[WestG] [AKT] LWL kuert Lemgoer Hexenbuergermeisterhaus zum Denkmal
des Monats
Rita Börste
rita.boerste at lwl.org
Fre Mai 7 12:54:21 CEST 2004
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 07.05.2004, 07:57
AKTUELL
LWL kürt Lemgoer Hexenbürgermeisterhaus zum Denkmal des Monats
Lemgo (lwl). Das Hexenbürgermeisterhaus in Lemgo (Kreis Lippe),1568/1571 erbaut, gilt als
ein Meisterwerk bürgerlicher Renaissance-Architektur. Schon in der Mitte des 19.
Jahrhunderts wurde es aus Sicht der damals noch jungen Denkmalpflege als überregional
bedeutend eingestuft. Als dann im Jahr 1911 der damalige Besitzer die reichgestaltete
Giebelfassade entfernen und durch einen zeitgemäßen Neubau ersetzten wollte, rief das
einen Sturm der Entrüstung in der kunst- und baugeschichtlichen Fachwelt hervor. Die Stadt
Lemgo reagierte und kaufte das Gebäude, um darin ein Heimatmuseum einzurichten, damit wurde
das Haus eines der ersten ostwestfälischen Stadtmuseen. Seit 1999 ist das Museum
Hexenbürgermeisterhaus geschlossen, weil es dringend restauriert werden musste. Die
jetzt abgeschlossenen Arbeiten sind besonders gut gelungen, deshalb hat der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Hexenbürgermeisterhaus kurz vor seiner
Eröffnung als Denkmal des Monats Mai ausgezeichnet. "Die Sanierung des Hauses entspricht im
besten Sinn dem denkmalpflegerischen Ziel, die Vielschichtigkeit der Bausubstanz dieses
häufig umgebauten Hauses zu erhalten. So zeigt eine neue, zurückhaltende Dreifarbigkeit im
Inneren, wo sich im Gebäude ältere und jüngere Teile befinden, was authentisch ist und welche
Ergänzungen in jüngerer Zeit dazugekommen sind", lobt LWL-Denkmalpflegerin Dr. Barbara
Seifen.
Der Name des Hauses mit dem auffallenden Werksteingiebel, der 1571 vom Baumeister
Hermann Wulff errichtet wurde, erinnert an einen seiner ehemaligen Besitzer im 17.
Jahrhundert, den Juristen und Bürgermeister Hermann Cothmann. Er wurde als unerbittlicher
"Hexenjäger" bekannt. Im 16. und 17. Jahrhundert war das repräsentative Bürgerhaus reich
gestaltet und ausgestattet. Später erfolgten schlichte Umbauten entsprechend den sich
ändernden Besitz- und Wirtschaftsverhältnissen. Im 19. Jahrhundert diente es längst nicht
mehr als reiches Bürgerhaus: Zu dieser Zeit bewohnten es Handwerker, die hier auch eine
Werkstatt und einen Laden eingerichtet hatten. In den 1930er Jahren wurde das Haus bei einer
ersten großen Sanierung für die Museumsnutzung verändert, das ehemalige Bürgerhaus der
Renaissance sollte rekonstruiert werden. Wegen bau- und nutzungstechnischer Mängel
musste das als Museum genutzten Gebäude 1999 dringend instand gesetzt werden. Planung und
Umsetzung wurden erschwert durch hohen Anforderungen an eine besucherfreundliche
Erschließung, an das Raumklima und an den Brandschutz, die das Haus als öffentliches Museum
nun erfüllen sollte.
"Alle Planungen liefen beim Leiter des städti-schen Bauamtes, Helmut
Strüßmann, zusammen. Mit großer Umsicht und mit der nötigen Flexibilität, auf neue
Erkenntnisse der Bauforschung einzugehen, hat er das gute Gelingen der Sanierung
ermöglicht. Der städtische Denkmalpfleger Ralf Niemeyer hat alle Details der Sanierung im
Sinne der Denkmalpflege sehr gut begleitet," hebt Barbara Seifen hervor. "Das gesamte
Projekt hat inhaltlich sehr viel gewonnen, weil der Museumsleiter Jürgen Scheffler den
Bauhistoriker Dr. Holger Reimers daran beteiligt hat, die museumsgerechte Präsentation
der Ge-schichte des Hexenbürgermeisterhauses zu erarbeiten. Ihnen ist es gelungen, mit der
Bausubstanz sehr schonend umzugehen und das Haus so zu gestalten, dass es den Besuchern
unaufdringlich einen großen Teil seiner Geschichte vermitteln kann", betont Seifen. Wenn
das Hexenbürgerhaus Mitte Mai als - zunächst noch leeres Museum - wiedereröffnet wird,
werden die Besucher viel Neues und Verwandeltes entdecken können. "Manches wird ungewohnt
sein, das Gebäude regt an, Fragen zu stellen zu neuen und alten Umbauten", so Barbara Seifen.
Dieses sanierte Denkmal ist deshalb ganz sicher eine Reise nach Lemgo wert.