[WestG] [KONF] Generationengerechtigkeit? Normen und Praxis im Erb- und Ehegüterrecht, BI 23.-25.09.2004

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Die Sep 14 16:05:56 CEST 2004


Von: "Brigitte Honerlage" <brigitte.honerlage at uni-bielefeld.de>, Pressestelle Universität Bielefeld
Datum: 14.09.2004, 16:02


TAGUNG

Historischer Blick auf ein aktuelles Thema am Bielefelder Zentrum für 
interdisziplinäre Forschung

"Generationengerechtigkeit? Normen und Praxis im Erb- und 
Ehegüterrecht 1500-1850"

Das brandaktuelle Thema "Generationengerechtigkeit" aus historischer 
Sicht ist Gegenstand einer Tagung unter Leitung von Stefan Brakensiek 
(Bielefeld), Michael Stolleis (Frankfurt am Main) und Heide Wunder (Kassel), 
die vom 23. bis 25 September am Bielefelder Zentrum für interdisziplinäre 
Forschung (ZiF) stattfindet. Zu Normen und Praxis im Erb- und Ehegüterrecht 
zwischen 1500 und 1850 äußern sich dabei Experten unterschiedlichster 
Fachrichtungen.

In allen Gesellschaften besteht die Notwendigkeit, den Transfer von materiellen 
Gütern von einer Person auf andere zu gewährleisten. Diese Frage gewinnt 
vor allem während der großen lebensgeschichtlichen Passagen zwingende 
Bedeutung - Eintritt in das Erwachsenenleben und damit möglicherweise 
verbundene ökonomische Unabhängigkeit, Eheschließung, Versorgung im 
Falle von alters- oder krankheitsbedingter Erwerbslosigkeit, schließlich der 
Tod. Diese Einschnitte sind zumeist verbunden mit dem Transfer von 
Vermögensbestandteilen zwischen den Generationen und zwischen den 
Geschlechtern. Wie diese Transfers im Einzelnen vonstatten gehen, ist 
abhängig von kulturell und historisch höchst variablen Vorstellungen 
über angemessene Beziehungen zwischen Jung und Alt sowie zwischen 
Mann und Frau. Die Rekonstruktion von Vermögenstransfers und ihrer 
Rechtfertigung lässt insbesondere Rückschlüsse zu über die variierenden 
Vorstellungen von Billigkeit und Gerechtigkeit sowie über deren Geltung. 
Der Zusammenhang zwischen rechtlichen und ethischen Normen und der 
intergenerationellen Transferpraxis in den drei Jahrhunderten vor 
Beginn der Moderne wird auf dieser Tagung von Historikern und 
Rechtshistorikern, Volkskundlern und Ethnologen, Soziologen und 
Philosophen in den Blick genommen.

Im Begriff "Generationengerechtigkeit" sind zudem Probleme angelegt, 
die sich nicht allein durch die Analyse des positiven Rechts und der 
sozialen Praxis der Beteiligten klären lassen. Sowohl bei der 
Formulierung von rechtlichen Normen als auch bei Auseinandersetzungen 
um ihren praktischen Gebrauch bezogen sich die Zeitgenossen der 
frühen Neuzeit auf ethische Prinzipien, die sie der Bibel, den antiken 
Philosophien und den aktuellen Ethiken entnahmen. Höchste Bedeutung 
kam dabei dem biblischen Gebot der Elternliebe zu, das sich in erster
Linie nicht an Kinder wandte, sondern an Erwachsene, die ihren Eltern
mit Respekt begegnen und gehorchen sollten. Deshalb gehören zu den
Experten auf der ZiF-Tagung auch Kenner der Theologie- und Philosophiegeschichte.


INFO

Weitere Informationen sowie das Tagungsprogramm erhalten Sie unter:
www.uni-bielefeld.de/ZIF/AG/2004/09-23-Brakensiek.html.
Bei inhaltlichen Fragen wenden Sie sich bitte an die Veranstaltungsleitung:
PD Dr. Stefan Brakensiek, Telefon: 0521/106 3263
E-Mail: stefan.brakensiek at uni-bielefeld.de. 

Tagungsbüro des ZiF: Telefon 0521/106 2768.