[WestG] [AUS] William Morris, Glaskunst in Gernheim, 27. Juni - 5.
Sep. 2004
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Jun 23 10:49:22 CEST 2004
Von: "Christiane Spänhoff", <christiane.spaenhoff at lwl.org>
Datum: 23.06.04, 10:30
AUSSTELLUNG
Neue Ausstellung in der Glashütte Gernheim
William Morris: Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft
Nach dem Ausstellungsprojekt mit dem amerikanischen
Glaskünstler Therman Statom im vergangenen Jahr zeigt
das Westfälische Industriemuseum Glashütte Gernheim in
diesem Sommer erneut renommierte Glaskunst aus den USA.
"William Morris. Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft"
heißt die Werkschau vom 27. Juni bis 5. September 2004
im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).
Morris, geb. 1957 in Carmel, Kalifornien, zählt zu den
bedeutendsten amerikanischen Glaskünstlern der Gegenwart.
Die Ausstellung von Objekten und Installationen in Gernheim
präsentiert rund 40 Arbeiten aus den letzten 20 Jahren und
wurde vom Glasmuseum Ebeltoft, Dänemark, erarbeitet.
Zwei Dinge, so schreibt die New Yorker Kunstkritikerin Karin
Chambers im Einleitungsessay zum Ausstellungskatalog, seien
neben Morris unübersehbaren Virtuosität im Umgang mit dem
Material Glas besonders bemerkenswert an seiner Arbeit:
Zum einen seine Vielseitigkeit, zum anderen aber seine Konzentration
auf eine ganz bestimmte Sichtweise. Die Vielfalt zeige sich an den
physischen Formen, die von verzierten Gefäßen bis zu naturalistischen
Gebilden einer gedachten Realität reichen, sie alle aber seien in
einer Weise hergestellt, die keinen Bezug zur Natur nimmt. Welche
Form auch immer er wählt: Es geht immer um Kultur, nicht um die Natur.
An prähistorische Höhlenzeichnungen erinnernde Figuren finden
sich auf seinen frühen Werken, "Steine" zeigen die gewaltigen
Kräfte der Natur, aber sie sind von Menschenhand arrangiert.
Mehr und mehr setzt Morris auch ganze Ensembles zusammen,
die Geschichten erzählen und von der Auseinandersetzung des
Menschen mit der Natur erzählen. Immer wieder sind es auch
archäologische Funde, die Morris zu seinen Arbeiten inspirieren,
z.B. kleine Gefäße in Tierform, wie sie aus dem zweiten vorchristlichen
Jahrtausend im Iran gefunden wurden. Dabei erweist sich Morris
aber als ein Grenzgänger, der nicht nur eine Kultur im Blick hat,
sondern ebenso mittelöstliche wie amerikanische, europäische
wie indische Elemente verarbeitet.
Am Ende der 1990 er Jahre sind es vermehrt lebende Tiere, die
in den Blick des Künstlers geraten, Tiere und die in ihnen in
verschiedenen Kulturen zugemessene Bedeutung, z.B. der Rabe
als Überbringer von Botschaften, als Sinnbild der Klugheit, als
Verkündiger von Bösem oder Tod. Immer wieder muss sich der
Betrachter daran machen, Morris Geschichten zu "lesen", der
große Umfang einiger Installation erlaubt mitunter gar nicht
die Betrachtung eines gesamten Kunstwerks auf einen Blick.
Erst seit Beginn des neuen Jahrtausends befasst sich Morris
auch mit der menschlichen Gestalt, auch hier aber kommt es
schnell zu interkulturellen Mischungen. Es gelingt Morris im
Laufe der Jahre auf diese Weise, eine ganz eigene Welt und
eine besondere Formensprache zu entwickeln.
Einen neuen Schwerpunkt bilden seit wenigen Jahren seine reich
geschmückten, emotional berührende Urnen. Eine erste hatte
Morris für die Asche seiner Mutter hergestellt, viele weitere
folgten nach dem 11. September 2001, an dem auch er Freunde
verlor. Auch diese Urnen zitieren viele verschiedene Kulturen,
aber sie lassen die Unterschiede zurücktreten zugunsten eines
gemeinsam empfunden Wunsches nach Gedenken. Eher emotional
als für den intellektuellen Zugriff geeignet, dennoch nie rührselig,
zugleich aber sorgfältig geplant und ausgeführt wie alle Werke
von Morris, verbinden die Urnen Kultur und Natur, den Menschen
und seinen Schöpfer.
INFO
William Morris. Past - Present - Future
27. Juni (Eröffnung 11 Uhr) bis 5. September 2004
Westfälisches Industriemuseum
Glashütte Gernheim
Gernheim 12
32469 Petershagen-Ovenstädt
Geöffnet Di-So 10-18 Uhr
Kontakt: Michael Funk
Glashütte Gernheim
Tel. 05707 9311-0
Christiane Spänhoff
Westf. Industriemuseum
Tel: 0231/6961-127