[WestG] [AKT] Vortrag: Radkau, Nutzen u. Nachteile der Geschichte fuer d. Umweltpolitik, Muenster, 13.05.04

Rita Börste rita.boerste at lwl.org
Fre Mai 7 13:14:59 CEST 2004


Von: "Bettina Hiller", <hillerb at uni-muenster.de>
Datum: 07.05.2004, 11:51


AKTUELL: VORTRAG

Vom Nutzen und Nachteil der Geschichte 
für die Umweltpolitik

Prof. Dr. Joachim Radkau
Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie
der Universität Bielefeld

Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe "Aspekte der Umweltforschung - Geschichte(n) 
der Umweltforschung: von der Antike bis zur Gegenwart" des Zentrums für Umweltforschung 
der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

am 13.05.2004 von 18:15 Uhr bis 19.45 Uhr
im Institut für Botanik und Botanischer Garten, Schlossgarten 3 (Hörsaal)


Abstract

Die Umweltbewegung besitzt in Deutschland - im Unterschied zu der in den USA - kein 
sehr ausgeprägtes Geschichtsbewusstsein. Man gewinnt vielmehr den Eindruck, dass sie 
von den Historikern nicht viel Gutes erwartet: Aufklärung über reaktionäre, wenn nicht 
gar nazistische Ursprünge des heutigen Umweltbewusstseins sowie darüber, dass die 
vermeintlich "modernen" Umweltprobleme in Wirklichkeit gar nicht neu seien und aus 
historischer Sicht keinerlei Aussicht darauf bestünde, dass die Menschen jemals von ihrem 
kurzsichtigen Egoismus ablassen würden. Wenn einst Nietzsche in seiner Schrift Vom 
Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (1873) die Gefahr beschwor, dass ein 
Übermaß an historischer Erinnerung jene Naivität zerstöre, die der Mensch zum frischen 
Handeln brauche, so könnte man dieses Bedenken auch auf die Umweltgeschichte 
und die Umweltpolitik übertragen. Mann muss zugeben: mit einem gewissen Recht. 
Zwar wird sich auch der Historiker, um nicht als Spielverderber zu gelten, zuweilen an 
intellektuellen Planspielen beteiligen, wie man Global Change durch entsprechende 
Entwicklungshilfe im ökologische Sinne umsteuert; aber es fällt ihm schwer, daran zu 
glauben. Die historische Erfahrung scheint zu zeigen, dass die Geschichte insgesamt 
planlos und sinnlos verläuft. Aber gerade indem man zeigt, dass das menschliche 
Steuerungsvermögen enge Grenzen hat, gewinnt man präzisere Anhaltspunkte dafür, 
wo sich wirklich etwas tun lässt. Daher behält Nietzsche am Ende vielleicht doch nicht 
ganz recht. 


Angaben zur Person des Referenten

Prof. Dr. Joachim Radkau 
Seit 1980 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld, Fakultät für 
Geschichtswissenschaft und Philosophie, Studium an den Universitäten Münster, 
Bielefeld und Hamburg; 1970 Promotion in Hamburg mit einer Dissertation über die 
deutsche USA-Emigration nach 1933, Habilitationsschrift zu "Aufstieg und Krise der 
deutschen Atomwirtschaft". 
Thematische Schwerpunkte seiner Arbeit sind: Technik und Umweltgeschichte, 
Medizin- und Mentalitätsgeschichte sowie Didaktik der Geschichte. 
Zu nennen sind Forschungen zur Waldgeschichte des 18. und frühen 19. Jahrhunderts 
und deren Zusammenhänge mit der Wirtschafts- und Kulturgeschichte sowie breit angelegte 
Arbeiten zur Technikgeschichte. Im Jahr 2000 folgte eine Weltgeschichte der Umwelt, 
aktuell schließt sich eine Beschäftigung mit der Geschichte des Naturschutzes in Verbindung 
mit dem Museum und Forum zur Naturschutzgeschichte auf der Drachenburg am Drachenfels 
an. 


INFO

Zentrum für Umweltforschung
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