[WestG] [AUS] Drei Ausstellungen und ein Kongress erinnern 2006 an die Entdeckung des Neandertalers
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Die Aug 23 13:57:35 CEST 2005
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 23.08.2005, 12:00
AUSSTELLUNG
"Neanderthaler und Co.": Drei Ausstellungen und ein Kongress erinnern 2006 an
die Entdeckung des Neandertalers vor 150 Jahren
Drei Ausstellungen und ein Kongress werden im kommenden Jahr unter dem Motto
"Neanderthaler und Co." an die Entdeckung des Neandertalers vor 150 Jahren
erinnern. 1856 hatten Steinbrucharbeiter in dem Tal bei Mettmann 42.000 Jahre
alte Knochen gefunden, die einer ganzen Menschenart weltweit den Namen gaben.
Das Neanderthal Museum am gleichnamigen Fundort wird vom 4. Mai bis zum 24.
September 2006 sowohl das Klischee vom wilden Mann als auch die neuen
wissenschaftlichen Erkenntnisse unter anderem ueber den Alltag dieser fruehen
Menschenart zeigen ("Hautnah. Neanderthaler").
Im Westfaelischen Museum fuer Archaeologie in Herne will eine Ausstellung ueber
das Klima sowohl die Anpassungsfaehigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen ueber
die Jahrtausende als auch die Wetter-Extreme vor sechs Millionen Jahren bis zu
zukuenftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar machen ("Leben in Extremen", Juni
2006 bis April 2007).
Das Rheinische Landesmuseum Bonn laedt vom 7. Juli bis 19. Dezember zu einem
"Familientreffen" von Vor- und Fruehmenschen aus Afrika, Asien und Europa ein,
die zum ersten Mal gemeinsam in einer Ausstellung zu sehen sein werden
("Roots//Wurzeln der Menschheit").
Vom 21. bis 26. Juli 2006 werden sich ueber 200 Wissenschaftler aus der ganzen
Welt in der Universitaet Bonn zu einem internationalen Kongress treffen ("150
Years of Neanderthal Discovery").
"Kein anderer Fund aus Deutschland ist weltweit so bekannt wie der
Neandertaler", sagte Prof. Heinz Guenter Horn vom NRW-Staedtebauministerium am
Dienstag (23.8.) in Mettmann zur Bedeutung des Gemeinschaftsprojektes. Die
Ausstellungen und der Kongress stehen unter der Schirmherrschaft des NRW-
Ministerpraesidenten und der Unesco.
"Hautnah. Neanderthaler"
Die Ausstellung in Mettmann nimmt zehn Jahre nach Gruendung des Museums das
Bild vom Neandertaler in der OEffentlichkeit und in der Wissenschaft unter die
Lupe. "Die Vorstellung vom gebueckten Neandertaler mit der Keule ist eine
Stereotype", so Prof. Dr. Gert Kaiser, Vorsitzender der Stiftung Neanderthal
Museum. "Eine fruehe Rekonstruktion seines Skeletts war einfach falsch, und fuer
Keulen gibt es keinen einzigen Nachweis." Neben der Rezeptionsgeschichte der
vergangenen 150 Jahre geht es auch um die verschiedenen Methoden der
Rekonstruktion bis zu modernen digitalen Techniken. Im Zentrum der Ausstellung
werden nach Angaben von Museumsleiter Prof. Dr. Gerd-C. Weniger sechs Schicksale
von individuellen Neandertalern stehen: Vom Baby bis zum Greis sollen typische
Lebenssituationen dem Besucher den Alltag dieser Menschen vor 42.000 Jahren
naeher bringen. Zum Abschied kann jeder Besucher sein eigenes Computerportraet
als Neandertaler mitnehmen.
"Leben in Extremen"
Die Klimaausstellung in Herne zeigt auf 1.300 Quadratmetern die
Auseinandersetzung des Menschen mit seiner Umwelt und dem Klima. Das Museum
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) wird rund 300 Funde aus allen
Kontinenten praesentieren. Die Exponate von zwei Millionen Jahre alten
Steinwerkzeugen aus Afrika bis zur aktuellen UV-Schutzkleidung aus Australien
spannen einen Bogen, der bis in die Zukunft der naechsten 75.000 Jahre reichen
soll. LWL-Direktor Wolfgang Schaefer: "Wir Menschen beeinflussen heute unser
Klima massiv. Es hat aber immer gro*e Klimaschwankungen und Naturkatastrophen
gegeben – auch ohne die Menschen. Besonders diese gro*en Naturkatastrophen als
Wendepunkte der Klimageschichte interessieren uns – bis hinein in die ungewisse
Zukunft." In so genannten Klimakapseln kann der Besucher die eigene
Anpassungsfaehigkeit an extremes Klima wie einen simulierten Staubsturm oder
UEberflutung testen. Spektakulaere Exponate wie das Mammutbaby "Dima" aus
Russland verdeutlichen, wie sich Lebewesen immer wieder - zum Beispiel den
langen Eiszeiten - angepasst haben.
"Roots//Wurzeln der Menschheit"
Die "Wurzeln der Menschheit" wird das Rheinische Landesmuseum, getragen vom
Landschaftsverband Rheinland (LVR), mit 70 originalen Funden aus der ganzen Welt
nachzeichnen. Die Ausstellung erzaehlt die Entwicklungsgeschichte des Menschen
von den ersten Primaten und dem Punkt, als sich Affen und Menschen trennten,
ueber den aufrechten Gang vor ueber vier Millionen Jahren und die weltweite
Ausbreitung der ersten Menschen bis zur Gegenwart. Aber auch Nebenlinien wie die
so genannten Nussknacker-Menschen werden in der Ausstellung in Bonn gezeigt.
"Wir wollen die Schoepfungsmythen der Menschen zeigen, die uns fast ausnahmslos
als unveraenderbare Wesen darstellen. Dem setzen wir die Revolution unseres
Wissens im 19. Jahrhundert durch das Aufkommen der Evolutionstheorie
gegenueber", sagt LVR-Direktor Udo Molsberger. Komplettiert wird die Schau durch
die originalen Funde aus dem Neandertal und die neue Neandertaler-Forschung der
vergangenen 15 Jahre. Die wissenschaftliche Vorlage der Ausgrabungen im
Neandertal und in Moenchengladbach-Rheindahlen wird 2006 in der Reihe
"Rheinische Ausgrabungen" des Rheinischen Amtes fuer Bodendenkmalpflege
erfolgen. Zudem wird ein Fuehrer zu Fundstellen aus der zeit des Neandertalers
im Rheinland und in Westfalen erscheinen.
"150 Years of Neanderthal Discovery"
Um die neuesten Forschungsergebnisse zum Neandertaler geht es auch auf dem
internationalen Kongress an der Universitaet Bonn, an dem ueber 200
Wissenschaftler teilnehmen werden - darunter Genetiker, Anthropologen,
Archaeologen, Geologen und Palaeontologen. Schwerpunkte sind unter anderem die
Umweltbedingungen, unter denen der Neandertaler vor ueber 40.000 Jahren lebte,
aber auch seine Stellung in der Stammesgeschichte des Menschen. Prof. Dr. Thomas
Litt, Palaeontologe der Universitaet Bonn: "Frueher glaubte man, bei dem
Neandertaler handele sich um eine Entwicklungsstufe zum modernen Menschen. Heute
sehen Wissenschaftler in ihm jedoch eine europaeische Sonderentwicklung, die
wahrscheinlich in einer Sackgasse endete."
INFO
Neanderthal Museum
Talstr. 300
D - 40822 Mettmann
02104 . 979797
02104 . 979796 Fax/Faxabruf
E-Mail: museum at neanderthal.de
Westf*lisches Museum f*r Arch*ologie
Landesmuseum und Amt f*r Bodendenkmalpflege
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: 02323 94628-0
Fax: 02323 94628-33
E-Mail: archaeologiemuseum at lwl.org
Rheinisches LandesMuseum Bonn
Colmantstr. 14-18
53115 Bonn
Tel.: 0228/2070-0
Fax: 0228/2070-150
E-Mail: rlmb at lvr.de