[WestG] [AKT] Nobelpreisträger begeistert von Paderborner Fürstenberg-Tagung

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Okt 13 09:14:57 CEST 2004


Von: "Börste Stadt Paderborn", <n.boerste at paderborn.de>
Datum: 07.10.2004 16:47 


AKTUELL 
 
Nobelpreisträger begeistert von Paderborner Fürstenberg-
Tagung

Lob aus New York

'Faszinierend!' Dieses Prädikat gibt der heute in New York 
lebende Zellforscher und Nobelpreisträger Professor Günter 
Blobel der Tagung der Stadt Paderborn zum Thema 
'Rekonstruktion - Alternativen zur baulichen 
Wiederherstellung' im Heinz Nixdorf MuseumsForum im Rahmen 
des Paderborner Fürstenberg-Projekts. Prof. Günter Blobel 
hatte 1999 den Nobelpreis für Medizin erhalten und über 
1,6 Millionen DM, der ungeteilten Preissumme des 
Nobelpreises für Medizin und Physiologie zum Wiederaufbau 
der Dresdener Frauenkirche gestiftet. Prof. Bobel war es 
auch, der für die von ihm 1995 gegründete US-amerikanische 
Fördergesellschaft 'Friends of Dresden ' Persönlichkeiten 
wie Henry Kissinger, David Rockefeller, wie Henry Arnhold 
und die Guggenheim-Nachkommin Iris Love gewonnen hat. 
Keiner der weltweiten Fördervereine für die Frauenkirche 
kann mit so viel Prominenz aufwarten wie der 
amerikanische. 

Der 68jährige Biochemiker von der Rockefeller-Universität 
in New York schrieb nun direkt dem Organisator und 
Tagungsleiter des Kongresses, Dr. Norbert Börste unter 
anderem: 'Das Programm ist faszinierend!' Er setze sich 
schon seit vielen Jahren für die Rekonstruktion 
vernichteter Bauten wie die Frauenkirche Dresden und die 
Paulinerkirche Leipzig ein. Leider finde er in Deutschland 
eine sehr starke Tendenz, besonders von Seiten der 
Denkmalpfleger, gegen den Wiederaufbau. Das habe er ganz 
besonders in Leipzig gemerkt. Die 1968 erfolgte Sprengung 
der völlig intakten Paulinerkirche bezeichnet der 
Nobelpreisträger als einen 'Akt der Kulturbarbarei'. Was 
da zerstört wurde, könne nach den Ansichten vieler 
Denkmalpfleger und der überwiegenden Mehrheit deutschen 
Architekturjournalisten mit Ausnahme von Dankwart 
Guratzsch eben nicht wiederaufgebaut werden. Prof. Günter 
Blobel: 'Mit dem Wiederaufbau kreiert man ein Disneyland 
und es sind eben nur Kopien, so lautet das Argument dieser 
Leute. Es wird noch lange Zeit in Deutschland dauern bis 
die akademische und offizielle Denkmalpflege sich von 
diesen irrigen Ansichten entfernen wird. Bis wir das 
erreicht haben, werden die deutschen Städte immer 
trostloser und steriler werden und zwar irreversibel!'


Auch in Berlin gibt es seit Jahren gibt es einen 
erbitterten Streit zwischen Denkmalpflegern und Bürgern, 
die den Berliner Palast der Republik abreißen lassen und 
das Stadtschloss wieder auferstehen lassen wollen. Mit dem 
neuen 'Humboldt-Forum' soll Berlin dann 'Weltort der 
Kultur' werden, wie Wilhelm von Boddien, Geschäftsführer 
des Wiederaufbauvereins auf der Paderborner Tagung 
vortrug. Auch über dieses Thema wurde heftig diskutiert, 
aber auch die Möglichkeiten und Methoden der 
Rekonstruktion historischer Bausubstanz mit zahlreichen 
Vorträgen, einer öffentlichen Podiumsdiskussion und einer 
begleitenden Ausstellung im Heinz Nixdorf MuseumsForum 
exzellent ergänzt. 

Ausgerichtet wurde diese bundesweite Tagung vom 16.-17. 
September mit europäischer Beteiligung mit insgesamt 300 
Teilnehmern von der Stadt Paderborn in Zusammenarbeit mit 
dem Förderkreis Historisches Museum im Marstall und der 
Deutschen Stiftung Denkmalschutz und mit Unterstützung des  
Westfälischen Amtes für Denkmalpflege Münster im Heinz 
Nixdorf-MuseumsForum.

Besonders positiv vermerkt wurde von Prof. Klaus Trouet, 
Vizepräsident und Mitbegründer der Deutschen Stiftung 
Denkmalschutz, Bonn, dass viele Bürger immer noch bereit 
sind, für die Rekonstruktion und Erhaltung von 
historischen Gebäuden zahlreiche Spenden zu leisten.
Denkmalschützer nahmen in der Debatte eine etwas 
reserviertere Haltung ein und lehnen in der Regel 
komplette Rekonstruktionen ab, wobei die jetzt fertig 
gestellte Rekonstruktion des Paderborner Barockaltars der 
Marktkirche aber auch von der Denkmalpflege positiv 
beurteilt wird.

Ein besonderer Schwerpunkt der Tagung waren dabei moderne 
Computerverfahren, die in der Bauforschung und bei der 
Wiederherstellung von Gebäuden genutzt werden. Für 
Archäologen, Architekten, Denkmalpfleger, Ingenieuren, 
Kunsthistoriker und Städteplaner eröffnen sich mit der 
virtuellen Darstellung historischer Objekte aufregende 
neue Wege: 'Die High-Tech-Denkmalpflege steht noch ganz am 
Anfang' schwärmte der Berliner Landeskonservator Prof. 
Jörg Haspel. Mit dieser Hochtechnologie-Denkmalpflege 
könne auch die Pädagogik profitieren, sagte Professor Gerd 
Weis, Vorsitzender der Vereinigung der 
Landesdenkmalpfleger und empfahl Bürgermeister Heinz Paus, 
dieses Thema auf Dauer in Paderborn mit wiederkehrenden 
Tagungen zu etablieren. Heinz Paus sieht darin eine 
überregionale Anerkennung des Kultur-, Technologie- und 
Universitätsstandorts Paderborn und nahm diesen Vorschlag 
gerne entgegen und versprach nach dem sehr gelungenen 
Kongress mit äußerst positiver Resonanz hinsichtlich 
Thema, Organisation und Programmgestaltung, diesen 
Vorschlag der Elite der deutschen Denkmalpflege 
wohlwollend zu prüfen.

Ferdinand von Fürstenberg, Fürstbischof, Gelehrter und 
Mäzen, ist eine der interessantesten Gestalten der 
Geistesgeschichte Westfalens. Das Fürstbistum Paderborn 
mit der Residenz Neuhaus als Zentrum gelangte in 
religiöser, politischer, wirtschaftlicher, sozialer, 
wissenschaftlicher und kultureller Hinsicht unter 
Ferdinand zur Blüte. Bedeutende Künstler repräsentieren 
den 'Fürstenberger Barock'. In Paderborn setzte er 
wichtige bauliche Akzente. Das Prunkstück: die kürzlich 
vollendende Rekonstruktion des im Krieg völlig zerstörten 
Barockaltars in der von Ferdinand gestifteten ehemaligen 
Jesuitenkirche. Die Wiederherstellung ist äußerer Anlass 
für das Paderborner Fürstenberg-Projekt, das noch bis zum 
9. Januar 2005 mit Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen und 
Exkursionen Ferdinand von Fürstenberg und sein Wirken 
vorstellt.
 
Sonderausstellung im Historischen Museum im Marstall
 
"Friedensfürst und guter Hirte. Ferdinand von Fürstenberg 
(1626 - 1683) - Fürstbischof von Paderborn und Münster"
 
Ein westfälischer Bischof, Gelehrter und Mäzen mit 
europäischer Bedeutung
 
Bis in unsere Gegenwart hinein dokumentieren Klöster und 
Kirchen das Wirken des über seine Zeit weit herausragenden 
Fürstbischofs Ferdinand II. von Fürstenberg. Er wurde 1626 
auf Schloß Bilstein geboren und bei den Jesuiten in Siegen 
erzogen. Nach dem Universitätsstudium in Paderborn, 
Münster und Köln berief ihn Kardinalstaatssekretär Fabio 
Chigi an die römische Kurie. Nachdem dieser als Papst 
Alexander VII. den Stuhl Petri bestiegen hatte, ernannte 
er Ferdinand zu seinem Geheimkämmerer. In Rom fand er 
Aufnahme in den Gelehrten- und Künstlerkreis ( u.a. mit 
Bernini) um den Papst und schloß Freundschaft mit 
bedeutenden Wissenschaftlern. Nach seiner Wahl zum Bischof 
von Paderborn 1661 begann Ferdinand eine umfassende 
Bautätigkeit. 
 
Zahlreiche Kirchen wurden in seinem Bistum entweder neu 
errichtet oder grundlegend renoviert, eine der größten 
"Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen" nach dem Dreißigjährigen 
Krieg. Allein in der Bischofsstadt wuchsen die 
Franziskaner-, Jesuiten-, und Kapuzinerkirche unter seiner 
Aufsicht empor. Ähnlich war schon sein Förderer Alexander 
VII. in Rom verfahren, der aus demselben Grund dichtete, 
sich mit Geschichtsschreibung befaßte und durch seine 
Bauaufträge der Stadt seinen Stempel aufprägte. Nach 
Paderborn zurückgekehrt, begann Ferdinand, den römischen 
"Musenhof" in Neuhaus nachzubilden und sich mit gelehrten 
Männern zu umgeben. 1678 wurde er zusätzlich Bischof von 
Münster. Aufgrund seiner weit gespannten Interessen 
entwickelte sich seine Residenz Schloß Neuhaus zu einem 
gesellschaftlichen und geistigen Mittelpunkt von 
europäischem Rang.
 
Im Historischen Museum im Marstall wird erstmals eine 
größere Auswahl der Fülle des bisher unbekannten 
Quellenmaterials gezeigt, das neben den ausgestellten 
Gemälden, Grafiken, Möbeln und Gläsern beweist, wie 
facettenreich das Amt des Fürstbischofs war. Ferdinand war 
nicht nur Fürstbischof sondern auch Geistesmensch und 
Mäzen. Er betätigte sich als Dichter und Historiker, und 
so waren es vor allem Dichter und Historiker, die er aktiv 
förderte. 

In keinem anderen Bereich seiner Tätigkeit erwies er sich 
so sehr als Europäer wie in demjenigen der Gelehrsamkeit. 
Dadurch wurde er zum Bürger der internationalen 
Gelehrtenrepublik, in der nationale oder konfessionelle 
Herkunft, Stand, Beruf und Alter eine untergeordnete Rolle 
spielten. So konnte er auch als Ausländer, als junger Mann 
und in hierarchisch niedriger Stellung Vorsteher der 
römischen Akademie werden, der immerhin alle Päpste seines 
Jahrhunderts vor ihrer Wahl angehört hatten. Man begegnete 
sich unter Gelehrten auf gleicher Augenhöhe. 
Einer der bedeutendsten Gelehrten war Leibniz, mit dem er 
korrespondierte und der ihn zweimal in Neuhaus aufsuchte. 
In der Ausstellung werden diverse Korrespondenzen gezeigt 
( u.a. aus dem Archiv des Freiherrn von Fürsteneberg - 
Herdringen und der Niedersächsischen Landesbibliothek 
Hannover).

Zeit seines öffentlichen Wirkens verschickte Ferdinand - 
als Mittel der Beziehungspflege - gezielt seine eigenen 
literarischen Werke. Aus der Erzbischöflichen Akademischen 
Bibliothek Paderborn wurden diverse dieser bibliophilen 
Kostbarkeiten entliehen und gehören mit zu den Höhepunkten 
der Ausstellung. Auffallend in der Reihe der heute noch 
vorhandenen Bücher sind Bände aus rotem Maroquin-Leder und 
reicher Goldprägung. Neben historischen Büchern sind auch 
Prachtausgaben der Poetik und Panegyrik aus Ferdinands 
Bibliothek ausgestellt. 
Wahrscheinlich kam es Ferdinand nicht so sehr auf eine 
damals übliche barocke Repräsentationsbibliothek an - ein 
eigener Bibliotheksraum ist im Schloß Neuhaus zu 
Ferdinands Zeit nicht nachzuweisen- als vielmehr auf die 
inhaltliche Seite. 
 
Auch im Münzwesen schuf Ferdinand von Fürstenberg 
bedeutende Kostbarkeiten. Seine Repräsentationsmünzen 
gehören zu den schönsten, die je in Westfalen hergestellt 
wurden -etliche davon sind im Marstall zu sehen. 
Leihgaben aus dem Westfälischen Landesmuseum für Kunst und 
Kulturgeschichte in Münster dokumentieren die Zeit 
Ferdinands als Bischof von Münster. 
Ein weiterer Ausstellungsschwerpunkt ist die Tafelkultur 
am Hofe zu Neuhaus. 
Als Ferdinand sein Amt antrat und die Residenz bezog, 
erließ er sehr schnell eine Hofordnung, die deutlich 
macht, welch hohen Stellenwert die Mahlzeiten im Tageslauf 
der Hofhaltung einnahmen. Damit entsprach er einem Trend 
seiner Zeit, an den Höfen eine aufwendige Tafelkultur zu 
pflegen. Die Trinkgläser am Hofe Ferdinands spielten dabei 
eine außerordentlich wichtige Rolle( Abb.6 ).
 
Weitere Höhepunkte der Ausstellung sind u.a. Werke von 
Johann Georg Rudolphi, Jan Matham, Carlo Maratta und 
Johann Mauritz Gröninger 
 
 
INFO

Zur Ausstellung erscheint der Aufsatzband (mit 
Katalogteil)
"Friedensfürst und Guter Hirte - 
Ferdinand von Fürstenberg 
Fürstbischof von Paderborn
und Münster"
Hrsg. von Norbert Börste und Jörg Ernesti 
im Verlag Schöningh - Wissenschaft , 
ca. 630 Seiten, mit 150 schwarz-weißen und 50 farbigen 
Tafeln, E 29,90/ sFr 50,80
ISBN 3-506-71319-1
 
Historisches Museum im Marstall
Dr. Norbert Börste
Marstallstraße 9
33104 Paderborn
E-Mail n.boerste at paderborn.de 
 
Eintritt frei
Geöffnet: Di.- So. 10.00 - 18.00 Uhr
Zentrale Buchungstelle für Führungen "Ferdinand von 
Fürstenber und seine Zeit": 
Tourist Information Paderborn, Marienplatz 2a, 33098 
Paderborn
Tel. 05251/882980
Fax 05251/882990
E-Mail tourist-info at paderborn.de