwachsene: 5 Euro; Kinder: 2 Euro
Westfälisches Industriemuseum Ziegelei Lage
Sprikernheide 77, 32791 Lage
Tel. 05232 9490-0
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr
Eintritt: Erwachsene: 2,90 Euro; Kinder: 1,50 Euro
Buch: Wellmann, Wilhelm: Meine Mutter. Lebensgeschichte einer Zieglerfrau und
Lagelöhnerin in Lip-pe. Essen 1991: Klartext-Verlag; ISBN 3-88474-163-2; Preis
2,90 Euro