[WestG] [AUS] Buch zur Ausstellung "805 - Liudger wird Bischof"
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Mon Apr 4 09:42:24 CEST 2005
Von: "Manuela Werner" <WernerM at stadt-muenster.de>
Datum: 01.04.2005, 14:56
AUSSTELLUNG
Liudger wird Bischof
Stadtmuseum Münster legt Handbuch zur frühen Bistums- und Stadtgeschichte vor
Zur Ausstellung "805: Liudger wird Bischof - Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster" - seit dem 12. März im Stadtmuseum Münster zu sehen -, ist im Museumsshop ein reich bebildertes Begleitbuch erhältlich. Finanziert durch das Land Nordrhein-Westfalen und das Bistum Münster sowie mit finanzieller Unterstützung der Kunststiftung NRW legt das Stadtmuseum Münster in Kooperation mit dem Westfälischen Museum für Archäologie einen Band vor, der sicher in Zukunft ein Handbuch zur Frühgeschichte des Christentums im nordwestdeutschen Raum wird.
Neueste Forschungsergebnisse zur Frühgeschichte des Christentums in Westfalen
Interdisziplinär angelegt, beleuchten darin namhafte Historiker, Archäologen, Sprachwissenschaftler und Kunsthistoriker in 24 Beiträgen alle Facetten des Themas. Ergänzt werden die Beiträge durch Exkurse, die der Vertiefung von Einzelaspekten dienen, sowie durch 45 ausführliche Beiträge zu einzelnen, wichtigen Exponaten. Darunter sind wertvolle Leihgaben, die aus internationalen Sammlungen für die Ausstellung zur Verfügung gestellt werden, aber auch archäologische Funde, die in diesem Band erstmals publiziert werden.
Hervorzuheben sind darüber hinaus mehrere Karten, insbesondere zur Frühgeschichte der Stadt Münster, die erstmals in diesem Band veröffentlicht werden. So basiert etwa eine Karte von Münster, in die die mutmaßlichen Standorte der Kirchen um das Jahr 800 eingetragen sind, auf den neuesten Erkenntnissen aus dem "Domburg-Projekt" - dem Forschungsprojekt zur Aufarbeitung älterer Grabungen im Bereich der münsterischen Domburg. Auch die Zusammenfassung der naturräumlichen Voraussetzungen für die Anlage einer Siedlung sowie der Überblick über die vorausgegangenen Siedlungsspuren etwa aus der Steinzeit, werden an dieser Stelle zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Neueste Forschungen zur Frühgeschichte der Stadt Münster legt darüber hinaus Dr. Aurelia Dickers, Städtische Denkmalbehörde, in einem Zwischenbericht zur jüngsten Grabung im Bereich der Kirche St. Marien-Überwasser vor.
Kulturwandel in Westfalen
"Vom pagus Saxoniae zur parochia Mimigernaford" - unter diesem Titel beschäftigen sich mehrere Autorinnen und Autoren mit dem Kulturwandel im Westfalen des 7. bis 10. Jahrhunderts. Ausgelöst durch die Christianisierung im 8. und 9. Jahrhundert veränderten sich alle Lebensbereiche der Menschen - Glauben, Lebens- und Wirtschaftsweise, Sozial- und Machtgefüge - allmählich, aber grundlegend.
Der Leiter der Außenstelle Münster, Dr. Christoph Grünewald, Amt für Bodendenkmalpflege, gibt beispielsweise einen Überblick über Siedlungen und Bestattungsplätze des Münsterlandes zur Zeit Liudgers. So sind zwar im Siedlungsbereich infolge der Christianisierung zunächst nur wenige Veränderungen festzustellen; die Bestattungssitten aber zeigen den Kulturwandel recht deutlich an. So werden z.B. im 9. Jahrhundert den christlichen Toten kaum noch Beigaben mit ins Grab gegeben, dafür findet man zunehmend Symbole des christlichen Glaubens etwa in Form von Kreuz- oder Taubenfibeln.
Professor Dr. Heinrich Tiefenbach, Universität Regensburg, zeigt den Wandel auf einem anderen Gebiet auf: der Sprache. Das Altsächsische war eine gesprochene Sprache und kannte ursprünglich keine Schriftlichkeit. Erst mit der Christianisierung und den ersten Klostergründungen kamen Mönche in das altsächsische Sprachgebiet, die die Kunst des Schreibens in den klösterlichen Schreibstuben (Skriptorien) betrieben. Geschrieben wurde zunächst fast immer in lateinischer Sprache. Bei der Wiedergabe der Namen von Personen und Siedlungen war jedoch die volkssprachige Form unabdingbar. Der Beitrag bespricht die wesentlichen Überlieferungen des Altsächsischen, insbesondere für die Westfalen wichtige Quellen.
Liudger in neuem Licht - vielfältige Aspekte seines Wirkens werden beleuchtet
"Liudgerus peregrinus - Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster" - im zweiten Teil des Bandes widmen sich sechs Beiträge dem Missionar, Bischof und späteren Heiligen Liudger. Ausführlich zeichnet etwa der bekannte Kirchenhistoriker Professor Dr. Arnold Angenendt den Lebensweg Liudgers nach. Der Leser erhält einen intensiven Einblick in die Quellen, insbesondere die Lebensbeschreibungen Liudgers, und die von Liudger selbst verfasste Vita seines Lehrers Gregor von Utrecht. Denn nur aus diesen Quellen lassen sich so ungewöhnlich viele Details aus dem Leben des Heiligen mit seinen vielfältigen Reisen in ganz Europa erschließen. Themen sind daneben etwa die Praxis der Mission, die Rolle des Klosters Werden und die Verehrung des Heiligen. Das zentrale Thema der Ausstellung, die Bischofsweihe Liudgers, beleuchtet eingehend Dr. Nikolaus Gussone. Schließlich werden unter Berücksichtigung neuer Forschungen aus dem angelsächsischen Raum auch ganz neue Erkenntnisse zur Beziehung Liudgers nach England von Dr. Jan Gerchow, Ruhrlandmuseum Essen, zur Diskussion gestellt.
Die Stadtgeschichte auf den Kopf gestellt - Mimigernaford im Licht der neuen Forschungen
Im dritten Teil des Begleitbuchs findet die frühe Geschichte des Bischofssitzes, der Stadt Münster, besondere Beachtung: "Die Entstehung der Stadt: Mimigernaford - Monasterium". In sieben Beiträgen kommen hier die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des sogenannten Domburg-Projekts zu Wort, die seit 1999 mit der systematischen Aufarbeitung älterer Grabungen im Bereich der münsterischen Domburg betraut waren. Das Projekt hat Erkenntnisse erbracht, die zu einer grundlegend neuen Rekonstruktion der Anfänge der Stadt Münster führen. Der Band gibt einen aktuellen Überblick über den derzeitigen Wissensstand zur Entstehung der Kloster- und Kirchengebäude, der profanen Bebauung sowie den Bestattungen im Bereich des Domplatzes, noch bevor im Laufe des Jahres die umfangreichen Publikationen dieses Forschungsvorhabens erscheinen.
Dr. Martin Kroker, Wissenschaftler im Museum in der Kaiserpfalz, Paderborn, beleuchtet etwa die Frage der profanen Bebauung der Domburg. Insbesondere zeigt er auf, dass frühere Überlegungen zu einer sächsischen Siedlung des 7./8. Jahrhunderts auf dem Domhügel nicht bestätigt werden können. Die zahlreichen Grubenhäuser, die im Bereich des Domplatzes gefunden wurden, gehören erst in das 9. und v.a. das 10. Jahrhundert. Nach den Ergebnissen neuer Datierungsmethoden dürfte darüber hinaus auch die gesamte Befestigung der Domburg erst um 900 errichtet worden sein.
Diese Ergebnisse werden gestützt durch einen Beitrag von Dr. Bernd Thier, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Stadtmuseum Münster, der eingehend das Fundspektrum im Bereich der Domburg beleuchtet. Er zeichnet damit zum einen ein Bild vom Leben in Mimigernaford in der Zeit vom 9. bis zum 12. Jahrhundert. Zum anderen leistet er durch die exakte zeitliche Einordnung der 40000 bis 50000 Einzelfunde - vor allem Keramikfragmente und Tierknochen - einen grundlegenden Beitrag zur Datierung. Als ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Keramik erschließt er darüber hinaus aus dem Vorhandensein besonderer Keramikarten die Bedeutung des Ortes Mimigernaford/Münster als Bischofssitz. Der Beitrag beantwortet somit die spannende Frage, ob man die nur etwa 14 bis 17 Jahre dauernde Anwesenheit Liudgers in Mimigernaford (zwischen 792/795 und 809) mit archäologischen Mitteln erfassen kann.
INFO
"805: Liudger wird Bischof - Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster", Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Stadtmuseum Münster, hg. v. Gabriele Isenberg u. Barbara Rommé, Mainz (Verlag Philipp von Zabern) 2005.
302 Seiten, 227 Farb- u. 49 Schwarzweißabbildungen, inkl. DVD "Münster - Von den Anfängen bis zum Jahr 1200"
25,00 € im Museumsshop, Tel.: 0251/492-4502
Öffnungszeiten Stadtmuseum Münster und Museumsshop:
dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags 11 bis 18 Uhr, montags geschlossen, Sonderöffnungszeiten an Feiertagen
Weitere Informationen unter www.liudger-wird-bischof.de
Inhalt
Sponsoren
Danksagung
Geleitwort des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Peer Steinbrück
Geleitwort des Bischofs von Münster Dr. Reinhard Lettmann
Geleitwort des Landesdirektors des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe Wolfgang Schäfer
Geleitwort des Oberbürgermeisters der Stadt Münster Dr. Berthold Tillmann
Vorwort
Gabriele Isenberg
Liudger - Leitfigur der Ausstellung
Vom pagus Saxoniae zur parochia Mimigernaford - Der Raum Westfalen vom 7. bis 10. Jahrhundert
Angelika Lampen
Fränkische Expansion und sächsischer Widerstand - Westfalen im 8. und 9. Jahrhundert
Christoph Grünewald
Die Siedlungsgeschichte des Münsterlandes vom 7. bis 10. Jahrhundert aus archäologischer Sicht
- Selbstversorger auf dem Lande (Christoph Grünewald)
- Haus und Hausrat zur Zeit Liudgers (Angelika Speckmann)
Hans-Werner Peine
Befestigte Höfe und Wallburgen im Münsterland - Königtum und Adel im 9. bis 11. Jahrhundert
Otfried Ellger
Kirche und Christentum in archäologischen Funden und Befunden
Stephan Winkler
Die Zerstörung der Irminsul und der Feldzug der christlichen Franken gegen die heidnischen Sachsen im Jahr 772
- Figürliche Gefäße der Sachsen (Bernd Thier)
Heinrich Tiefenbach
Altsächsische Volkssprache im Wirkungskreis Liudgers
Gisela Muschiol
Parochia Mimigernaford - Vom Bistum Mimigernaford im 9. Jahrhundert zum Bistum Münster im 11. Jahrhundert
Liudgerus peregrinus - Spuren eines Heiligen zwischen York, Rom und Münster
Arnold Angenendt
Liudger. Lehrer - Missionar - Klostergründer - Bischof - Heiliger
Lutz E. von Padberg
Liudger als Missionspraktiker
- Die Heiligenfibeln in der Karolingerzeit (Mechthild Schulze-Dörrlamm)
Nikolaus Gussone
Die Bischofsweihe Liudgers am 30. März 805 in KÖln
Eckhard Freise
Liudger und das Kloster Werden - Gründervater, Gründerjahre und Gründungstradition
Jan Gerchow
Liudger und die angelsächsische Kirche
Victor H. Elbern
Liudger - Verehrter Heiliger
Die Entstehung der Stadt: Mimigernaford - Monasterium
Markus Bertling
Geologie und Geomorphologie von Münster und dem Münsterland
Jürgen Pape und Bernhard Sicherl
Die vorgeschichtliche Besiedlung auf dem Domhügel
Bernd Thier
Mimigernaford zur Zeit Liudgers (792/795 bis 809)
Alexandra Pesch
Das Hügelkloster über der Aafurt - Liudgers monasterium
- Der erste Bischofspalast am Dom (Claudia Holze-Thier)
Manfred Schneider
Die Kirchen auf dem Domhügel - Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen
- Findlinge in Kirchenfundamenten (Claudia Holze-Thier)
- Bauornamente älterer Gebäude im Dombereich (Claudia Holze-Thier und Manuela Werner)
Claudia Holze-Thier
Die Gräber des frühen und hohen Mittelalters auf dem Domherrenfriedhof zu Münster
Aurelia Dickers und Alfred Pohlmann
Aus der Frühgeschichte Überwasser - Aktuelles aus den Grabungen im Liebfrauenstift
Martin Kroker
Die Siedlung Mimigernaford und die "Domburg" im 9. und 10. Jahrhundert
Bernd Thier
Mimigernaford - Monasterium - Münster. 400 Jahre Siedlungsentwicklung vom Dorf zur Stadt
Bernd Thier
Spuren des Alltagslebens in Mimigernaford - Archäologische Funde zur frühen Stadtgeschichte Münsters aus dem 9. bis 12. Jahrhundert
Peter Ilisch
Denare aus Mimigernaford - Die Anfänge der Münzprägung in Münster
- Die bischöfliche Münze am Roggenmarkt (Aurelia Dickers)
Literatur
Eigentümer- und Bildnachweis
Leihgeber
DVD: Münster "Von den Anfängen bis zum Jahr 1200"