[WestG] [AKT] Prinzen-Portraet als Propaganda fuer unabhaengige Niederlande, Muenster

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Sep 17 09:24:59 CEST 2004


Von "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org> 
Datum 16.09.2004, 11:55 


AKTUELL

Prinzen-Porträt als Propaganda für unabhängige Niederlande

Um zu zeigen, dass politische Propaganda keinesfalls eine 
moderne Erfindung ist, zeigt der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) in seinem Westfälischen Landesmuseum 
für Kunst und Kulturgeschichte in Münster die Radierung 
"Dreiviertelporträt Wilhelm I. Prinz von Oranien in 
Rüstung", die Hendrik Goltzius (1558 - 1617) 1581 
geschaffen hat. Das Porträt ist von vier Emblemen umrahmt, 
drei davon beziehen sich auf die alttestamentarische 
Geschichte des Auszugs der Israeliten aus Ägypten. 
"Wilhelm von Oranien soll als neuer Moses das 
niederländische Volk aus der Umklammerung der spanischen 
Krone befreien", erklärt LWL-Kunsthistoriker Dr. Michael 
Henning.

Obwohl "der Schweigsame", wie Wilhelm auch genannt wurde, 
aus der hessischen Provinz stammt, gilt nationaler Held 
und "Vater des Vaterlandes". Denn mit seinem Aufstand 
gegen die spanische Krone legte er den Grundstein für die 
Unabhängigkeit der Niederlande. Bereits mit elf Jahren 
geriet er in die Wirren der europäischen Politik, als er 
von seinem Cousin René de Chalon das südfranzösische 
Orange und einige Besitztümer in den Niederlanden erbte. 
Dafür zahlt er allerdings einen hohen Preis: Der 
protestantisch erzogene Wilhelm muss nicht nur auf sein 
väterliches Erbe verzichten, er muss auch zum katholischen 
Glauben übertreten. 

Als glühender Verfechter eines strengen Katholizismus 
lässt der spanische König Kalvinisten und Andersgläubige 
auch in den Niederlanden verfolgen. Außerdem verlangt der 
König immer mehr Steuern und beteiligt den 
niederländischen Hochadel nicht an den 
Regierungsgeschäften. All das führt zu starken Konflikten, 
Wilhelm von Oranien wird schließlich zum Wortführer der 
unzufriedenen Adeligen. Obwohl er Katholik ist, leuchtet 
es ihm nicht ein, dass Fürsten über die Religion ihrer 
Untertanen bestimmen können - in jener Zeit ein 
revolutionärer Gedanke. Wilhelm versucht zunächst zu 
vermitteln, als das scheitert, kämpft er ab 1568 mit einer 
Guerillaarmee aus Freiwilligen gegen die Spanier. 

Dabei durchstechen die Niederländer die Deiche, setzen 
damit Teile des Landes unter Wasser und zwingen so die 
spanische Armee zum Rückzug. Damit beginnt ein 
jahrzehntelanger Kampf um die Unabhängigkeit der 
Niederlande, der erst mit dem "Frieden von Münster" 1648 
Erfolg hat. Doch das erlebt Wilhelm nicht mehr: Bereits 
1581 belegt Phillipp II. ihn mit einem Bann, erklärt ihn 
für vogelfrei und setzt eine hohe Belohnung auf seine 
Ermordung aus. Am 10. Juli 1584 fällt er tatsächlich einem 
Attentat zum Opfer: Balthasar Gérad ermordet ihn auf der 
Treppe seines Prinzenhofes in Delft.

INFO

Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster
Domplatz 10
48143 Münster
Tel. ++49/0251/5907-01
Fax ++49/0251/5907-210
Email: landesmuseum at lwl.org