[WestG] [AUS] Alice Musiol, Stickstoff, Bocholt, 19.09.-21.11.2004
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fre Sep 17 09:11:41 CEST 2004
Von "Christiane Spänhoff", <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum 16.09.2004, 10:46
AUSSTELLUNG
"Stickstoff" bricht Idylle im Arbeiterhaus
LWL-Textilmuseum zeigt Ausstellung mit Objekten von
Alice Musiol
Ein Teppich aus Salzstangen verwehrt Besuchern derzeit
den Eintritt in die "gute Stube" des Arbeiterhauses im
Textilmuseum Bocholt. Die Installation gehört zur neuen
Ausstellung "Stickstoff" mit Objekten von Alice Musiol.
Am kommenden
Sonntag (19.9.) eröffnet der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe (LWL) den außergewöhnlichen Dialog
zwischen Geschichte und Kunst (bis 21.11.) in seinem
Bocholter Industriemuseum.
Mit ihren Objekten und Installationen durchbricht die in
Köln lebende Künstlerin das Bild von der guten alten
Zeit und setzt dem heimischem Idyll in den sechs Räumen
moderne Botschaften entgegen - und zwar vorwiegend mit
"Stickstoff": Die 33-jährige hat das bestehende
Interieur an einigen Stellen mit Stoffen ergänzt, die
durch Stickereien "beschrieben" und "bemalt" sind.
Handwerklich gliedern sich die Arbeiten in die Epoche
und das Milieu des Arbeiterhauses ein. Erst auf den
zweiten Blick wird deutlich, dass die Objekte aus einer
anderen Zeit stammen und irritierende Aussagen
enthalten. "ich habe vergessen, wie man träumt" hat
Alice Musiol als fiktives Zitat in eine Tischdecke
gestickt. An der Wand hängt ein Original-Ziertuch aus
der Zeit der Jahrhundertwende mit dem Spruch "Der Küche
Zier ist Reinlichkeit". So setzt sich die Künstlerin an
vielen Stellen mit Träumen und Sehnsüchten der
Hausbewohner auseinander.
Alice Musiol spielt mit dem Titel "Stickstoff"
gleichzeitig auf die erstickende Atmosphäre jener Zeit
an. Ihre Arbeiten stehen nach eigenem Selbstverständnis
für die Überwindung der seelischen und geistigen Enge
durch den Dialog mit der Kunst.
"Wir wagen uns mit dieser Ausstellung auf neues
Terrain", erklärt Museumsleiter Dr. Hermann Josef
Stenkamp. Der Dialog von Geschichte und Kunst solle
Besucher dazu anregen, sich mit den Alltagserfahrungen
und Gedanken der Menschen der damaligen und heutigen
Zeit auseinanderzusetzen.
Eigens für die Ausstellung hat Alice Musiol mit Bezug
auf ein Küchenziertuch mit der Aufschrift "Übe früh Dich
hauszuhalten" die Sonderedition eines Geschirrtuchs mit
der Einwebung "übe früh dich auszuhalten" entworfen. Das
LWL-Textilmuseum hat sie auf historischen Webstühlen in
einer limitierten Auflage von 100 Exemplaren produziert.
Besucher können das Tuch im Museum in gerahmter oder
ungerahmter Form kaufen.
Alice Musiol wurde 1971 in Polen geboren. Sie studierte
an der Academie Beeldende Kunsten in Maastricht, der
Nuova Accademia di Belle Arti in Mailand und schloss ihr
Studium 1999 als Meisterschülerin von Prof. A.R. Penck
an der Kunstakademie in Düsseldorf ab.
1998 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Bonn, 1999
nahm sie im Rahmen des Künstleraustauschs Nordspanien /
Nordrhein-Westfalen des Kultursekretariats NRW am
Projekt "Transfer" in Santiago de Compostella teil. Von
2001 auf 2002 erhielt sie ein Atelierstipendium der
Stadt Bonn, 2003 ein Projektstipendium der Kunststiftung
NRW für einen zweimonatigen Aufenthalt in Kanada. Alice
Musiol lebt in Köln. Derzeit arbeitet sie an einem
aufwändigen Foto- und Videoprojekt zum Thema Familie.
INFO
Alice Musiol. Stickstoff
19.9. (Eröffnung 11.15 Uhr) bis 21.11.2004
Westfälisches Industriemuseum
Textilmuseum Bocholt
Uhlandstraße 50.
geöffnet Dienstag-Sonntag 10-18 Uhr
Katalog: 6 €.